Januar 2025, ein Hamburger E-Commerce-Startup. Die AWS-Rechnung für Dezember trifft ein: 4.200 Euro, mehr als doppelt so viel wie die 1.800 Euro im November. Der Gründer wählt durch die Positionen: NAT Gateway 380 Euro, Cross-AZ Data Transfer 290 Euro. CloudWatch Logs 175 Euro, dazu S3-Requests (nicht Speicher, nur die Anfragen) für 140 Euro. Keiner dieser Posten war eingeplant.

Über Weihnachten hatte sich der Traffic verdreifacht. Die Auto-Skalierung tat, wofür sie gedacht war: Sie skalierte. Jede zusätzliche Instanz erzeugte zusätzlichen Datenverkehr zwischen den Verfügbarkeitszonen, zusätzliche NAT-Gateway-Kosten und zusätzliche Log-Daten. Technisch lief alles einwandfrei. Die Rechnung nicht.

Solche Überraschungen sind kein Einzelfall. Laut dem Flexera State of the Cloud Report 2025 überschreiten Unternehmen ihr Cloud-Budget im Schnitt um 17 Prozent. Kosten sind die häufigste Frage, die Teams bei der Wahl ihrer Infrastruktur stellen, und die am schlechtesten beantwortete. Anbieter veröffentlichen Preislisten, aber die tatsächlichen Kosten ergeben sich erst im Betrieb, wenn Datenverkehr zwischen Verfügbarkeitszonen, NAT Gateways und Support-Gebühren die monatliche Rechnung nach oben treiben. Dieser Artikel rechnet drei Szenarien durch: auf deutschen VPS und bei den großen Cloud-Anbietern.

Self-Hosted auf deutschen VPS: Was kostet ein Produktivcluster?

Hetzner Cloud ist für Entwickler im DACH-Raum der Referenzanbieter. Rechenzentren in Nürnberg, Falkenstein und Helsinki, deutschsprachiger Support, eine gut dokumentierte API. Stand Februar 2026 kosten die relevanten Servertypen:

Für Container-Workloads auf K3s sind die CX33 und CPX32 die interessantesten Typen. Shared vCPUs reichen für die meisten Webanwendungen aus, solange keine durchgehend hohe CPU-Last anliegt. ARM-basierte CAX-Instanzen bieten ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis, setzen aber voraus, dass alle Container-Images auch für ARM64 gebaut werden. Multi-Arch-Builds mit Docker Buildx lösen das, erfordern jedoch Anpassungen in der CI/CD-Pipeline.

Neben den Servern fallen weitere Posten an. Der Hetzner Load Balancer kostet 5,39 Euro im Monat. Object Storage (S3-kompatibel) startet bei 4,99 Euro für ein Terabyte. Volumes für persistenten Speicher berechnet Hetzner mit 0,044 Euro pro Gigabyte im Monat. Backups kosten 20 Prozent des Serverpreises. Ausgehender Traffic ist bis 20 Terabyte im Monat inklusive, was für die allermeisten Projekte mehr als ausreicht.

Welche Preiserhöhung kommt auf Hetzner-Kunden zu?

Hetzner hat für den 1. April 2026 eine Preiserhöhung zwischen 30 und 37 Prozent angekündigt. Ein CX33, der heute 5,49 Euro kostet, wird danach bei rund 6,50 Euro landen, und der CPX32 steigt von 10,99 auf etwa 14,80 Euro. RAM- und SSD-Preise sind seit September 2025 um mehrere hundert Prozent gestiegen. Preise in diesem Artikel beziehen sich auf den Stand vor der Erhöhung.

Auch nach dem Anstieg bleibt Hetzner der günstigste deutsche Cloud-Anbieter. Halbiert wird dadurch der Kostenvorteil gegenüber IONOS und Netcup, aber der Abstand zu AWS, Azure und GCP bleibt strukturell. Faktor fünf bis sechs schrumpft auf Faktor drei bis fünf. Kein Grund zur Panik, aber ein Grund, die eigenen Cluster-Konfigurationen zu überprüfen.

