Fernseherkauf 2026: Was Sie wissen müssen

Samsung GQ65S90F oder LG OLED65C5? TCL 65C7K oder Hisense 65U7Q? 1.500 Euro für einen QD-OLED oder 700 Euro für Mini-LED? Im Elektronikmarkt stehen dutzende Fernseher nebeneinander, alle zeigen dasselbe Demo-Material in beeindruckender Qualität, und die Unterschiede sind auf den ersten Blick kaum erkennbar. Datenblätter mit Begriffen wie „QLED“, „Neo QLED“, „QD-OLED“ und neuerdings „RGB Mini-LED“ verwirren mehr, als sie helfen.

Der TV-Markt hat sich 2025 und 2026 stärker verändert als in den fünf Jahren davor. OLED-Fernseher, einst Premiumprodukte ab 2.000 Euro, kosten mittlerweile unter 900 Euro. Chinesische Hersteller wie TCL und Hisense haben Samsung und LG im Preiskampf unter Druck gesetzt. TCL überholte LG im vierten Quartal 2024 sogar im Premium-Segment, wie Counterpoint Research dokumentierte [1]. Erstmals in der Geschichte des TV-Markts überholte damit ein chinesischer Hersteller einen koreanischen Platzhirsch bei Fernsehern über 600 Euro. Laut Statistischem Bundesamt waren Fernsehgeräte im Oktober 2025 10,6 Prozent günstiger als im Vorjahr [2].

Einen guten Fernseher zu finden ist 2026 nicht mehr die Herausforderung. Die eigentliche Aufgabe: die passende Technologie, die richtige Größe und das sinnvolle Budget für den eigenen Bedarf bestimmen.

OLED ist bezahlbar geworden

Die wichtigste Entwicklung der letzten zwei Jahre ist der Preisverfall bei OLED-Fernsehern. Ein LG OLED B5 in 55 Zoll kostet im Februar 2026 ab rund 850 Euro [3]. Der bessere LG C5 beginnt bei rund 900 Euro. Samsungs QD-OLED-Modell S90F liegt bei rund 950 Euro für 55 Zoll [4]. Zum Vergleich: Der LG C2, Vorgänger des C5 um zwei Generationen, startete 2022 bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2.299 Euro.

OLED-Displays erzeugen perfektes Schwarz. Jeder Pixel leuchtet einzeln und kann komplett abschalten. LCD-Fernseher benötigen eine Hintergrundbeleuchtung und schaffen diesen Kontrast physikalisch nicht, egal ob mit Mini-LED oder ohne. Häufig gefragt: Burn-in. Bei normaler Nutzung mit gemischten Inhalten ist das Risiko minimal, denn aktuelle Panels haben wirksame Schutzmaßnahmen wie automatischen Pixel-Refresh integriert.

Samsung setzt seit 2022 auf QD-OLED, eine Variante mit Quantum-Dot-Farbschicht, die höhere Farbbrillianz und mehr Helligkeit als herkömmliches OLED erreicht. Samsungs S95F gilt als einer der besten Fernseher überhaupt. Die Stiftung Warentest bewertete die 65-Zoll-Version in der Ausgabe 01/2026 mit der Note 1,8 [5]. Das halte ich für nachvollziehbar: Wer diesen Fernseher einmal im direkten Vergleich gesehen hat, versteht den Hype. Besonders bei HDR-Material in dunklen Räumen zeigt der S95F, was aktuelle OLED-Technik leisten kann. Farben wirken natürlicher als bei LCD, und das bei mittlerweile konkurrenzfähiger Helligkeit. Für Film- und Serienfans mit abgedunkeltem Wohnzimmer gibt es Stand Februar 2026 nichts Besseres unter 3.000 Euro.

Bei der Helligkeit hat OLED insgesamt aufgeholt. LGs G5 erreicht mit neuem RGB-Tandem-Panel bis zu 2.300 Nits, mehr als Samsungs Neo-QLED QN90F mit rund 2.000 Nits. In sehr hellen Räumen mit großen Fensterfronten kann Mini-LED weiterhin Vorteile haben, doch der frühere Helligkeitsvorteil von LCD schrumpft rapide. Für die meisten Käufer mit Budget über 850 Euro ist OLED 2026 die sinnvollste Wahl, zumal die Preise erfahrungsgemäß im Jahresverlauf weiter fallen.

