Ein mittelständisches Unternehmen aus München startet einen Online-Shop. Die IT-Abteilung steht vor einer Grundsatzentscheidung: Soll die Website auf einem gemieteten Server bei einem deutschen Anbieter laufen, oder wäre die Cloud die bessere Wahl? Der IT-Leiter recherchiert drei Tage. Am Ende ist er verwirrter als zuvor. Shared Hosting, VPS, Dedicated Server, IaaS, PaaS, Multi-Cloud, Hybrid Cloud. Die Begriffe verschwimmen, die Anbieter versprechen alle das Gleiche, und die Preismodelle scheinen mehr zu verschleiern als zu erklären.
Dieses Szenario wiederholt sich täglich in Unternehmen jeder Größe. Der globale Cloud-Infrastruktur-Markt hat 2025 erstmals die 400-Milliarden-Dollar-Marke überschritten. Allein im zweiten Quartal 2025 wurden 99 Milliarden Dollar für Cloud-Dienste ausgegeben, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig nutzen 89 Prozent der Unternehmen bereits Multi-Cloud-Strategien, und 21 Prozent der Cloud-Workloads wurden laut Flexera bereits repatriiert, also zurück auf eigene Hardware verlagert. Die Hosting-Landschaft ist komplexer geworden, nicht einfacher.
Diese Serie bringt Ordnung ins Chaos. Wir beginnen bei den Grundlagen: Was bedeutet Hosting überhaupt? Welche Optionen gibt es? Und warum ist die Entscheidung so schwierig geworden?
Was ist Hosting überhaupt?
Hosting bezeichnet die Bereitstellung von Speicherplatz und Rechenleistung für Websites, Anwendungen und Daten auf Servern, die über das Internet erreichbar sind. Im Kern geht es um eine einfache Frage: Wo läuft meine Software? Auf einem eigenen Rechner im Keller, auf einem gemieteten Server in einem Rechenzentrum, oder verteilt auf Hunderten von Maschinen irgendwo auf der Welt?
Der Begriff 'Web Hosting' beschreibt traditionell das Bereitstellen von Websites auf Servern. Ein Hosting-Anbieter betreibt die Hardware, kümmert sich um Strom, Kühlung und Netzwerkanbindung. Der Kunde mietet einen Teil dieser Infrastruktur und kann dort seine Website oder Anwendung betreiben. Dieses Modell existiert seit den Anfängen des World Wide Web in den frühen 1990er Jahren.
'Cloud Hosting' ist jünger. Der Begriff wurde populär, als Amazon 2006 seine Elastic Compute Cloud (EC2) startete. Die zentrale Neuerung: Statt einen festen Server zu mieten, bucht der Kunde Rechenleistung aus einem Pool virtueller Maschinen. Die Ressourcen sind elastisch; sie wachsen und schrumpfen nach Bedarf. Die Abrechnung erfolgt nach Verbrauch, oft minutengenau.
The cloud is just someone else's computer. (Die Cloud ist nur der Computer eines anderen.)"
— Populäres Meme, ursprüngliche Quelle unbekannt
Dieses Zitat ist halb richtig und halb irreführend. Ja, Cloud-Dienste laufen auf physischen Servern, die jemand anderem gehören. Aber die Art, wie diese Server organisiert, virtualisiert und skaliert werden, unterscheidet sich fundamental vom traditionellen Hosting. Es geht nicht nur darum, wo die Hardware steht. Es geht darum, wie sie genutzt wird.
Die Hosting-Landschaft 2025
Der Hosting-Markt hat sich in Schichten ausdifferenziert. Jede Schicht bietet unterschiedliche Grade von Kontrolle, Flexibilität und Verantwortung. Das Verständnis dieser Schichten ist Voraussetzung für jede sinnvolle Hosting-Entscheidung.
Shared Hosting: Der Einstieg
Beim Shared Hosting teilen sich viele Kunden einen physischen Server. Die Ressourcen (CPU, RAM, Speicher) werden aufgeteilt, jeder bekommt einen kleinen Anteil. Das Prinzip ähnelt einer Wohngemeinschaft: günstig, aber mit Einschränkungen. Wenn der Nachbar eine rechenintensive Anwendung startet, leidet die eigene Website unter der Last.
Die Vorteile liegen auf der Hand: niedrige Kosten (ab etwa einem Euro pro Monat), einfache Verwaltung über grafische Oberflächen, keine technischen Vorkenntnisse nötig. Anbieter wie Strato, IONOS oder Hostinger bedienen dieses Segment mit Millionen von Kunden. Für einen persönlichen Blog, eine Vereinswebsite oder die erste Unternehmensseite ist Shared Hosting oft ausreichend.
Die Nachteile zeigen sich bei wachsendem Traffic. Die Performance schwankt, weil andere Kunden auf demselben Server Ressourcen beanspruchen. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind begrenzt. Spezielle Software-Anforderungen lassen sich oft nicht umsetzen. Sicherheitsprobleme eines Nachbarn können theoretisch auch die eigene Site gefährden, obwohl moderne Isolationstechniken dieses Risiko minimieren.
Shared Hosting eignet sich für persönliche Blogs, Portfolio-Websites, kleine Vereinsseiten und erste Unternehmensauftritte. Nicht geeignet ist es für Shops mit mehr als 1.000 Besuchern täglich oder Anwendungen mit besonderen Performance-Anforderungen.