IONOS, Netcup, Strato: Alternativen im deutschen Markt

IONOS bietet vergleichbare VPS-Produkte und liegt preislich knapp über Hetzner. Vorteil: telefonischer Support, der bei Hetzner fehlt. Für Teams, die keinen dedizierten Ops-Mitarbeiter haben und bei einem Ausfall um drei Uhr morgens jemanden anrufen wollen, kann das den Aufpreis von wenigen Euro im Monat rechtfertigen. Netcup ist bei Root-Servern günstig und hat eine loyale Community, bietet aber weniger Cloud-Funktionen (kein Load Balancer, kein Object Storage über die API). Strato richtet sich eher an Webhosting-Kunden als an DevOps-Teams. Container-Deployments sind dort nicht das Kerngeschäft.

Was übersehen Self-Hoster bei den Kosten?

Auf keiner Rechnung steht der größte Posten: Arbeitszeit. Allein die initiale Einrichtung eines K3s-Clusters dauert einen halben bis ganzen Tag. Laufende Pflege (Sicherheitsupdates, Kubernetes-Upgrades, Zertifikats-Rotation, Backup-Tests, Fehlerbehebung) verschlingt vier bis acht Stunden im Monat, was bei einem Stundensatz von 80 Euro 320 bis 640 Euro monatlich an unsichtbaren Kosten bedeutet.

Nachts fällt ein Knoten aus. Wer steht auf? Ein Dreipersonen-Team ohne dedizierten Ops-Mitarbeiter trägt diese Last auf wenigen Schultern. Bereitschaftsdienste lassen sich schlecht beziffern, aber sie kosten: an Schlaf, an Motivation, an Produktivität am nächsten Tag. Managed Kubernetes (bei Hyperscalern oder spezialisierten Anbietern wie Cloudfleet auf Hetzner) reduziert diese Last, kostet aber 50 bis 200 Euro im Monat zusätzlich.

Hyperscaler: Was managed Kubernetes tatsächlich kostet

AWS mit EKS, Microsoft mit AKS, Google mit GKE. Alle drei bieten managed Kubernetes. „Managed“ bedeutet: Der Anbieter betreibt die Control Plane (Updates, Patches, Hochverfügbarkeit der Verwaltungsschicht). Die Worker-Knoten (die Server, auf denen die Container laufen) bezahlt und verwaltet der Kunde selbst.

AWS EKS kostet 73 Dollar pro Monat allein für die Control Plane, das sind 0,10 Dollar pro Stunde. Dazu kommen EC2-Instanzen als Worker-Knoten, wobei drei t3.medium mit je zwei vCPUs und 4 GB RAM zusammen rund 91 Dollar im Monat kosten. Fast jedes produktive Setup braucht zudem einen NAT Gateway, der mit 32 Dollar Fixkosten plus Datenverarbeitungsgebühren zu Buche schlägt. Cross-AZ Data Transfer kostet 0,01 Dollar pro Gigabyte in jede Richtung. CloudWatch Logs kosten pro Gigabyte Ingestion. Addiert man alle Posten, wächst die Rechnung schnell, und genau das ist das Problem: Jeder einzelne Posten wirkt harmlos.

Azure AKS überrascht mit einem kostenlosen Control Plane im Free Tier. Keine 73 Dollar pro Monat für die Verwaltungsschicht. Das Standard Tier (mit SLA und besserer Verfügbarkeit) kostet 72 Dollar im Monat. Bezahlt werden nur die virtuellen Maschinen darunter. Drei B2s-Instanzen (zwei vCPUs, 4 GB RAM) kosten rund 120 Euro im Monat, was teurer ist als Hetzner, aber der Wegfall der Control-Plane-Kosten macht AKS zum günstigsten Hyperscaler-Angebot für kleine Cluster. Mein Eindruck: Microsofts Preismodell bei AKS ist das ehrlichste der drei großen Anbieter.

