Marie, 28, hat vor zwei Jahren ein sechsmonatiges Coding-Bootcamp in Berlin abgeschlossen. Ihr erstes Angebot als Junior Frontend-Entwicklerin: 38.000 Euro brutto im Jahr. Heute, nach einem Firmenwechsel und einer Spezialisierung auf React und TypeScript, liegt sie bei 52.000 Euro. Ihr ehemaliger Bootcamp-Kollege Tarek arbeitet als Freelancer in München und fakturiert 90 Euro pro Stunde. Beide machen im Grunde das Gleiche. Beide verdienen völlig unterschiedlich.
Gehaltsspannen in der Frontend-Entwicklung klaffen weit auseinander. Region, Erfahrung, Technologie-Stack, Branche und Unternehmensform beeinflussen den Verdienst erheblich. Dieser vierte Teil der Serie liefert konkrete Zahlen für Deutschland, Österreich und die Schweiz, ordnet sie ein und zeigt, wo der Arbeitsmarkt Anfang 2026 steht. Gute Nachricht: Plattformen wie StepStone, Glassdoor und PayScale erheben jährlich Tausende Gehaltsangaben. Trotzdem gilt: Jede einzelne Zahl ist ein Durchschnitt, kein Versprechen.
Was Frontend-Entwickler in Deutschland verdienen
Berufserfahrung bestimmt das Gehalt eines Frontend-Entwicklers in Deutschland am stärksten. Zwischen Einsteigern und Seniors klafft eine beträchtliche Lücke. Ein Überblick über die gängigen Gehaltsstufen, basierend auf Daten von StepStone, Glassdoor und PayScale [1][2][3]:
Auffällig: Zwischen Junior und Mid-Level liegt ein klarer Sprung. Nach den ersten zwei Jahren, mit einem soliden Framework wie React oder Angular und einem Portfolio aus echten Projekten, lassen sich beim Jobwechsel oft 30 bis 40 Prozent mehr verlangen. Von Mid-Level zu Senior fällt der Anstieg flacher aus. Ab 80.000 Euro wird die Luft dünn. Für mehr muss man entweder ins Management wechseln, sich als Staff Engineer positionieren oder den Freelancer-Weg gehen.
Eine Einordnung: Das Einstiegsgehalt von 35.000 bis 43.000 Euro liegt unter dem Durchschnitt anderer IT-Berufe. Backend-Entwickler starten häufig bei 42.000 bis 48.000 Euro, DevOps-Ingenieure bei 45.000 bis 50.000 Euro [1]. Ursache ist die Wahrnehmung: Frontend gilt in vielen Unternehmen immer noch als weniger komplex als Backend-Arbeit. Fachlich ist das falsch. Aber Gehälter spiegeln nicht Komplexität, sondern Marktmacht.
Ein Hinweis zu den Zahlen: Sämtliche Angaben beziehen sich auf Bruttojahresgehälter ohne variable Anteile. Bonuszahlungen, Aktienoptionen oder ein 13. Monatsgehalt kommen bei vielen Arbeitgebern obendrauf. In der Praxis schwankt das Gesamtpaket um zehn bis 15 Prozent je nach Verhandlungsgeschick und Unternehmenspolitik. Ausschließlich auf das Grundgehalt zu schauen heißt Äpfel mit Birnen vergleichen.
Wie stark unterscheiden sich die Regionen?
Deutschland ist kein einheitlicher Arbeitsmarkt. Zwischen München und Chemnitz liegen nicht nur 400 Kilometer, sondern auch 15.000 bis 20.000 Euro Jahresgehalt. Grob lassen sich drei Gruppen erkennen.
München führt die Gehaltstabellen an. Frontend-Entwickler verdienen hier im Schnitt über 60.000 Euro, Seniors erreichen regelmäßig 80.000 Euro und mehr. Allerdings relativiert sich dieser Vorteil schnell: Eine Zweizimmerwohnung in Schwabing kostet kalt 1.400 bis 1.800 Euro im Monat. Zieht jemand aus einer Kleinstadt nach München und verdient 15 Prozent mehr, bleibt real oft weniger in der Tasche.
