Thomas, 31, arbeitete fünf Jahre als Systemadministrator bei einem Logistikunternehmen in Nürnberg. Server patchen, Backups überprüfen, Tickets abarbeiten. Im Januar 2025 entschied er sich für den Wechsel zu DevOps. Neun Monate später, nach dem CKA-Zertifikat und einem Terraform-Projekt auf GitHub, unterschrieb er bei einem Münchner Hyperscaler. Gehalt: 62.000 Euro, 18 Prozent mehr als zuvor.
Parallel dazu: Lena, 26, schloss ihr Informatikstudium an der TU München ab und bewarb sich direkt als Junior DevOps Engineer bei einem Fintech in Berlin. Einstiegsgehalt: 48.000 Euro. Und Priya, 29, wechselte vom QA-Engineering in einer Stuttgarter Softwarefirma. Ihr Vorteil: Sie kannte CI/CD-Pipelines bereits aus der Testperspektive und musste nur die Infrastrukturseite dazulernen.
Drei Menschen, drei Wege, drei unterschiedliche Ausgangspositionen. Der Einstieg in DevOps ist flexibler als in den meisten anderen IT-Berufen, weil es keine festgelegte Ausbildung gibt. Das ist Chance und Risiko zugleich: Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber der rote Faden fehlt.
Fachinformatiker Systemintegration: Der klassische Weg
Die IHK-Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration dauert drei Jahre, findet dual in Betrieb und Berufsschule statt und zahlt ab dem ersten Tag ein Gehalt (890 bis 1.300 Euro monatlich im ersten Jahr). Der Ausbildungsrahmenplan umfasst seit der Neuordnung 2020 explizit Cloud-Computing, Virtualisierung und Automatisierung [1]. Genau die Themen, die im Berufsalltag täglich vorkommen.
Der Vorteil gegenüber einem Studium: Praxisnähe von Anfang an. Wer jahrelang Server aufgesetzt, Netzwerke konfiguriert und Betriebssysteme administriert hat, bringt genau das Fundament mit. Darauf baut alles Weitere auf. Linux, DNS, DHCP, Firewalls: Das lernt man in der Ausbildung gründlicher als in jedem Online-Kurs.
Der Nachteil: Viele Ausbildungsbetriebe setzen noch auf klassische On-Premises-Infrastruktur. Docker und Kubernetes kommen im Berufsschulunterricht selten vor. Wer während der Ausbildung nicht eigenständig Infrastrukturtechnologien lernt, hat nach dem Abschluss eine Lücke. Mein Rat: Parallel zur Ausbildung ein Homelab aufsetzen und sich mit Docker und Ansible vertraut machen.
Was lernt man konkret in der Berufsschule?
Der Rahmenlehrplan der IHK für Fachinformatiker Systemintegration gliedert sich in zwölf Lernfelder, verteilt auf die gesamte Ausbildungszeit. Lernfeld 3 (Clients in Netzwerke einbinden) und Lernfeld 6 (Serviceanfragen bearbeiten) schaffen die Grundlage, auf der später Automatisierung und Monitoring aufbauen. Ab dem zweiten Jahr kommt Lernfeld 7 hinzu: Cyber-physische Systeme ergänzen, also Virtualisierung und Infrastrukturdienste in bestehende Infrastrukturen integrieren.
Seit der Neuordnung 2020 enthält das dritte Ausbildungsjahr das Lernfeld 10b: Serverdienste bereitstellen und Administrationsaufgaben automatisieren. Hier tauchen Begriffe wie Containervirtualisierung und Scripting explizit im Curriculum auf. Die Umsetzung hängt allerdings stark vom Ausbildungsbetrieb ab, denn manche Betriebe behandeln Automatisierung intensiv mit Ansible und IaC-Werkzeugen, während andere beim manuellen Konfigurieren stehen bleiben. Wer eine Ausbildungsstelle sucht, sollte im Vorstellungsgespräch gezielt nach dem Technologiestack fragen.