Google GKE bietet ebenfalls ein kostenloses Tier für einen zonalen Cluster. GKE Autopilot geht weiter: Kein Knoten-Management, der Kunde zahlt nur für die tatsächlich genutzten Pod-Ressourcen (0,0445 Dollar pro vCPU-Stunde, 0,0049 Dollar pro GB-Stunde). Für Anwendungen mit stark schwankendem Traffic, etwa Batch-Processing oder APIs mit nächtlichen Lastspitzen, kann sich dieses Modell rechnen, weil in Ruhephasen kaum Kosten anfallen. Bei den Egress-Kosten liegt Azure mit 0,087 Dollar pro Gigabyte vorn, gefolgt von AWS (0,09 Dollar). Google ist mit 0,12 Dollar im Premium Tier der teuerste Anbieter.

Wo verstecken sich die Kosten bei den Hyperscalern?

NAT Gateways sind der größte stille Posten bei AWS. Jeder Pod, der auf das Internet zugreift (und das tun die meisten: für API-Calls, Updates, Webhook-Benachrichtigungen), braucht einen Weg nach draußen. Der NAT Gateway stellt diesen Weg bereit. 32 Dollar Grundgebühr plus 0,045 Dollar pro Gigabyte verarbeiteter Daten. Bei 500 Gigabyte im Monat summiert sich das auf 55 Dollar. Viele Teams entdecken diesen Posten erst auf der zweiten oder dritten Rechnung.

Datenverkehr zwischen Verfügbarkeitszonen ist der zweite Kostentreiber. AWS empfiehlt, Workloads auf mindestens zwei AZs zu verteilen (für Hochverfügbarkeit). Jedes Byte, das zwischen diesen Zonen fließt, kostet. Gerade Kubernetes-Cluster mit Service Mesh und verteilter Datenbank erzeugen erheblichen internen Traffic. 100 Gigabyte Cross-AZ pro Monat sind bei einem mittelgroßen Setup keine Seltenheit und kosten bei AWS rund zwei Dollar. Klingt wenig, skaliert aber linear mit dem Wachstum.

Support-Tiers erhöhen die Rechnung nochmals. AWS hat Ende 2025 seine Support-Pläne umstrukturiert. Der neue Business Support+ startet bei 29 Dollar pro Monat, Enterprise Support bei 5.000 Dollar. Bestehende Pläne (Business ab 100 Dollar, Enterprise ab 15.000 Dollar) laufen am 1. Januar 2027 aus. Für ein kleines Team bleibt der neue Business Support+ damit die einzige finanzierbare Option, bietet aber im Gegensatz zum alten Enterprise Plan keine garantierten Reaktionszeiten für Produktionsausfälle.

Wo lohnt sich der Hyperscaler-Aufpreis?

Managed Databases sind das stärkste Argument. AWS RDS, Azure Database for PostgreSQL und Cloud SQL übernehmen Backups, Replikation, Patches und Failover. PostgreSQL mit Patroni auf eigenen Servern betreiben bedeutet sechs bis zwölf Stunden Wartung pro Monat, verteilt auf Updates, Replica-Lag-Überwachung, WAL-Archivierung und Failover-Tests. Managed-Database-Services kosten 30 bis 150 Euro im Monat und erledigen das alles automatisch. Für Teams ohne Datenbank-Expertise ist das oft die klügere Entscheidung.

Multi-Region-Deployments sind der zweite Bereich, in dem Hyperscaler kaum Konkurrenz haben. Eine Anwendung, die in Frankfurt, Dublin und Singapur gleichzeitig laufen soll, erfordert ein globales Netzwerk, das kein VPS-Anbieter im DACH-Raum abbildet. Compliance-Zertifizierungen (SOC 2, ISO 27001, BSI C5) sind bei den großen Anbietern standardmäßig verfügbar und für regulierte Branchen oft Voraussetzung.

Drei Szenarien durchgerechnet: Was zahlt ein DACH-Team wirklich?

Abstrakte Preislisten helfen wenig. Drei Szenarien zeigen im Folgenden konkrete Kostenstrukturen für unterschiedliche Projektgrößen. Alle Preise beziehen sich auf den Stand Februar 2026, vor der Hetzner-Erhöhung, und die AWS-Preise sind zum Kurs von 1 Dollar gleich 0,85 Euro umgerechnet.