Berlin bietet ein interessantes Verhältnis. Das Durchschnittsgehalt für Frontend-Entwickler liegt laut Glassdoor bei rund 63.400 Euro [2], also deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten niedriger als in München oder Frankfurt. Berlins Startup-Szene drückt das Einstiegsgehalt zwar nach unten (viele Startups zahlen Juniors unter 40.000 Euro), bietet aber schnellere Karrieresprünge und breitere Aufgabenfelder.
Baden-Württemberg liegt ebenfalls über dem Schnitt, getrieben durch die Automobil- und Maschinenbauindustrie. Bosch, Mercedes, Porsche und SAP zahlen Tarif oder besser. Ostdeutschland liegt spürbar darunter. In Sachsen oder Thüringen starten Junior-Frontend-Entwickler teilweise bei 32.000 Euro. Das Preisniveau ist dort allerdings auch ein anderes: Eine vergleichbare Wohnung kostet die Hälfte von München.
Mein Eindruck nach Gesprächen mit Recruitern: Regionale Unterschiede werden durch Remote-Arbeit langsam kleiner, aber sie verschwinden nicht. Unternehmen passen Gehälter an den Standort an. Aus Leipzig für eine Berliner Firma remote arbeiten? Selten gibt es dafür das volle Berliner Gehalt.
Was verdienen Frontend-Entwickler in Österreich und der Schweiz?
Drei Länder, drei Gehaltsniveaus. Österreich liegt knapp unter Deutschland, die Schweiz deutlich darüber.
Österreich: Solide, aber unter deutschem Niveau
Frontend-Entwickler in Österreich verdienen laut Glassdoor im Schnitt rund 58.000 Euro brutto im Jahr [4]. Wien dominiert den Arbeitsmarkt, gefolgt von Graz und Linz. Strukturell ähnelt das Gefüge dem deutschen, allerdings auf einem etwas niedrigeren Niveau. Juniors starten bei 38.000 bis 42.000 Euro, Seniors erreichen 60.000 bis 70.000 Euro. Das 14. Monatsgehalt (Urlaubs- und Weihnachtsgeld), das in Österreich durch Kollektivverträge nahezu flächendeckend gezahlt wird, relativiert den Abstand etwas.
Wiens IT-Szene wächst, ist aber kleiner als in Berlin oder München. Weniger Stellen, weniger Verhandlungsspielraum. Gute Bedingungen gibt es trotzdem, nur mit deutschen Spitzengehältern sollte niemand rechnen.
Schweiz: Hohe Gehälter, hohe Kosten
Andere Liga: die Schweiz. Frontend-Entwickler verdienen laut Glassdoor zwischen 82.500 und 94.500 CHF im Jahr [5]. Seniors in Zürich oder Basel liegen bei 120.000 bis 145.000 CHF. Beeindruckend. Bis man die Lebenshaltungskosten danebenlegt. Eine Einzimmerwohnung in Zürich kostet 1.400 bis 2.000 CHF. Krankenversicherung: 350 bis 500 CHF monatlich. Mittagessen in der Kantine: 15 bis 20 CHF. Kaufkraftbereinigt liegt der Vorteil gegenüber Deutschland bei schätzungsweise 15 bis 25 Prozent, nicht bei 70 Prozent, wie das Bruttogehalt suggeriert.
Hinzu kommt: Arbeitsbewilligungen für EU-Bürger vergibt die Schweiz zwar relativ unkompliziert, aber Deutsch allein reicht in Zürich nicht immer. Viele Tech-Firmen arbeiten auf Englisch, in der Romandie wird Französisch erwartet. Kleiner als der deutsche ist der Schweizer IT-Markt, und er konzentriert sich auf wenige Städte.
Eine Alternative, die manche Grenzgänger nutzen: In Konstanz, Lörrach oder Waldshut wohnen und in der Schweiz arbeiten. Das Schweizer Gehalt fließt, die deutschen Lebenshaltungskosten bleiben. Klingt aufwendig. Steuerlich ist das Modell komplex (Quellensteuer, Doppelbesteuerungsabkommen), aber finanziell oft attraktiv. Rund 66.000 Deutsche pendeln täglich in die Schweiz. Für Frontend-Entwickler mit Wohnsitz im süddeutschen Grenzgebiet kann das eine überlegenswerte Option sein.