Informatikstudium: Tiefes Fundament, aber kein Muss
42 Prozent der Informatikstudierenden an Universitäten brechen ab, an Fachhochschulen sind es 30 Prozent [2]. Trotzdem bleibt das Studium ein solider Weg, besonders wenn man langfristig in Architektur- oder Führungsrollen strebt.
Was das Studium für DevOps liefert: Betriebssysteme, Rechnernetze, verteilte Systeme, IT-Sicherheit. Module, die direkt auf den Arbeitsalltag einzahlen. Algorithmen und Datenstrukturen dagegen sind im Infrastrukturkontext selten direkt relevant. Im Vergleich zum Backend-Bereich, wo Sortieralgorithmen und SQL-Optimierung zum Tagesgeschäft gehören, ist die theoretische Basis in dieser Disziplin weniger wichtig.
Braucht man zwingend ein Studium?
Nein. Laut Stack Overflow Developer Survey 2024 haben rund 34 Prozent der professionellen Entwickler keinen Bachelor- oder Masterabschluss [3]. Im Infrastrukturbereich dürfte der Anteil noch höher liegen, weil der häufigste Einstieg über bestehende IT-Berufe erfolgt, nicht über die Hochschule. Arbeitgeber in der DACH-Region werten praktische Erfahrung und Zertifizierungen höher als akademische Abschlüsse, solange die Grundlagen stimmen.
Wer sich zwischen Studium und Ausbildung entscheiden muss, sollte ehrlich prüfen: Interessiert mich die Theorie hinter verteilten Systemen? Dann Studium. Will ich möglichst schnell praktisch arbeiten und Geld verdienen? Dann Ausbildung. Beide Wege führen zum selben Beruf, nur die Route und der Zeitrahmen unterscheiden sich.
Quereinstieg: Der häufigste Weg in die Infrastrukturwelt
Die Mehrheit der Infrastrukturspezialisten hat nicht als solche angefangen. Sie kommen aus der Systemadministration, der Softwareentwicklung oder dem QA-Engineering. Der Quereinstieg ist nicht nur möglich, sondern der Normalfall.
Vom Systemadministrator zum Infrastrukturspezialist
Systemadministratoren bringen das stärkste Fundament mit: Linux, Netzwerke, Betriebssysteme, Troubleshooting. Was fehlt: Programmierkenntnisse, Versionskontrolle mit Git, Infrastructure as Code. Ein realistischer Fahrplan: Ein Quartal Python-Grundlagen, dann ein Quartal Docker und K8s, dann ein Quartal IaC und CI/CD. Nach neun bis zwölf Monaten ist der Wechsel machbar.
Wie sieht ein realistischer 12-Monats-Fahrplan aus?
Erstes Quartal: Fundament legen. Git lernen, wirklich lernen, nicht nur commit und push, sondern Branching-Strategien, Rebasing, Cherry-Picking. Parallel dazu Python-Grundlagen: Variablen, Schleifen, Funktionen, Dateien lesen und schreiben, einfache API-Aufrufe mit requests. Kein Framework, keine Webentwicklung, nur die Sprache selbst. Projektidee für diesen Zeitraum: Ein Skript, das den Status von zehn Servern abfragt und die Ergebnisse in eine Datei schreibt.
Monat vier bis sechs: Container und Orchestrierung, Docker zuerst, weil es die Grundlage für alles Weitere bildet, und zwar von Dockerfiles über Multi-Stage-Builds bis zu Docker Compose für lokale Entwicklungsumgebungen. Dann K8s: erst mit Minikube oder k3s lokal, dann die Kernkonzepte Pods, Deployments, Services und Ingress. In diesem Zeitraum lohnt sich die Vorbereitung auf den CKA, auch wenn die Prüfung erst später kommt. Projektidee: Eine dreistufige Anwendung (Frontend, Backend, Datenbank) in K8s deployen, inklusive Health Checks und Resource Limits.
