Im Dezember 2024 kaufte ein Bekannter einen „QLED“-Fernseher für 450 Euro, überzeugt davon, er hätte ein OLED-ähnliches Gerät bekommen. Vertraut klang das Q am Anfang. Tatsächlich handelte es sich um einen LCD-Fernseher mit einer Quantum-Dot-Folie vor der Hintergrundbeleuchtung. Gute Farbwiedergabe, aber kein selbstleuchtendes Display, kein perfektes Schwarz, kein OLED. Marketingabteilungen arbeiten eben gründlich.

Dieser Teil der Serie räumt mit der Begriffsverwirrung auf und erklärt, wie die verschiedenen Display-Technologien funktionieren, wo ihre Grenzen liegen, was HDR-Formate tatsächlich bewirken und warum 8K eine Sackgasse ist. Nicht in Marketingsprache, sondern in Klartext.

Display-Technologien im Vergleich

Hinter den vielen Bezeichnungen stecken drei grundlegende Technologien: LCD mit LED-Hintergrundbeleuchtung, OLED mit selbstleuchtenden Pixeln und MicroLED als Zukunftstechnologie. Jeder aktuelle Fernseher lässt sich einer dieser Familien zuordnen. Begriffe wie QLED, Neo QLED, WOLED oder QD-OLED beschreiben Varianten innerhalb dieser Familien, keine eigenständigen Technologien.

LCD mit LED-Hintergrundbeleuchtung: Die Basis

LCD-Technik (Liquid Crystal Display) dominiert den Markt, denn Flüssigkristalle steuern, wie viel Licht von einer dahinterliegenden LED-Beleuchtung durchgelassen wird. Seit Jahrzehnten ist das Prinzip erprobt und kostengünstig in der Fertigung, doch entscheidend für die Bildqualität ist weniger das LCD-Panel selbst als vielmehr die Art der Hintergrundbeleuchtung.

Zwei Panel-Typen konkurrieren. VA-Panels (Vertical Alignment) bieten höheren Kontrast und tieferes Schwarz, haben aber schwächere Blickwinkel: Seitlich betrachtet wirken Farben ausgewaschen. IPS-Panels (In-Plane Switching) drehen das um und liefern ein stabiles Bild aus jedem Winkel, dafür flaueres Schwarz. Samsung setzt in den meisten LCD-Fernsehern auf VA, LG bevorzugt IPS. Für dunkle Heimkino-Räume mit einem zentralen Sitzplatz ist VA die bessere Wahl, für helle Wohnzimmer mit mehreren Sitzplätzen spricht mehr für IPS. Beide Typen haben ihre Berechtigung.

Am einfachsten aufgebaut ist Edge-LED, bei dem wenige LEDs am Rand des Bildschirms sitzen und das gesamte Panel beleuchten, weshalb der Kontrast begrenzt bleibt, da helle und dunkle Bildbereiche nicht unabhängig voneinander gesteuert werden können. Fernseher unter 400 Euro nutzen fast ausschließlich diese Technik.

Hier entsteht die Begriffsverwirrung, die eingangs beschrieben wurde: Samsung nennt seine LCD-Fernseher mit Quantum-Dot-Farbfilter „QLED“, was nach OLED klingt, aber eine völlig andere Technologie. Quantum Dots verbessern die Farbwiedergabe des LCD-Backlights, ändern nichts am grundlegenden LCD-Prinzip, und auch Hisense sowie TCL nutzen Quantum-Dot-Folien und vermarkten sie unter eigenen Bezeichnungen. Ein Fernseher mit Q im Namen kann exzellent sein, ist aber kein OLED und sollte nicht wie einer bewertet werden.

Deutlich besser funktioniert Local Dimming, bei dem das Backlight in Zonen eingeteilt wird, zwischen 30 und mehreren tausend, die unabhängig voneinander gedimmt werden. Dunkle Bildbereiche bekommen weniger Licht, was den Kontrast massiv verbessert. Mini-LED bezeichnet Backlights mit besonders kleinen LEDs, die mehr Zonen pro Fläche ermöglichen. Samsungs „Neo QLED“-Label steht für Mini-LED-Fernseher mit Quantum-Dot-Farbfilter: kein neues Display-Prinzip, sondern eine verfeinerte Hintergrundbeleuchtung.