Freelancing: Lohnt sich die Selbstständigkeit?
Allzeithoch: Laut Freelancer-Kompass 2025 liegt der durchschnittliche IT-Stundensatz bei 104 Euro [6]. Frontend-Spezialisten liegen je nach Technologie und Erfahrung zwischen 70 und 104 Euro pro Stunde. Bei 1.600 fakturierbaren Stunden im Jahr ergibt das einen Bruttoumsatz von 112.000 bis 166.400 Euro. Klingt verlockend. Ist es auch, aber mit Einschränkungen.
Vom Bruttoumsatz gehen Krankenversicherung (rund 900 Euro monatlich für Selbstständige), Altersvorsorge, Steuern, Buchhaltung, Hardware und Akquisezeiten ab. Realistisch bleiben 55 bis 65 Prozent des Umsatzes als Nettoäquivalent. Das sind immer noch 61.000 bis 108.000 Euro und damit deutlich mehr als im Angestelltenverhältnis. Allerdings fällt die bezahlte Ausfallzeit weg: kein Urlaub, kein Krankengeld, keine Elternzeit ohne Einkommenseinbuße.
Freelancing eignet sich für Entwickler mit mindestens drei bis fünf Jahren Berufserfahrung, einem belastbaren Netzwerk und der Fähigkeit, Projekte eigenständig zu akquirieren. Für Berufseinsteiger ist es riskant. Ohne Referenzen und Netzwerk fehlen die Aufträge, und ohne Teamanbindung fehlt das Mentoring, das in den ersten Jahren entscheidend ist.
Meine Einschätzung: Freelancing als Frontend-Entwickler ist 2026 finanziell attraktiver denn je. Aber es ist ein anderer Beruf. Neben der Programmierung kommen Buchhaltung, Kundenkommunikation, Angebotserstellung und Selbstvermarktung dazu. Empfindet man diese Tätigkeiten als lästig, wird das mit der Selbstständigkeit nichts.
Welche Faktoren beeinflussen das Gehalt am stärksten?
Erfahrung und Region erklären einen Großteil der Gehaltsunterschiede. Aber nicht alles. Vier weitere Faktoren spielen eine erhebliche Rolle.
Technologie-Stack: React schlägt jQuery
Nicht jede Frontend-Technologie wird gleich bezahlt. Entwickler mit React- und TypeScript-Kenntnissen verdienen im Schnitt zehn bis 15 Prozent mehr als Kollegen, die ausschließlich mit jQuery oder reinem JavaScript arbeiten [1]. Next.js, Angular und Vue.js liegen dazwischen. Weniger Aufschlag. Spezialisierungen wie Web-Performance-Optimierung, Accessibility-Audits oder Design-System-Entwicklung können das Gehalt zusätzlich nach oben treiben, weil wenige Entwickler diese Nischen besetzen.
Ein Beispiel: Seit dem European Accessibility Act 2025 suchen Unternehmen händeringend nach Entwicklern mit WCAG-Erfahrung. In Stellenanzeigen taucht Accessibility immer häufiger als explizite Anforderung auf. Mit dieser Kompetenz lässt sich der Arbeitgeber aussuchen, und die Verhandlungsposition ist stark.
Branche: Fintech zahlt besser als die Werbeagentur
Branchenunterschiede machen 10.000 bis 20.000 Euro im Jahr aus. Fintech-Unternehmen, Automobilkonzerne und die Pharmaindustrie zahlen am oberen Rand. Werbeagenturen, gemeinnützige Organisationen und kleine E-Commerce-Unternehmen am unteren. Einfacher Grund: Branchen mit hohen Margen können höhere Gehälter zahlen. In einer Digitalagentur mit 20 Mitarbeitern ist der Spielraum kleiner als bei einem Konzern mit 50.000 Beschäftigten. Ich halte die Branchenwahl für einen der am meisten unterschätzten Gehaltsfaktoren, weil viele Berufseinsteiger sich von hippen Agentur-Websites blenden lassen und die nüchternen Gehaltstabellen der Industrie ignorieren.