Was bringt RGB Mini-LED wirklich?

Auf der CES 2026 in Las Vegas präsentierten alle großen Hersteller gleichzeitig eine neue Technologie: RGB Mini-LED. Statt weißer oder blauer LEDs als Hintergrundbeleuchtung verwenden diese Panels rote, grüne und blaue LEDs, die einzeln angesteuert werden. Das Ergebnis: eine Farbraumabdeckung von rund 90 Prozent des Rec.2020-Standards, vergleichbar mit QD-OLED [6]. Bisher war ein breiter Farbraum bei LCD nur mit Quantum-Dot-Filtern über der Hintergrundbeleuchtung möglich, was physikalisch an Grenzen stieß. Ein eindrucksvolles Versprechen.

Jeder Hersteller hat seinen eigenen Namen dafür. Samsung nennt es „Micro RGB“, LG sagt „Micro RGB evo“, Sony „True RGB“ und Hisense spricht von „RGB MiniLED“. Dahinter steckt dasselbe Grundprinzip: separate rote, grüne und blaue LEDs als Hintergrundbeleuchtung. TCL geht einen anderen Weg und setzt beim Flaggschiff X11L auf „SQD-Mini-LED“, eine verbesserte Quantum-Dot-Schicht über blauen LEDs. TCL verspricht bis zu 10.000 Nits Spitzenhelligkeit [7]. Ob das in der Praxis relevant ist, bleibt fraglich: Die meisten HDR-Inhalte sind auf 1.000 bis 4.000 Nits gemastert, und kein Streaming-Dienst liefert Quellmaterial, das solche Werte ausreizt. Beeindruckende Datenblatt-Zahlen, aber mit begrenztem Alltagsnutzen.

RGB Mini-LED ist die spannendste Fernseher-Neuerung seit dem OLED-Preisverfall. Erste Generationen neuer Display-Technologien bringen erfahrungsgemäß Kinderkrankheiten mit sich: Lokales Dimming bei RGB-Subpixeln ist komplexer als bei herkömmlichem Mini-LED, und unabhängige Tests der 2026er-Modelle stehen noch aus. Wer jetzt kaufen will, fährt mit einem bewährten OLED oder klassischem Mini-LED sicherer. Richtig interessant wird RGB Mini-LED ab der zweiten Generation, voraussichtlich 2027.

Welche Größe passt ins Wohnzimmer?

55 Zoll ist die meistverkaufte Fernsehergröße in Deutschland. Etwa jeder sechste verkaufte Fernseher hat mittlerweile 65 Zoll oder mehr [8].

Beim Sitzabstand hat sich die Faustregel mit 4K verändert. Bei Full-HD-Fernsehern galt: Bildschirmdiagonale mal drei. Bei 4K-Auflösung reicht die 1,5-fache Diagonale, weil die Pixel feiner sind und aus geringerer Entfernung nicht sichtbar werden. Konkret: Ein 65-Zoll-Fernseher mit 165 Zentimetern Diagonale passt bei einem Sitzabstand von 2,5 Metern. In den meisten deutschen Wohnzimmern passt das. Viele Käufer unterschätzen, wie groß ihr Fernseher sein darf, und entscheiden sich im Nachhinein, dass sie mutiger hätten wählen sollen.

Preislich sind größere Fernseher attraktiver geworden. TCLs C7K in 75 Zoll kostet 1.149 Euro, in 85 Zoll bieten Hisense und TCL brauchbare QLED-Modelle ab 800 Euro [9]. Von 55 auf 65 Zoll beträgt der Aufpreis bei vielen Modellen nur 100 bis 200 Euro. Im Geschäft wirken 65 Zoll kaum größer als 55, doch zuhause bei 2,5 Metern Sitzabstand ist der Unterschied enorm. Fast immer gut investiertes Geld.

Weniger sinnvoll: 85 Zoll oder mehr in Räumen mit weniger als drei Metern Sitzabstand. Zwar schadet ein großer Fernseher bei 4K dem Bild nicht, aber das periphere Sehen wird überstrapaziert, besonders bei schnellen Kameraschwenks. 65 Zoll ist für die meisten Wohnzimmer die beste Balance zwischen Bildfläche, Sitzabstand und Preis.