Ein oft unterschätzter Faktor bei LCD-Fernsehern ist die Entspiegelung. Günstige Geräte nutzen glänzende Oberflächen, die in hellen Räumen stark spiegeln und das Bild verschlechtern. Hochwertige Mini-LED-Fernseher wie Samsungs QN95D setzen Antireflexbeschichtungen ein, die Spiegelungen deutlich reduzieren, ohne die Bildschärfe zu beeinträchtigen. Beim Kauf in einem Elektronikmarkt lohnt es sich, den Fernseher aus verschiedenen Winkeln zu betrachten und auf Reflexionen zu achten, besonders wenn der geplante Stellplatz ein Fenster im Rücken hat.

Eines können LCD-Fernseher nicht: echtes Schwarz. Auch bei abgedunkelter Hintergrundbeleuchtung scheint immer etwas Licht durch die Flüssigkristalle. In dunklen Filmszenen fällt das als gräulicher Schleier auf, besonders in abgedunkelten Räumen. Helle Objekte auf schwarzem Grund erzeugen leuchtende Höfe, den sogenannten Blooming-Effekt, der bei Sternenhimmeln in Weltraumfilmen oder weißen Untertiteln auf schwarzem Hintergrund besonders sichtbar wird. Egal wie viele Dimming-Zonen ein Hersteller verbaut, dieses Manko der LCD-Technik bleibt.

OLED: Jeder Pixel leuchtet selbst

OLED (Organic Light-Emitting Diode) dreht das Prinzip um. Jeder einzelne Pixel besteht aus organischem Material, das selbst Licht emittiert. Keine Hintergrundbeleuchtung nötig. Wird ein Pixel abgeschaltet, ist er komplett schwarz, das Kontrastverhältnis theoretisch unendlich.

Drei OLED-Varianten sind derzeit auf dem Markt, angeführt von LG Display, das WOLED-Panels mit vier Subpixeln pro Pixel: rot, grün, blau und weiß. Durch den weißen Subpixel steigt die Helligkeit, allerdings verdünnt er die Farbsättigung bei hohen Helligkeitswerten leicht. LGs Flaggschiff G5 setzt auf eine Tandem-Architektur mit vier gestapelten Emissionsschichten und erreicht damit rund 2.300 Nits Spitzenhelligkeit [1]. Vor drei Jahren waren 800 Nits bei OLED das Maximum. Ein enormer Sprung.

Samsung Display produziert QD-OLED-Panels nach einem anderen Konzept. Eine blaue OLED-Schicht erzeugt Licht, das durch rote und grüne Quantum Dots in die jeweiligen Farben umgewandelt wird. Gegenüber WOLED bedeutet das: höhere Farbsättigung und breiterer Farbraum bei gleichzeitig hoher Helligkeit. Samsungs S95F nutzt diese Technologie und erreicht Bestwerte bei Farbvolumen und Blickwinkelstabilität. Sony bezieht ebenfalls QD-OLED-Panels von Samsung Display für die Bravia-Reihe, setzt aber einen eigenen Bildprozessor ein, der das Bild nach Sonys Vorstellungen nachbearbeitet.

Tandem-OLED ist das Prinzip hinter den Helligkeitsgewinnen der letzten Generationen, bei dem mehrere Emissionsschichten übereinandergestapelt werden, wobei jede Schicht mit geringerer Intensität arbeitet, was die Helligkeit steigert und gleichzeitig die Lebensdauer verlängert. Apple nutzt seit 2024 zwei Schichten im iPad Pro, LGs TV-Panels arbeiten seit 2025 mit vier Schichten. Mehr Schichten bedeuten höhere Kosten, aber auch deutlich mehr Lichtreserven.

Über die Preisentwicklung lohnt ein genauer Blick. 2022 kostete ein 55-Zoll-OLED mindestens 1.200 Euro. Anfang 2026 gibt es den LG B5 ab etwa 850 Euro, den Samsung S90F ab 879 Euro in der QE-Variante. Dieser Preisverfall hat den Markt verändert: OLED ist keine Premiumtechnologie mehr, sondern rückt in die gehobene Mittelklasse. Trotzdem bleibt ein Aufpreis gegenüber LCD-Fernsehern bestehen, je nach Größe und Ausstattung zwischen 200 und 500 Euro.