Unternehmensgröße und Remote-Faktor
Große Unternehmen zahlen tendenziell mehr. DAX-Konzerne, internationale Tech-Firmen und gut finanzierte Scale-ups bieten häufig Gehälter am oberen Rand der Skala, dazu kommen Boni, Aktienoptionen und überdurchschnittliche Sozialleistungen. In Startups fällt das Grundgehalt niedriger aus. Manche kompensieren das mit Anteilen (Employee Stock Options), deren Wert spekulativ bleibt. Garantiert ist nichts.
Remote-Arbeit hat eine neue Gehaltsdimension eröffnet. Von Leipzig aus für ein Züricher Unternehmen zu arbeiten kann deutlich über dem lokalen Marktpreis liegen. Umgekehrt versuchen manche Firmen, Gehälter an den Wohnort des Mitarbeiters anzupassen. Dieses „Location-based Pay“ versus „Role-based Pay“ ist eine der kontroversesten Debatten im Tech-Bereich.
Die Arbeitsmarktsituation 2025/2026: Paradox und Realität
Widersprüchliche Signale sendet der IT-Arbeitsmarkt in Deutschland. Einerseits meldete Bitkom im August 2025 rund 109.000 offene IT-Stellen quer durch alle Branchen [7]. Andererseits verzeichnete das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) einen Rückgang der IT-Stellenanzeigen um 26,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr [8]. Beide Zahlen sind korrekt. Sie beschreiben unterschiedliche Aspekte derselben Situation.
Bitkom erhebt eine Bestandszahl: Wie viele IT-Positionen sind zu einem Stichtag unbesetzt? IW beschreibt die Dynamik: Wie viele neue Stellen werden ausgeschrieben? Zusammen ergibt sich folgendes Bild: Strukturell besteht der Fachkräftemangel weiter. Unternehmen finden nicht genug qualifizierte Bewerber. Das bleibt. Doch sie sind auch vorsichtiger geworden. Konjunkturelle Schwäche in Deutschland (das Bruttoinlandsprodukt sank 2024 zum zweiten Mal in Folge) führt dazu, dass weniger neue Stellen geschaffen werden, obwohl bestehende Positionen unbesetzt bleiben.
Für Frontend-Entwickler bedeutet das: Goldene Zeiten wie 2021 und 2022, als Juniors vier Angebote in einer Woche bekamen, sind vorbei. Bedarf gibt es trotzdem weiterhin. StepStone listete im Februar 2026 rund 1.100 Frontend-bezogene Stellen in Deutschland [9]. Allerdings sind Anforderungen gestiegen. Unternehmen suchen gezielter, erwarten mehr Erfahrung und bieten weniger Einstiegspositionen an.
Ein Trend sticht hervor: Viele Stellenanzeigen verlangen nicht mehr „Frontend-Entwickler“, sondern „Fullstack-Entwickler“ oder „Product Engineer“. Reine Frontend-Rollen werden seltener. Zwischen Frontend und Backend verschwimmt die Grenze zusehends. Am Arbeitsmarkt zeigt sich das deutlich.
Besonders betroffen sind Berufseinsteiger. Viele Unternehmen haben ihre Junior-Programme zusammengestrichen oder verlangen auch von Juniors bereits Fullstack-Kenntnisse. Frisch aus dem Bootcamp konkurriert man plötzlich mit Mid-Level-Entwicklern um dieselben Stellen. Einstiegshürden sind höher als noch vor drei Jahren. Praktika, Open-Source-Beiträge und persönliche Projekte auf GitHub zählen deshalb mehr denn je. Ein solides Portfolio ersetzt keine Berufserfahrung, aber es öffnet Türen, die ohne sichtbare Arbeitsergebnisse verschlossen bleiben. Drei bis fünf eigene Projekte auf GitHub, sauber dokumentiert und mit Tests versehen, wiegen schwerer als ein Zertifikat.
Stirbt die reine Frontend-Rolle aus?