Monat sieben bis neun: Infrastructure as Code und CI/CD. IaC-Werkzeuge für die Provisionierung von Infrastrukturressourcen, angefangen mit einem einfachen S3-Bucket und einer EC2-Instanz auf AWS Free Tier. Dann GitHub Actions oder GitLab CI für automatisierte Build- und Deployment-Pipelines. Erst jetzt fügt sich alles zusammen: Code pushen, Pipeline baut Container, IaC provisioniert die Umgebung, K8s deployed die Anwendung. Wer diesen Kreislauf einmal aufgebaut hat, versteht die Disziplin nicht nur theoretisch, sondern hat ein konkretes Projekt für das GitHub-Portfolio.
Monat zehn bis zwölf: Spezialisierung und Bewerbung. Den CKA ablegen, Monitoring mit Prometheus und Grafana aufsetzen. Das Homelab dokumentieren und auf GitHub veröffentlichen. Parallel dazu Stellenausschreibungen analysieren und gezielt die dort geforderten Technologien vertiefen, denn wer die konkreten Anforderungen der Zielunternehmen kennt, kann seine Lernzeit in den letzten Wochen vor der Bewerbung präzise auf die relevanten Lücken fokussieren.
Vom Entwickler zum Ops-Spezialisten
Entwickler bringen Programmiererfahrung und Git-Kenntnisse mit, haben aber oft Lücken bei Linux-Administration und Netzwerken. Der Wechsel erfordert ein Umdenken: Nicht mehr Features bauen, sondern sicherstellen, dass Features zuverlässig in Produktion laufen. Das ist für viele Entwickler eine mentale Hürde. Wer sich für Plattformthemen begeistert und „It works on my machine“ als Problem statt als Ausrede versteht, hat die richtige Einstellung.
Vom QA-Engineer zum Infrastrukturspezialist
QA-Engineers sind der am meisten unterschätzte Einstiegspfad. Testautomatisierung, CI/CD-Integration, Qualitätssicherung in Pipelines: Das sind direkte Überschneidungen. Wer bereits Jenkins- oder GitLab-CI-Pipelines für Testausführung konfiguriert hat, muss die Infrastrukturseite dazulernen, hat aber das Pipeline-Denken bereits verinnerlicht.
Zertifizierungen: Welche lohnen sich wirklich?
Zertifizierungen ersetzen keine Erfahrung, aber sie öffnen Türen. Besonders beim Quereinstieg signalisieren sie Arbeitgebern, dass man sich systematisch weitergebildet hat. Laut Pearson VUE Certification Report 2023 berichten 92 Prozent der Zertifizierten von gesteigertem Selbstvertrauen, 81 Prozent von besseren Jobchancen [4].
Der CKA ist die wertvollste Einzelzertifizierung für Ops-Fachleute. Die Prüfung ist praktisch: Zwei Stunden an einem echten K8s-Cluster, 17 Aufgaben, keine Multiple-Choice-Fragen. Community-Schätzungen beziffern die Durchfallquote beim ersten Versuch auf 35 bis 40 Prozent [5]. Wer besteht, hat etwas vorzuweisen. Vorbereitungszeit: acht bis zwölf Wochen neben dem Job.
Terraform Associate ist mit 70 US-Dollar die günstigste Einstiegszertifizierung und lässt sich in vier bis sechs Wochen vorbereiten. Sie deckt Grundlagen ab, nicht die Tiefe, die Arbeitgeber bei Senioren erwarten. Aber als Einstiegssignal ist sie effektiv. Der Schwierigkeitsgrad bleibt bewusst niedrig.
Meine Empfehlung für die Reihenfolge: Terraform Associate zuerst, weil sie schnell und günstig ist. Dann CKA, weil K8s die größte Arbeitsmarktnachfrage hat. AWS DevOps Professional danach, wenn man sich bei einem Hyperscaler spezialisieren möchte. Mehr als diese Kombination braucht zum Einstieg niemand.
Bootcamps und Online-Kurse: Was taugen sie?
Der Bootcamp-Markt für Ops und Infrastruktur ist kleiner als im Frontend-Bereich. neuefische bietet einen Infrastruktur-Track an (12 Wochen Vollzeit, Kosten im Bereich von 8.500 bis 9.500 Euro als Selbstzahler) [6]. Die Linux Foundation hat Online-Trainings für K8s und cloudnative Technologien, die zwischen 300 und 600 US-Dollar kosten [7]. KodeKloud und Pluralsight (ehemals A Cloud Guru) bieten Selbstlernkurse ab 15 Dollar monatlich.