Lohnt sich dieser Aufpreis? Für Filmliebhaber mit abgedunkeltem Raum gibt es nichts Besseres als OLED. Perfektes Schwarz, unendlicher Kontrast, weite Blickwinkel. In hellen Wohnzimmern relativiert sich der Vorteil, weil Mini-LED-Fernseher höhere Spitzenhelligkeiten erreichen und günstiger sind. Bei begrenztem Budget gilt eine Faustregel: lieber einen großen LCD als einen kleinen OLED. Ein 65-Zoll-Mini-LED für 800 Euro macht im Alltag oft mehr Eindruck als ein 55-Zoll-OLED zum selben Preis.

Ein Nachteil verdient ehrliche Erwähnung: Einbrennen (Burn-In). Statische Bildanteile wie Senderlogos oder Spielstände können sich dauerhaft ins Panel einprägen. Bei normaler Nutzung mit wechselnden Inhalten ist das Risiko gering. Wer den Fernseher als PC-Monitor mit fester Taskleiste nutzt oder täglich stundenlang denselben Nachrichtensender schaut, sollte das aber bedenken. Schutzmaßnahmen wie Pixel-Shift, Logo-Dimming und Pixel-Refresher reduzieren das Problem erheblich, beseitigen es aber nicht vollständig.

Erfreulich: Viele Hersteller geben mittlerweile Garantien gegen Burn-In. LG gewährt bei den 2025er- und 2026er-OLED-Modellen eine Panel-Garantie von fünf Jahren, Samsung bietet bei QD-OLED ähnliche Zusagen. Für Käufer, die sich unsicher sind, reduziert das die Hemmschwelle erheblich, denn im schlimmsten Fall ersetzt der Hersteller das Panel.

Zur Größenauswahl bei OLED: Panels gibt es ab 42 Zoll (LGs kleinste OLED-Serie) bis 97 Zoll, wobei 55 und 65 Zoll das gängigste Format darstellen, weil hier das Preis-Leistungs-Verhältnis am besten stimmt. Ab 77 Zoll steigen die Preise überproportional. Ein LG C5 in 77 Zoll kostet mit rund 2.500 Euro fast das Dreifache der 55-Zoll-Variante. Bei Mini-LED-Fernsehern fällt der Größenaufschlag geringer aus.

Was kann RGB Mini-LED?

Auf der CES 2026 machte RGB Mini-LED Schlagzeilen. Statt weißer LEDs hinter dem LCD-Panel sitzen rote, grüne und blaue Mini-LEDs, die einzeln angesteuert werden. Für die Feinsteuerung pro Pixel sorgt das LCD-Panel davor [2]. Konzeptionell ein großer Schritt.

Farbreinheit ist der entscheidende Vorteil, denn herkömmliche weiße LEDs erzeugen ein breites Lichtspektrum, das durch Farbfilter eingeschränkt wird, wobei Licht verloren geht. RGB-LEDs emittieren von Anfang an reines Rot, Grün und Blau. Laut Herstellerangaben liegt die Farbraumabdeckung bei rund 90 Prozent von Rec.2020, was bisher nur QD-OLED erreichte [3]. Gleichzeitig sind Spitzenhelligkeiten möglich, die OLED nicht erreicht.

Samsung zeigt das Modell R95H in 65, 75, 85 und 130 Zoll. Hisense bietet den UR9S von 55 bis 100 Zoll an, LG die Micro RGB evo-Reihe in 75, 86 und 100 Zoll. Mehrere Fachmedien hoben RGB Mini-LED als Trendthema der CES 2026 hervor [3][4]. TCL geht mit dem X11L einen anderen Weg: Statt farbiger LEDs nutzt der Fernseher Super Quantum Dots (SQD) und erreicht damit bis zu 10.000 Nits.

Trotz aller Versprechen bleiben Einschränkungen. RGB Mini-LED hat zwar exzellente Farben und höhere Helligkeit als OLED, kann aber kein perfektes Schwarz liefern. Physikalisch bleibt es LCD-Technik mit Hintergrundbeleuchtung. Feinere Dimming-Zonen als bei herkömmlichem Mini-LED, ja, aber Blooming bleibt messbar. Preise und Verfügbarkeit der 2026er-Modelle stehen noch nicht fest. Mein Rat: abwarten, bis unabhängige Tests vorliegen, bevor man den Aufpreis gegenüber OLED zahlt.