Spezialisierte Frontend-Stellen verschieben sich hin zu Fullstack-Rollen. Kein neues Phänomen. Aber es beschleunigt sich. Meta-Frameworks wie Next.js und Nuxt machen es möglich, dass ein einzelner Entwickler sowohl die Benutzeroberfläche als auch serverseitige Logik, API-Routen und Datenbankanbindungen in einem Projekt verwaltet. Für Unternehmen ist das effizient. Für Entwickler bedeutet es ein breiteres Anforderungsprofil.
Was heißt das für die Gehaltsverhandlung? Fullstack-Entwickler verdienen in der Regel zehn bis 15 Prozent mehr als reine Frontend-Entwickler [1]. Nicht weil Fullstack-Arbeit grundsätzlich wertvoller wäre, sondern weil Unternehmen eine Stelle statt zwei besetzen. Wirtschaftlich fließt dieser Vorteil teilweise ins Gehalt.
Reine Frontend-Positionen verschwinden nicht. In großen Unternehmen mit komplexen Design-Systemen, Performance-kritischen Anwendungen oder strengen Accessibility-Anforderungen bleibt die Spezialisierung sinnvoll und gefragt. Aber der Pool wird kleiner. Sich ausschließlich als Frontend-Entwickler zu positionieren und keinerlei Backend-Kenntnisse mitzubringen schränkt die Optionen ein. Spürbar.
Gehaltsverhandlung: Konkrete Strategien
Gehalt verhandeln gehört zu den Fähigkeiten, die in keinem Bootcamp und keinem Studium gelehrt werden. Dabei macht eine gute Verhandlung über ein Berufsleben gerechnet Hunderttausende Euro aus. Einige Prinzipien, die in der Praxis funktionieren.
Wie ermittelt man den eigenen Marktwert?
Vor jeder Verhandlung sollte der eigene Marktwert recherchiert sein. StepStone, Glassdoor und Kununu liefern Gehaltsspannen für spezifische Positionen, Regionen und Erfahrungsstufen. Levels.fyi bietet zusätzlich Daten für große Tech-Unternehmen. Diese Zahlen sind keine Verhandlungsgarantie, aber sie verhindern, dass man sich deutlich unter Wert verkauft.
Konkrete Zahl nennen, nicht den Arbeitgeber fragen lassen
Im Bewerbungsgespräch auf die Frage „Was stellen Sie sich vor?“ mit „Was bieten Sie denn?“ zu antworten kostet Verhandlungsmacht. Besser: Eine konkrete Zahl am oberen Rand der eigenen Erwartung nennen und begründen. „Basierend auf meiner Erfahrung mit React und TypeScript und den aktuellen Marktdaten für Berlin liegt meine Vorstellung bei 58.000 Euro.“ Das gibt dem Gegenüber einen Ankerpunkt.
Nicht nur übers Grundgehalt sprechen
Das Grundgehalt ist nur ein Teil der Vergütung. Weiterbildungsbudget (1.500 bis 3.000 Euro jährlich bei vielen Tech-Firmen), flexible Arbeitszeiten, Anzahl der Remote-Tage, Bonusregelungen, betriebliche Altersvorsorge und ein Firmenticket für den ÖPNV sind reale Geldwerte. Manche Unternehmen, die beim Grundgehalt nicht nachgeben, zeigen sich bei Zusatzleistungen flexibel. Diese Posten können zusammen 5.000 bis 10.000 Euro im Jahr ausmachen.
Noch ein praktischer Hinweis: Bester Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung ist nicht das jährliche Mitarbeitergespräch. Es ist der Moment, in dem man ein konkretes Ergebnis vorweisen kann. Ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt, eine Performance-Verbesserung um 40 Prozent, die Einführung eines Design-Systems, das dem Team Arbeit spart. Mit Fakten verhandeln statt mit Bauchgefühl. Das bringt Ergebnisse.
Bringt ein Jobwechsel mehr als eine Gehaltserhöhung?
Größte Gehaltssteigerungen entstehen nicht durch interne Verhandlungen, sondern durch Firmenwechsel. Deutlich. Zwischen zehn und 20 Prozent Gehaltsplus sind beim Wechsel realistisch, intern sind es selten mehr als drei bis fünf Prozent pro Jahr. Das klingt nach einer Einladung zum permanenten Jobhopping. Ist es nicht. Zu häufige Wechsel (alle sechs bis zwölf Monate) wecken bei Personalverantwortlichen Misstrauen. Alle zwei bis drei Jahre zu wechseln gilt dagegen in der Tech-Branche als normal und wird selten negativ ausgelegt.