Meine ehrliche Einschätzung: Bootcamps können den Einstieg beschleunigen, aber nicht ersetzen, was man durch monatelange praktische Arbeit lernt. Zwölf Wochen reichen für Docker-Grundlagen und einfache CI/CD-Pipelines, nicht für produktionstaugliches K8s oder komplexe IaC-Module. Das gilt für jedes Format. Am sinnvollsten sind Bootcamps für komplette Quereinsteiger ohne IT-Hintergrund, die eine strukturierte Einführung brauchen.
Online-Kurse auf Plattformen wie Udemy, Pluralsight oder KodeKloud sind deutlich günstiger und flexibler. KodeKloud hat sich auf Ops-Trainings spezialisiert und bietet integrierte Laborumgebungen, in denen man K8s und IaC-Tools direkt im Browser üben kann. Der Nachteil: Selbstdisziplin. Die Abbruchrate bei Selbstlernkursen liegt branchenweit bei über 90 Prozent.
Lohnt sich ein Bootcamp bei einem Hyperscaler?
AWS, GCP und Microsoft Azure bieten eigene Trainingsprogramme an, die deutlich fokussierter sind als allgemeine Bootcamps. Das AWS re/Start-Programm richtet sich an Quereinsteiger ohne IT-Hintergrund, dauert zwölf Wochen in Vollzeit und ist für Teilnehmer kostenlos, weil AWS die Kosten über Partner-Unternehmen refinanziert, die nach Abschluss des Programms bevorzugt Absolventen einstellen können [7]. Google hat ein vergleichbares Programm mit dem Google Cloud Skills Boost, allerdings als Selbstlernplattform mit monatlichem Abo statt als geführtes Vollzeitprogramm.
Der Vorteil der Anbieter-Programme: Die Zertifizierung ist direkt integriert und wird vom jeweiligen Anbieter auf dem Arbeitsmarkt als Signal anerkannt. Der Nachteil: Man lernt nur ein Ökosystem. Wer nach einem AWS-re/Start-Programm zu einem Arbeitgeber mit Azure-Infrastruktur wechselt, muss vieles neu lernen, auch wenn die grundlegenden Konzepte sich zwischen den Anbietern ähneln.
Netzwerken als Einstiegsstrategie: Meetups, Konferenzen, Communities
Der unterschätzteste Karrierehebel in diesem Berufsfeld ist das persönliche Netzwerk. Viele Stellen werden nie öffentlich ausgeschrieben, sondern intern oder über Empfehlungen besetzt. Das bestätigen Recruiter immer wieder. Wer auf Meetups regelmäßig Gesicht zeigt, erfährt von offenen Positionen, bevor sie auf StepStone oder LinkedIn landen.
In Deutschland gibt es ein dichtes Netz an Infrastruktur- und Ops-Meetups. Die einschlägigen Meetup-Gruppen in München, Berlin, Hamburg und Frankfurt treffen sich monatlich, oft mit Vorträgen von Praktikern aus lokalen Unternehmen. CNCF Community Groups organisieren K8s-fokussierte Treffen in über 20 deutschen Städten. HashiCorp User Groups decken IaC-Werkzeuge und Vault ab.
Welche Konferenzen lohnen sich für den Einstieg?
KubeCon Europe ist die größte Cloud-Native-Konferenz in Europa und findet jährlich in wechselnden Städten statt, 2026 in Amsterdam. Tickets kosten ab 400 Dollar für Individual Early Bird (rund 370 Euro), aber die Co-Located Events am ersten Tag sind häufig kostenlos. DevOpsCon in Berlin und München startet bei rund 300 Euro für Tagespässe, bietet aber gezielt deutschsprachige Vorträge für den DACH-Markt, was für regionale Kontakte wertvoller sein kann als eine internationale Konferenz mit 10.000 Teilnehmern.