Ein technischer Aspekt, der beim Kauf selten beachtet wird, aber direkte Auswirkungen auf das Bild hat: Farbräume. Rec.709 deckt als Standard für SDR-Inhalte nur einen kleinen Teil des sichtbaren Spektrums ab, während DCI-P3 den Farbraum deutlich erweitert und als Referenz für HDR-Kinofilme gilt. Gute OLED- und QD-OLED-Fernseher erreichen 95 bis 99 Prozent von DCI-P3, LCD-Fernseher ohne Quantum Dots bleiben oft bei 80 bis 85 Prozent. In der Praxis äußert sich das bei Naturaufnahmen: Sonnenuntergänge, Korallenriffe und Herbstlaub wirken auf Geräten mit breitem Farbraum spürbar natürlicher.

MicroLED: Noch Zukunftsmusik

Am Horizont steht MicroLED. Jeder Pixel besteht aus einem winzigen anorganischen LED-Chip, nicht aus organischem Material wie bei OLED. Kein Einbrennen, extreme Helligkeit, perfektes Schwarz, nahezu unbegrenzte Lebensdauer. Klingt ideal. In der Praxis kostet Samsungs „The Wall“ ab 75 Zoll aktuell über 15.000 Euro, und selbst das ist ein Rückgang gegenüber 2023. Bis MicroLED massentauglich wird, vergehen noch Jahre. Für normale Kaufentscheidungen ist die Technologie heute irrelevant.

HDR: Formate, Fakten, Fallstricke

HDR (High Dynamic Range) verspricht hellere Lichter, tiefere Schatten und mehr Farben, und in der Praxis ist der Unterschied zwischen einem Film in SDR und einem gut gemasterten HDR-Bild auf einem fähigen Display tatsächlich erheblich. Fragmentiert ist allerdings die Umsetzung, denn vier Formate konkurrieren auf dem Markt und kein Hersteller unterstützt alle gleichermaßen.

Welche HDR-Formate gibt es?

HDR10 ist der Basisstandard, den jeder 4K-Fernseher unterstützt: Statische Metadaten definieren einen einzigen Helligkeitswert für den gesamten Film, was funktioniert, aber das Potenzial nicht ausschöpft. HLG (Hybrid Log-Gamma) ergänzt als Broadcast-Standard für Live-TV in HDR, etwa bei ARD und ZDF. Auch HLG wird von jedem aktuellen Gerät verstanden.

Spannender sind HDR10+ und Dolby Vision. Beide nutzen dynamische Metadaten, die Szene für Szene angepasst werden. Eine dunkle Höhlenszene bekommt andere Helligkeitsvorgaben als eine sonnige Landschaft. In der Praxis bedeutet das: sichtbar mehr Detailzeichnung in schwierigen Szenen, ein Unterschied, der bei hochwertigen Displays sofort auffällt.

Nur ist der Markt gespalten. Samsung unterstützt HDR10+, aber kein Dolby Vision. LG und Sony unterstützen Dolby Vision, aber kein HDR10+. Panasonic, Philips, Hisense und TCL bieten alle vier Formate [5].

In der Praxis hat Dolby Vision deutlich mehr Gewicht als HDR10+, denn Netflix, Disney+, Apple TV+ und Amazon Prime Video bieten allesamt Dolby-Vision-Inhalte, während sich HDR10+ vor allem bei Amazon Prime und einigen UHD-Blu-rays findet. Samsung-Käufer müssen mit dem Verzicht auf Dolby Vision leben, was bei Streaming-Inhalten gelegentlich einen sichtbaren Qualitätsverlust bedeutet. Nicht dramatisch, aber messbar.

Dolby Vision 2 und HDR10+ Advanced

Auf der IFA 2025 kündigte Dolby mit Dolby Vision 2 die nächste Generation an. Neue Metadaten für Schwarzwert-Kalibrierung und dosierte Bewegungsglättung sollen die Bildqualität weiter verbessern [6]. Samsung konterte auf der CES 2026 mit HDR10+ Advanced. Beide Formate sind für bestehende Geräte nicht nachrüstbar. Für aktuelle Kaufentscheidungen sind sie irrelevant.