Beim Wechsel zählt die Verhandlungsposition. Mit einem festen Job im Rücken lassen sich Angebote in Ruhe vergleichen. Nach einer Kündigung akzeptiert man eher das erste Angebot. Das drückt das Gehalt. Deshalb gilt: Nie aus Frustration kündigen, bevor eine Alternative steht.
Gehalt ist nicht alles, aber auch nicht nichts
Frontend-Entwicklung bietet in der DACH-Region ein solides Einkommen. Juniors starten bei 35.000 bis 43.000 Euro, Seniors erreichen 65.000 bis 80.000 Euro, Freelancer können deutlich darüber liegen. Schweiz? Zahlt mehr, kostet aber auch mehr. Österreich liegt knapp unter dem deutschen Niveau.
Am Arbeitsmarkt zeigt sich eine Umbruchphase. Reine Frontend-Rollen verlieren an Bedeutung, während Fullstack-Profile und Spezialisierungen an Wert gewinnen. Fachkräftemangel besteht weiterhin, aber Unternehmen stellen selektiver ein. Mühelose Jobwechsel mit 20-Prozent-Gehaltssprüngen? Vorerst vorbei.
Wer nur Frontend kann, muss sich strecken. Wer Frontend plus eine Spezialisierung mitbringt (Accessibility, Performance, Design-System-Entwicklung), verhandelt aus einer Position der Stärke. Ich halte die Kombination aus solidem Frontend-Handwerk und einer technischen Nische für die beste Strategie, um langfristig überdurchschnittlich zu verdienen. Belegt wird das durch die Zahlen: Spezialisten mit seltenen Kompetenzprofilen erreichen die oberen Gehaltsbänder schneller als Generalisten.
Im letzten Teil der Serie geht es um die größte Frage: Was macht KI mit dem Beruf? GitHub Copilot, Cursor, v0 und andere Tools verändern die tägliche Arbeit bereits spürbar. Teil 5 analysiert, was das für die Zukunft der Frontend-Entwicklung bedeutet.
Quellen
[1] StepStone: Frontend-Entwickler Gehälter Deutschland 2025/2026 (https://www.stepstone.de/gehalt/Frontend-Entwickler-in.html)
[2] Glassdoor: Front End Developer Gehalt Deutschland, abgerufen am 11. Februar 2026 (https://www.glassdoor.de/Geh%C3%A4lter/front-end-developer-gehalt-SRCH_KO0,19.htm)
[3] PayScale: Front End Developer Salary Germany, abgerufen am 11. Februar 2026 (https://www.payscale.com/research/DE/Job=Front_End_Developer_%2F_Engineer/Salary)
[4] Glassdoor: Front End Developer Gehalt Österreich, abgerufen am 11. Februar 2026 (https://www.glassdoor.at/Geh%C3%A4lter/front-end-developer-gehalt-SRCH_KO0,19.htm)
[5] Glassdoor: Front End Developer Gehalt Schweiz, abgerufen am 11. Februar 2026 (https://www.glassdoor.ch/Geh%C3%A4lter/front-end-developer-gehalt-SRCH_KO0,19.htm)
[6] Freelancer-Kompass 2025: Durchschnittlicher IT-Stundensatz auf Allzeithoch (https://www.freelancermap.de/freelancer-kompass)
[7] Bitkom-Studie: 109.000 offene IT-Stellen in Deutschland, August 2025 (https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Deutschland-fehlen-IT-Fachkraefte)
[8] Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Rückgang der IT-Stellenanzeigen um 26,2 Prozent, 2024 (https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Kurzberichte/PDF/2025/IW-Kurzbericht_2025-Stellenr%C3%BCckgang-IT-Berufe.pdf)
[9] StepStone: Frontend-Entwickler Jobs Deutschland, abgerufen am 11. Februar 2026 (https://www.stepstone.de/jobs/frontend-entwickler)