Kostenlose Alternativen existieren. Die CNCF veranstaltet regelmäßig Kubernetes Community Days (KCDs), die in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfinden und für Teilnehmer oft kostenlos sind. Online bieten Ops-Subreddits, die CNCF Slack-Workspace und die HashiCorp-Community-Foren Zugang zu Wissen und Kontakten. Wer regelmäßig in diesen Communities Fragen beantwortet und eigene Erfahrungen teilt, baut sich einen Ruf auf, der beim Bewerbungsprozess hilft, weil Hiring Manager diese Plattformen kennen und aktive Beitragende bevorzugt zum Gespräch einladen.
Welche Soft Skills braucht man für den Einstieg?
Technische Fähigkeiten öffnen die Tür, Soft Skills bestimmen, wie weit man kommt. Die Disziplin ist per Definition eine Brücke zwischen Entwicklung und Betrieb. Wer nicht kommunizieren kann, wird in dieser Rolle scheitern, unabhängig von der Zertifizierungssammlung.
Drei Soft Skills sind im Bewerbungsgespräch und im Arbeitsalltag besonders relevant. Erstens: Kommunikation unter Druck, denn wenn ein Produktionssystem ausfällt, muss man klar und ruhig erklären können, was passiert, welche Auswirkungen zu erwarten sind und welche Schritte man unternimmt, um den Normalzustand wiederherzustellen. Zweitens: Empathie für Entwicklerteams. Platform Engineering lebt davon, dass man versteht, was Entwickler brauchen, nicht was man selbst für elegant hält. Drittens: Lernbereitschaft. Die Tool-Landschaft ändert sich alle zwei Jahre. Wer nicht gerne Neues lernt, ist im falschen Beruf.
Ein Aspekt, den viele Bewerbungsratgeber unterschätzen: Schreiben. Wer Runbooks verfasst, Postmortems dokumentiert und Architecture Decision Records schreibt, der muss komplexe technische Sachverhalte verständlich formulieren können, sodass auch Kollegen ohne tiefes Infrastrukturwissen den Kontext verstehen. Das ist eine Fähigkeit, die man trainieren kann, zum Beispiel durch einen technischen Blog oder durch Beiträge in der Dokumentation von Open-Source-Projekten.
Zum Thema Frustrationstoleranz: Systeme brechen auf Weisen, die niemand vorhersagen kann. Ein DNS-Cache, der sich nicht leert. Ein TLS-Zertifikat, das um 3:00 Uhr abläuft. Eine K8s-Node, die wegen eines Kernel-Bugs nach sieben Tagen Uptime in einen Deadlock gerät. Wer bei solchen Problemen systematisch bleibt und nicht in Panik verfällt, hat eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Beruf bereits mitgebracht.
Das Portfolio-Problem lösen: Homelab, GitHub, Open Source
Infrastrukturarbeit ist unsichtbar. Kein Portfolio-Website, kein Figma-Prototyp, kein App-Store-Link. Wie zeigt man einem Arbeitgeber, was man kann? Die Antwort: GitHub-Repositories und ein Homelab.
Ein überzeugendes GitHub-Profil für Bewerber in diesem Bereich enthält: IaC-Module für reale Plattformen (nicht Spielzeugbeispiele), K8s-Manifeste oder Helm-Charts, GitHub-Actions-Workflows, Ansible-Playbooks, und idealerweise ein Homelab-Repository, das die gesamte Systemlandschaft als Code dokumentiert.
Wie sieht das konkret aus? Ein Repository namens „homelab-infra“ enthält die gesamte Cluster-Konfiguration als IaC-Code, aufgeteilt in Module für Netzwerk, Compute und Monitoring. Die README erklärt die Architektur mit einem Diagramm, listet die verwendeten Tools auf und beschreibt, wie man die Umgebung selbst aufsetzen kann. Im selben Repository liegt eine GitHub-Actions-Pipeline, die bei jedem Push den IaC-Plan ausführt und das Ergebnis als Kommentar im Pull Request anzeigt. Ein zweites Repository, etwa „k8s-manifests“, enthält die K8s-Deployments per Kustomize oder Helm, synchronisiert über ArgoCD. Das Profil zeigt drei bis fünf gepflegte Repositories statt 20 halbfertige Projekte.