Szenario 1: Kleines SaaS-Produkt (drei bis fünf Entwickler)

Fünf Container (Frontend, API, PostgreSQL, Redis, Worker), 500 bis 2.000 Nutzer, moderater Traffic, ein Team mit drei bis fünf Personen ohne dedizierten Ops-Mitarbeiter.

Faktor sechs. Für ein SaaS-Startup ohne Umsatz sind 180 Euro Differenz pro Monat kein Rundungsfehler, sondern zwei Monate längere Runway pro Jahr. Hetzners Setup deckt die gleichen Anforderungen ab. Kein managed Database-Service, kein Auto-Scaling, kein globales CDN. Aber für ein Produkt, das seine ersten tausend Nutzer sucht, braucht es das nicht.

Nach der Hetzner-Preiserhöhung im April steigt die Rechnung auf etwa 44 Euro. Damit sinkt der Faktor auf fünf. Immer noch ein massiver Unterschied.

Solche Rechnungen treiben kleine Teams regelmäßig zum Anbieterwechsel. Wer sechs Monate auf AWS zwischen 180 und 250 Euro monatlich zahlt und dann auf drei Hetzner-CX33 mit K3s umsteigt, spart über das Jahr gerechnet rund 2.000 Euro, die in Produktentwicklung oder Marketing fließen können. Voraussetzung ist allerdings, dass im Team jemand K3s-Cluster aufsetzen und pflegen kann.

Szenario 2: Wie viel kostet ein mittelgroßer E-Commerce-Cluster?

Zehn bis 15 Container, 5.000 bis 20.000 Nutzer, saisonale Lastspitzen (Black Friday, Weihnachten), ein Team mit fünf bis 15 Personen. Hochverfügbare Datenbank ist Pflicht, Ausfälle kosten direkt Umsatz.

Faktor sechs bis sieben, aber die Rechnung hat einen Haken. PostgreSQL mit Patroni selbst betreiben kostet keinen Euro an Lizenz, aber sechs bis zwölf Stunden pro Monat an Wartung, was bei 80 Euro Stundensatz 480 bis 960 Euro ergibt. RDS löst das Problem für 160 Dollar. Für Teams ohne Datenbank-Expertise kann sich der Hyperscaler-Aufpreis bei der Datenbank rechnen, selbst wenn der Rest auf Hetzner läuft.

Hybridmodelle bieten einen Ausweg: Compute auf Hetzner, Datenbank als Managed PostgreSQL über Drittanbieter auf Hetzner-Infrastruktur (etwa Ubicloud ab 12 Dollar oder Aiven). Insgesamt landen die Kosten dann bei 120 bis 180 Euro im Monat, ein Bruchteil der reinen AWS-Rechnung.

Szenario 3: Enterprise mit Multi-Region-Anforderung

30 Microservices, Multi-Region (Frankfurt und Dublin), strenge Compliance-Anforderungen (ISO 27001, SOC 2), ein dediziertes DevOps-Team mit drei bis fünf Personen.

Faktor fünf bis sechs, die Lücke schrumpft. Selbst betriebene Multi-Region-Cluster auf VPS erfordern ein WireGuard-VPN zwischen den Standorten, eine eigene DNS-Lösung (CoreDNS mit ExternalDNS), Cross-Region-Datenreplikation und erheblichen Konfigurationsaufwand. Hetzner hat kein Rechenzentrum in Dublin. Wer echte Multi-Region braucht, muss auf OVHcloud, Vultr oder eben die Hyperscaler ausweichen.

Hier meine Einschätzung: Ab dem Punkt, an dem ein Unternehmen Multi-Region und Enterprise-Compliance braucht, hat es auch das Budget für Hyperscaler-Preise. Rund 80 Prozent der Teams, die ein bis zwei Standorte bedienen und unter 20 Entwickler haben, fahren mit Hetzner wirtschaftlich besser. Verbleibende 20 Prozent wissen in der Regel, warum sie AWS oder Azure brauchen.