Was bedeutet HDR in der Praxis?

Wichtiger als das Format ist die Fähigkeit des Fernsehers, HDR tatsächlich darzustellen. Ein Gerät mit 400 Nits Spitzenhelligkeit kann HDR-Metadaten zwar lesen, aber nicht sichtbar umsetzen. Erst ab etwa 600 Nits wird HDR spürbar, ab 1.000 Nits richtig eindrucksvoll. Viele günstige 4K-Fernseher tragen ein HDR-Logo, liefern aber kein echtes HDR-Erlebnis. Aussagekraft hat das Logo kaum: Es bestätigt nur, dass das Gerät das Signal versteht, nicht dass es damit etwas Sinnvolles anfangen kann.

Streaming-Dienste liefern HDR-Inhalte meist mit deutlich geringerer Bitrate als UHD-Blu-rays, was die Bildqualität einschränkt. Ein HDR-Film auf Netflix kommt mit etwa 15 bis 20 Mbit/s an, eine UHD-Blu-ray liefert 80 bis 100 Mbit/s. Farbbanding und Kompressionsartefakte sind bei Streaming häufiger sichtbar, besonders in dunklen Szenen mit Farbverläufen. Für maximale HDR-Qualität bleibt die physische Disc das beste Medium, auch wenn Streaming für die meisten Zuschauer völlig ausreichend ist.

Braucht man 8K?

Kurze Antwort: Nein. 4K (3.840 mal 2.160 Pixel) ist der Standard, und es gibt keinen praktischen Grund, davon abzuweichen. Vier von fünf verkauften Fernsehern in Deutschland haben 4K-Auflösung [7].

8K (7.680 mal 4.320 Pixel) vervierfacht die Pixelzahl. Beeindruckend auf dem Papier, aber das menschliche Auge kann den Unterschied bei normalen Sitzabständen und Bildschirmgrößen unter 85 Zoll kaum wahrnehmen. Native 8K-Inhalte sind praktisch nicht vorhanden: kein Streaming-Dienst liefert 8K, Blu-rays existieren nicht in 8K, selbst YouTube bietet nur vereinzelt 8K-Demos.

Zusätzlich hat die EU-Ökodesign-Verordnung die Situation verschärft. Viermal so viele Pixel benötigen mehr Rechenleistung für die Bildverarbeitung, was den Stromverbrauch in die Höhe treibt. Mehrere 8K-Modelle schaffen die Mindestanforderungen der Energieeffizienzklasse nicht mehr. Samsung, der einzige Hersteller mit nennenswertem 8K-Sortiment (LG hat sich Anfang 2026 zurückgezogen), bietet nur noch wenige Modelle an, mit Preisen ab rund 1.500 Euro für 65 Zoll.

Das halte ich für eine Sackgasse. 8K ist eine Technologie ohne Inhalte, ohne Infrastruktur und ohne erkennbaren Zeitplan, wann sich das ändern könnte. Kaufempfehlung: 4K. Punkt.

Allerdings zeigt sich gerade bei 4K, wie stark die Bildqualität von der Signalquelle abhängt, denn terrestrisches Fernsehen über DVB-T2 liefert bestenfalls 1080p und viele Sender strahlen nach wie vor nur in 720p aus. Kabelanbieter erreichen ähnliche Auflösungen, natives 4K gibt es dort praktisch nicht. Echtes 4K in voller Qualität kommt nur über UHD-Blu-ray und ausgewählte Streaming-Titel bei hoher Bandbreite, was bedeutet, dass ein guter 4K-Fernseher vor allem ein guter Upscaler sein muss.

Was leisten die Bildprozessoren?

Jeder Fernseher enthält einen spezialisierten Chip, der das Eingangssignal in Echtzeit optimiert: Upscaling (Hochrechnen von HD auf 4K), Rauschreduzierung, Bewegungsglättung und HDR-Tone-Mapping laufen alle über diesen einen Prozessor. Bei günstigeren Geräten arbeitet ein einfacher Medienchip, bei Premiumfernsehern ein eigens entwickelter Prozessor mit KI-Funktionen.