Das Betriebssystem als heimlicher Kaufgrund

Fernseher sind Computer mit Bildschirm. Das Betriebssystem bestimmt, welche Apps laufen, wie schnell die Bedienung reagiert und wie lange der Hersteller Updates liefert. Trotzdem achten die meisten Käufer beim Kauf kaum darauf, obwohl es darüber entscheidet, wie lange der Fernseher aktuell und nutzbar bleibt.

Samsung setzt auf Tizen mit 25,9 Prozent Marktanteil in Westeuropa [10]. Tizen bietet eine schnelle Oberfläche, der Gaming Hub integriert Xbox Game Pass und GeForce Now direkt am Fernseher. LG nutzt webOS und garantiert fünf Jahre OS-Updates, ein Versprechen, das kein anderer Hersteller in dieser Klarheit gibt. In Tests gilt webOS als das intuitivste System. Sony und TCL setzen auf Google TV mit dem größten App-Angebot dank Android-Basis, allerdings sammelt Google dabei umfangreich Nutzerdaten. Hisense verwendet VIDAA, das im Geschwindigkeitstest des connect-Magazins am besten abschnitt [11]. Jedes System hat Stärken, aber auch spürbare Schwächen.

Ein unbequemes Thema ist Werbung. Samsung blendet auf dem Startbildschirm Werbehinweise und den eigenen Streaming-Dienst Samsung TV Plus ein, LG zieht nach, Google TV empfiehlt gesponserte Inhalte prominent. Komplett werbefreie Smart-TVs gibt es praktisch nicht mehr. Das ist für mich der größte Ärger am aktuellen TV-Markt: Bei Geräten für über 1.000 Euro sollte der Käufer nicht zusätzlich mit Werbung belästigt werden. Immerhin lässt sich die Werbung bei Samsung und LG in den Einstellungen teils abschalten, wenn man weiß, wo.

Wichtig und oft unterschätzt: die Update-Politik. Nach drei bis fünf Jahren stellen die meisten Hersteller die Software-Pflege ein, neue Apps funktionieren nicht mehr, und Sicherheitslücken bleiben offen. Ein externes Streaming-Gerät wie der Apple TV 4K oder ein Amazon Fire TV Stick löst das Problem dauerhaft für 40 bis 150 Euro. LGs Fünf-Jahres-Garantie für webOS-Updates ist hier der Maßstab, an dem sich Samsung, Sony und TCL messen lassen müssen.

Empfehlungen nach Budget und Einsatzzweck

Der beste Fernseher-Deal 2026 kostet rund 1.000 Euro. In diesem Preisbereich stehen OLED-Fernseher von LG und Samsung zur Auswahl, die vor drei Jahren noch das Dreifache gekostet hätten. Der LG B5 (ab rund 850 Euro, 55 Zoll) als Einstiegs-OLED, der Samsung S90F (ab rund 950 Euro) mit QD-OLED-Technik und der LG C5 (ab rund 900 Euro) als bewährter Allrounder liefern alle eine Bildqualität, die den Alltagsbedarf weit übersteigt. In diesem Segment kann man kaum eine falsche Entscheidung treffen.

Darunter, für unter 500 Euro, liegt der Einstieg in brauchbare 4K-Fernseher. Rund 300 Euro kostet ein 55-Zoll-Gerät mit LED-Hintergrundbeleuchtung und QLED-Beschichtung, etwa der Hisense E77Q. Bildqualität und Helligkeit reichen für normales Fernsehen und Streaming bei Tageslicht. Auf HDR mit hoher Spitzenhelligkeit, schnelle Bildwiederholraten über 60 Hz und gute Blickwinkel muss man in dieser Preisklasse verzichten. Mit etwas mehr Budget greift man zum TCL C7K mit QD-Mini-LED ab 600 Euro in 55 Zoll. Das ist der Preis-Leistungs-Favorit dieser Generation: guter Kontrast, hohe Helligkeit, solide Farbwiedergabe.

Zwischen 1.200 und 2.000 Euro kaufen Cineasten und anspruchsvolle Gamer. Der Samsung S95F (ab 1.483 Euro in 55 Zoll) erhielt die Note 1,8 bei der Stiftung Warentest. Der LG G5 (ab 1.249 Euro) bietet das hellste OLED-Panel auf dem Markt mit über 2.300 Nits. Samsung überzeugt bei maximaler Farbbrillianz und HDR10+, LG beim tiefsten Schwarz, Dolby Vision und der besten Gaming-Kompatibilität. Beide Hersteller liefern Geräte, die professionellen Monitoren für Farbarbeit kaum nachstehen, was vor fünf Jahren in dieser Preisklasse undenkbar gewesen wäre. Am Ende zählt die persönliche Vorliebe.