Welche Faktoren zeigt keine Preisliste?

Preisvergleiche, die nur Serverkosten nebeneinanderstellen, greifen zu kurz. Drei Faktoren verschieben die realen Kosten erheblich.

Lock-in-Effekte

Eine Anwendung, die AWS-spezifische Dienste nutzt (Lambda, DynamoDB, SQS, Cognito), ist an AWS gebunden, und der Wechsel zu Azure oder Self-Hosted erfordert Monate an Entwicklungsarbeit. Bei Hetzner läuft die gleiche Anwendung mit Open-Source-Alternativen (Valkey, PostgreSQL, RabbitMQ), die auf jedem Anbieter funktionieren. Vendor Lock-in ist kein theoretisches Risiko. Es ist ein konkreter Kostenfaktor, der bei jedem Anbieterwechsel fällig wird.

Konkret: Wer zehn Microservices von AWS auf Hetzner migrieren will, muss Lambda-Funktionen durch Container ersetzen, DynamoDB durch PostgreSQL ablösen und SQS gegen RabbitMQ tauschen. Erfahrungsgemäß bindet das zwei bis drei Entwickler für drei bis sechs Monate, was bei 80 Euro Stundensatz 75.000 bis 230.000 Euro an Migrationskosten bedeutet.

Skalierungskosten

Bei Hetzner skaliert man, indem man einen weiteren Server für 5,49 oder 10,99 Euro hinzufügt, der innerhalb von Minuten im Cluster registriert ist. Bei AWS skaliert man, indem man eine weitere Instanz startet, die automatisch NAT-Gateway-Kosten erhöht, Cross-AZ-Traffic erzeugt, CloudWatch-Metriken generiert und so die monatliche Rechnung überproportional steigen lässt. Jede zusätzliche Instanz bei AWS hat einen Rattenschwanz an Nebenkosten. Genau das hat das Hamburger Startup aus der Einleitung am eigenen Leib erfahren.

Teamkosten

Self-Hosting spart Geld, kostet aber Zeit. Zeit ist bei einem Fünf-Personen-Startup die knappste Ressource. Wenn der einzige Entwickler mit Kubernetes-Erfahrung kündigt, steht das Team vor einem Problem, das sich nicht mit Geld lösen lässt. Managed Kubernetes reduziert die Abhängigkeit von Einzelpersonen. Das ist kein Luxus, sondern Risikomanagement.

DSGVO und Datensouveränität: Ist der Standort ein Argument?

Deutsche VPS-Anbieter bieten Datensouveränität als Standardeigenschaft. Server in Deutschland, deutsches Recht, DSGVO. Kein US CLOUD Act, der theoretisch Zugriff auf Daten erzwingen könnte. Für Anwendungen, die personenbezogene Daten verarbeiten (und das tun fast alle), ist das ein juristischer Vorteil.

Auch Hyperscaler betreiben Rechenzentren in Frankfurt, München und anderen europäischen Standorten. AWS hat eine Region in Frankfurt (eu-central-1), Azure in Frankfurt und Berlin, Google Cloud in Frankfurt. Technisch können Daten in der EU bleiben, doch rechtlich bleibt umstritten, ob US-Behörden über den CLOUD Act trotzdem Zugriff verlangen können. Schrems II hat 2020 das Privacy-Shield-Abkommen gekippt, die Rechtslage verschärft, und der EU-US Data Privacy Framework von 2023 bietet zwar einen neuen Rahmen, doch sein Bestand bleibt fragil.

„Daten in Deutschland“ ist ein Verkaufsargument, das bei B2B-Kunden im DACH-Raum Vertrauen schafft. Hetzner, IONOS und Netcup ermöglichen dieses Versprechen ohne zusätzlichen Konfigurationsaufwand. Das klingt nach einem weichen Faktor, bis der erste Enterprise-Kunde nach dem Standort der Datenverarbeitung fragt und es plötzlich ein harter Faktor wird, der über den Vertragsabschluss entscheidet.