Hiring Manager schauen nicht auf die Anzahl der Repos. Sie schauen auf Commit-Frequenz, saubere Commit-Messages und ob die README verständlich erklärt, was das Projekt tut. Ein einzelnes Homelab-Repository mit regelmäßigen Commits über sechs Monate überzeugt mehr als 15 Repositories, die seit einem Jahr untouched sind. Wer zusätzlich eine CI-Pipeline im Repo selbst implementiert hat (etwa Linting für HCL-Dateien mit tflint oder Security-Scanning mit Checkov), demonstriert genau die Arbeitsweise, die Arbeitgeber im Alltag erwarten. Besonders wertvoll sind Repositories, die nicht nur Code enthalten, sondern auch eine ausführliche README mit Architekturdiagramm, Entscheidungsprotokoll und einer klaren Anleitung zum Nachbauen.
Ein Homelab muss kein 19-Zoll-Rack im Keller sein. Ein alter Laptop mit Proxmox, einige virtuelle Maschinen und ein k3s-Cluster reichen völlig. Oder komplett cloudbasiert: AWS Free Tier, IaC-Werkzeuge für die Infrastruktur, ArgoCD für Deployments, Prometheus und Grafana für Monitoring. Kosten: unter 20 Euro im Monat, wenn man die Free-Tier-Limits sorgfältig enhält.
Open-Source-Beiträge sind der Königsweg, aber auch der schwierigste. Die Einstiegshürde bei großen Projekten wie K8s oder dem IaC-Tool ist hoch. Besser: Mit „good first issue“-Labels bei kleineren CNCF-Projekten anfangen. Helm-Charts für populäre Anwendungen beitragen. Dokumentation verbessern. Jeder Beitrag zählt und ist öffentlich sichtbar.
Fazit
Es gibt keinen einzigen richtigen Weg in diesen Beruf. Der Quereinstieg von der Systemadministration ist der natürlichste, weil das Fundament bereits steht. Das Studium bietet theoretische Tiefe für Architektur- und Führungsrollen. Die Ausbildung zum Fachinformatiker liefert Praxisnähe ab Tag eins. Und Zertifizierungen beschleunigen den Einstieg messbarer als jeder Online-Kurs.
Was alle Wege gemeinsam haben: Ohne praktische Erfahrung geht nichts. Ein Homelab, ein GitHub-Profil mit echten Projekten und die Bereitschaft, sich ständig weiterzubilden, sind wichtiger als der formale Abschluss.
Thomas, der Systemadministrator aus der Einleitung, hat den saubersten Weg gewählt: Bestehende Stärken nutzen, gezielt Lücken schließen, ein Zertifikat als Signal. Neun Monate vom ersten Docker-Tutorial zum neuen Vertrag. Das ist kein Ausnahmefall, sondern ein realistischer Zeitrahmen.
Teil 4 liefert die Zahlen: Was verdienen Infrastrukturspezialisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Wie sieht der Arbeitsmarkt im Frühjahr 2026 aus? Und was bringt Freelancing?
Quellen
[1] BIBB: Neuordnung der IT-Berufe 2020, Fachinformatiker Systemintegration (https://www.bibb.de/)
[2] DZHW: Studienabbruch in Informatik, 2022 (https://www.dzhw.eu/)
[3] Stack Overflow Developer Survey 2024 (https://survey.stackoverflow.co/2024/)
[4] Pearson VUE: 2025 Value of IT Certification Report (https://home.pearsonvue.com/)
[5] Linux Foundation: CKA Exam Details (https://training.linuxfoundation.org/certification/certified-kubernetes-administrator-cka/)
[6] neuefische: Cloud & DevOps Bootcamp (https://www.neuefische.de/weiterbildung/cloud-devops)
[7] Linux Foundation Training: Kubernetes Courses (https://training.linuxfoundation.org/)