Über 2.000 Euro geht es primär um Größe. Der Samsung S90F in 77 Zoll liegt bei rund 1.800 Euro, der LG G5 in 77 Zoll bei rund 3.000 Euro. Für den großen Kinoeffekt im Wohnzimmer ist das die richtige Preisklasse.

Neben dem Budget zählt der Einsatzzweck. Filmfans profitieren am meisten von OLED in abgedunkelten Räumen, idealerweise mit Dolby-Vision-Unterstützung. Gamer brauchen HDMI 2.1 mit VRR und ALLM; hier bieten LG-OLEDs mit unter zehn Millisekunden Input Lag die besten Werte. Sportfans sollten auf echte 120 Hz und einen guten Motion-Modus achten, beides liefern aktuelle Modelle ab der Mittelklasse. Für gemischte Nutzung aus allem ein bisschen ist ein OLED ab 900 Euro der vielseitigste Kompromiss.

Zum Kaufzeitpunkt: Erfahrungsgemäß fallen die besten Preise im November rund um den Black Friday und im Frühjahr, wenn neue Modelle die Vorgänger ablösen. Preisvergleichsportale wie Geizhals und idealo zeigen den Preisverlauf und helfen, den richtigen Kaufzeitpunkt abzupassen.

Wie geht es weiter?

Fünf weitere Teile dieser Serie vertiefen jeden Aspekt. Teil eins erklärt den TV-Markt und die Hersteller, Teil zwei vergleicht Display-Technologien im Detail, Teil drei behandelt Ausstattungsmerkmale von Betriebssystem bis Gaming. Teil vier gibt konkrete Kaufempfehlungen nach Budget und Einsatzzweck, Teil fünf warnt vor Fallstricken und blickt in die Zukunft. Jeder Teil funktioniert eigenständig, sodass Leser bei dem Aspekt einsteigen können, der sie am meisten interessiert.

Ich rate zum pragmatischen Ansatz: Budget festlegen, Größe bestimmen, dann die beste Technologie innerhalb des Budgets wählen. 65 Zoll OLED für rund 1.000 Euro ist der Maßstab, an dem sich 2026 alle anderen Optionen messen lassen müssen. Mit kleinerem Budget liegt Mini-LED richtig. Oberhalb von 1.500 Euro gibt es größere Bildschirme oder noch bessere Panels, aber die Sprünge in der Bildqualität werden immer kleiner. Auf die nächste TV-Generation zu warten lohnt sich selten, denn die Preissenkungen bei aktuellen Modellen sind größer als der Technologiesprung zum Nachfolger. Für die meisten Käufer bleibt der Sweet Spot zwischen 900 und 1.500 Euro in 55 oder 65 Zoll.

Und eine Soundbar einplanen. Kein aktueller Flachbildfernseher liefert guten Klang aus eigener Kraft, und ab 150 Euro gibt es Modelle, die das komplett ändern.

Quellen

  1. HIFI.DE: TCL überholt LG – Samsung weiter Nr. 1 im Premium TV Segment, Counterpoint Research Q4 2024
  2. Statistisches Bundesamt: Fernsehgeräte im Oktober 2025 um 10,6 % günstiger als ein Jahr zuvor (destatis.de)
  3. idealo.at: LG OLED B5 2025, Preisvergleich Stand Februar 2026
  4. Geizhals: Samsung GQ55S90F, Preisvergleich Stand Februar 2026
  5. Stiftung Warentest: Fernseher im Test, Ausgabe 01/2026 – Samsung S95F Note 1,8 (test.de)
  6. TechRadar: The Best TVs of CES 2026, Januar 2026
  7. 4K Filme: Quantum Dots erreichen auf der CES 2026 das nächste Level, Januar 2026
  8. tvfindr: Fernseher Trendanalyse – Das sagt der TV-Markt (tvfindr.com)
  9. heise online: Kaufberatung 4K-TV – UHD-Fernseher gibt es ab 240 Euro, 85 Zoll unter 1.000 Euro
  10. teltarif: Smart TV Market Samsung ahead of LG and Hisense, H2 2025
  11. connect: TV-Betriebssysteme im Test, August 2025