Fazit und Ausblick

Auf die Kostenfrage gibt es keine universelle Antwort, aber eine klare Tendenz: Ein K3s-Cluster auf drei Hetzner-CX33 kostet 33 Euro im Monat. Bei AWS kostet das gleiche Setup 210 Euro. Faktor sechs. Auch für mittelgroße E-Commerce-Setups bleibt der Faktor bei fünf bis sieben. Die Differenz ist nicht marginal, sondern strukturell.

Hetzners Preiserhöhung im April 2026 ändert dieses Bild nicht grundlegend. Selbst nach 37 Prozent Aufschlag bleibt ein K3s-Cluster auf Hetzner günstiger als jede Hyperscaler-Alternative. Lohnenswert wird der Aufpreis für Managed Services bei AWS, Azure oder GCP erst dann, wenn er Arbeitszeit spart, die das Team schlicht nicht hat, etwa für Datenbank-Administration, Multi-Region-Networking oder Compliance-Zertifizierung.

Mein Rat: Mit Hetzner starten. Wenn die Anforderungen wachsen (Multi-Region, Enterprise-Compliance, globale Nutzerbasis), gezielt Managed Services hinzubuchen. Nicht alles auf einmal zu AWS migrieren, sondern einzelne Dienste auslagern. Zuerst die Datenbank, den Rest später.

Wer noch unsicher ist, investiert einen Nachmittag in einen Proof of Concept: Einen Hetzner-CX33 aufsetzen, K3s installieren, einen Test-Container deployen. Vier Stunden Arbeit, 5,49 Euro für den ersten Monat. Danach lässt sich fundiert entscheiden, ob das eigene Team die Betriebsverantwortung tragen kann oder ob Managed Kubernetes die bessere Wahl ist.

Kosten und Orchestrierung sind entschieden. Aber ein Cluster, das läuft, ist noch kein Cluster, das zuverlässig läuft. Teil 5 behandelt die Infrastruktur hinter der Infrastruktur: Monitoring mit dem LGTM-Stack (Loki, Grafana, Tempo, Mimir) und Prometheus, Datenbank-Hochverfügbarkeit mit Patroni, Logging-Stacks und die Backup-Strategien, die Teams bis zum ersten Ausfall ignorieren.

Quellenverzeichnis

  1. Hetzner Online GmbH: Cloud Server Preisliste, hetzner.com/cloud (Stand: Februar 2026)
  2. Hetzner Online GmbH: Object Storage, hetzner.com/storage/object-storage (Stand: Februar 2026)
  3. Hetzner Online GmbH: Load Balancer und Volumes Preisliste, hetzner.com/cloud (Stand: Februar 2026)
  4. webhosting.today: „Hetzner Raises Prices from April 1, 2026“, Februar 2026
  5. AWS: Amazon EKS Pricing, aws.amazon.com/eks/pricing (Stand: Februar 2026)
  6. AWS: NAT Gateway Pricing, aws.amazon.com/vpc/pricing (Stand: Februar 2026)
  7. AWS: EC2 On-Demand Pricing (eu-central-1), aws.amazon.com/ec2/pricing/on-demand (Stand: Februar 2026)
  8. Microsoft: Azure Kubernetes Service Pricing, azure.microsoft.com/pricing/details/kubernetes-service (Stand: Februar 2026)
  9. Google Cloud: GKE Pricing, cloud.google.com/kubernetes-engine/pricing (Stand: Februar 2026)
  10. Flexera: 2025 State of the Cloud Report, flexera.com/blog/cloud/cloud-computing-trends (2025)
  11. Sedai: „Kubernetes Pricing 2026: EKS vs AKS vs GKE Comparison Guide“, sedai.io/blog, 2026
  12. Intercept Cloud: „The True Cost of Managed Kubernetes: AKS vs EKS vs GKE“, intercept.cloud, 2025
  13. GetDeploying: „Amazon Web Services vs Hetzner“, getdeploying.com, 2025
  14. WZ-IT: „Public Internet Egress Costs: AWS vs Azure vs GCP vs Hetzner“, wz-it.com, 2025