Samsung setzt in den 4K-Fernsehern den NQ4 AI Gen3 ein, LG den Alpha 11 Gen 2 im Flaggschiff G5. Beide Hersteller betonen die KI-Fähigkeiten ihrer Chips: Szenen werden analysiert, Gesichter erkannt, Sportübertragungen automatisch anders verarbeitet als Filmszenen. Wie viel davon Marketing ist und wie viel echten Nutzen bringt, lässt sich schwer messen. Harte Zahlen fehlen. Sichtbar ist der Unterschied vor allem beim Upscaling: Premiumchips machen aus einem 720p-Signal ein deutlich schärferes 4K-Bild als günstige Chips. Alte DVD-Aufnahmen etwa profitieren enorm.

Sony verdient besondere Erwähnung. Sonys XR-Prozessor gilt unter Enthusiasten als der beste Bildprozessor im Consumer-Bereich. Bewegungsverarbeitung und Hochskalierung von älterem Material sind seit Jahren Sonys größte Stärke. Filmklassiker auf Blu-ray sehen auf einem Sony-Fernseher oft eine Klasse besser aus als auf vergleichbaren Samsung- oder LG-Geräten. Dafür zahlt man in der Regel 300 bis 600 Euro mehr.

Wie viel KI-Upscaling in der Praxis bringt, hängt vom Ausgangsmaterial ab. Bei nativem 4K-Content von Netflix oder UHD-Blu-ray ist der Unterschied zwischen einem 800-Euro- und einem 2.000-Euro-Fernseher minimal. Erst bei niedriger Auflösung zeigt sich die Qualität des Prozessors: altes SD-Material, komprimierte Streams, ältere Spielkonsolen. Hier rechnen Premiumchips fehlende Details erstaunlich überzeugend hoch. Günstige Chips produzieren dagegen Artefakte und Unschärfen.

Für den Durchschnittskäufer bedeutet das eine klare Hierarchie: Gutes Panel mit mittlerem Chip schlägt mittleres Panel mit Spitzenchip, und erst bei niedrig aufgelöstem Content oder schnellen Bewegungen wie Sport und Actionfilmen trennt sich die Spreu vom Weizen.

Zusammenfassung und Ausblick

Technik hinter modernen Fernsehern ist komplex, die Kaufentscheidung muss es nicht sein. OLED liefert das beste Bild in dunklen Räumen, Mini-LED die höchste Helligkeit für helle Räume, und RGB Mini-LED versucht 2026, beides zu vereinen. 4K bleibt der einzig relevante Auflösungsstandard. Beim HDR-Format entscheidet der Hersteller: Samsung bedeutet HDR10+, LG und Sony bedeuten Dolby Vision, Panasonic, Philips, Hisense und TCL bieten alles. Wer beim Kauf vor allem auf das Display achtet, liegt richtig, denn die Technik dahinter bestimmt die Bildqualität stärker als jedes andere Ausstattungsmerkmal.

Im dritten Teil dieser Serie geht es um die Ausstattung jenseits des Displays: Betriebssysteme im Alltagstest, HDMI-Anschlüsse und Gaming-Features, den enttäuschenden Sound der meisten Flachbildfernseher und die oft ignorierte Frage der Energieeffizienz.

Quellen

  1. HIFI.DE: LG G5 im Test – Der Top-OLED stellt neue Rekorde auf, Spitzenhelligkeit rund 2.300 Nits (hifi.de)
  2. HIFI.DE: Fernseher-Highlights CES 2026 – Von ultraflachen OLEDs und RGB-Mini-LEDs
  3. TechRadar: The Best TVs of CES 2026 – Brighter OLEDs, 130-inch screens, and RGB Mini-LED everywhere, Januar 2026
  4. Consumer Reports: New TV Technology Coming in 2026
  5. 4K Filme: Welcher TV-Hersteller unterstützt welches HDR-Format? Übersicht (4kfilme.de)
  6. Tom’s Guide: Dolby Vision 2 vs HDR10+ Advanced – Read this before you buy your next TV
  7. tvfindr: Fernseher Trendanalyse – rund 80 % aller verkauften Geräte mit UHD-Standard (tvfindr.com)