VPS: Die goldene Mitte
Ein Virtual Private Server (VPS) bietet einen Kompromiss. Der physische Server wird weiterhin geteilt, aber jeder Kunde erhält eine eigene virtuelle Maschine mit garantierten Ressourcen. Die Isolation ist deutlich besser als beim Shared Hosting. Der Kunde hat root-Zugang und kann das Betriebssystem nach eigenen Wünschen konfigurieren.
Die Preise beginnen bei etwa fünf Euro pro Monat und reichen bis weit über 100 Euro für leistungsstarke Konfigurationen. ScalaHosting, Hetzner und viele andere bieten verwaltete VPS-Lösungen, bei denen der Anbieter Updates und Sicherheitspatches übernimmt. Für wachsende Unternehmen, mittelgroße E-Commerce-Shops oder SaaS-Anwendungen mit stabilen Nutzerzahlen ist ein VPS oft die wirtschaftlichste Lösung.
Der Nachteil: Skalierung erfordert Planung. Ein VPS hat feste Ressourcengrenzen. Wenn der Black Friday kommt und der Traffic explodiert, muss der Administrator rechtzeitig auf einen größeren Plan upgraden. Automatische Skalierung ist bei klassischen VPS nicht vorgesehen. Das unterscheidet VPS fundamental vom Cloud Hosting.
Dedicated Server: Volle Kontrolle
Ein Dedicated Server gehört dem Kunden allein. Keine Virtualisierung, keine geteilten Ressourcen, maximale Performance und Kontrolle. Der Kunde entscheidet über Hardware-Konfiguration, Betriebssystem, Netzwerk-Setup. Gleichzeitig trägt er die volle Verantwortung für Wartung, Updates und Sicherheit.
Die Kosten beginnen bei etwa 40 Euro pro Monat für Einstiegsmodelle und erreichen mehrere tausend Euro für High-End-Konfigurationen mit aktuellen Prozessoren und NVMe-Speicher. Hetzner, OVHcloud und viele spezialisierte Anbieter bedienen diesen Markt. Laut einer aktuellen Umfrage nutzen noch immer 86 Prozent der Organisationen dedizierte Server, und 42 Prozent der Unternehmen haben im vergangenen Jahr Workloads aus der Public Cloud auf eigene Hardware zurückverlagert.
Dedicated Server sind die richtige Wahl für Anwendungen mit konstant hohem Ressourcenbedarf, strenge Compliance-Anforderungen oder Workloads, bei denen Latenz kritisch ist. Gaming-Server, Datenbanken mit vorhersagbarer Last, Anwendungen mit besonderen Sicherheitsanforderungen. Der Trend zur 'Cloud Repatriation', also der Rückverlagerung aus der Cloud, zeigt: Dedizierte Server sind keineswegs ein Auslaufmodell.
Cloud Hosting: Elastizität als Prinzip
Cloud Hosting unterscheidet sich von den vorherigen Modellen durch ein fundamentales Architekturprinzip: Ressourcen werden nicht fest zugewiesen, sondern dynamisch aus einem Pool bereitgestellt. Der Kunde definiert, was er braucht; die Cloud-Plattform sorgt dafür, dass die nötigen Ressourcen verfügbar sind. Bei steigender Last werden automatisch weitere Server hinzugefügt, bei sinkender Last wieder entfernt.
Dieses Modell verändert die Kostenstruktur fundamental. Statt fixer Monatsraten zahlt der Kunde nach Verbrauch. Amazon Web Services (AWS) rechnet sekundengenau ab, Google Cloud bietet automatische Rabatte für kontinuierliche Nutzung, Microsoft Azure lockt Bestandskunden mit Hybrid-Benefit-Rabatten von bis zu 40 Prozent auf bestehende Microsoft-Lizenzen.
Die drei großen Cloud-Anbieter dominieren den Markt: AWS hält etwa 30 Prozent Marktanteil, Microsoft Azure folgt mit 20 Prozent, Google Cloud Platform liegt bei 13 Prozent. Zusammen kontrollieren sie fast zwei Drittel des globalen Cloud-Infrastruktur-Marktes. AWS wächst mit 17 Prozent pro Jahr, Azure mit 26 Prozent, getrieben durch die Integration von OpenAI-Diensten und die starke Enterprise-Präsenz. Der Gesamtmarkt erreichte im zweiten Quartal 2025 ein Volumen von 99 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die große Verwirrung: IaaS, PaaS, SaaS
Die Begriffe Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) sorgen regelmäßig für Verwirrung. Sie beschreiben unterschiedliche Abstraktionsebenen, nicht unterschiedliche Technologien.
Infrastructure as a Service (IaaS)
Bei IaaS mietet der Kunde virtuelle Maschinen, Netzwerke und Speicher. Er hat volle Kontrolle über das Betriebssystem und alles, was darauf läuft. AWS EC2, Azure Virtual Machines oder Google Compute Engine sind typische IaaS-Produkte. Der Kunde ist verantwortlich für Installation, Konfiguration, Updates und Sicherheit der Software. Der Cloud-Anbieter kümmert sich nur um die darunterliegende Hardware und Virtualisierung.
Platform as a Service (PaaS)
PaaS abstrahiert einen Schritt weiter. Der Kunde liefert seinen Anwendungscode; die Plattform kümmert sich um alles darunter: Betriebssystem, Laufzeitumgebung, Skalierung, Patches. Heroku, Google App Engine oder Azure App Service sind PaaS-Angebote. Entwickler können sich auf ihren Code konzentrieren, ohne sich um Infrastruktur zu kümmern. Der Trade-off: weniger Kontrolle, potenzielle Abhängigkeit vom Anbieter.
Software as a Service (SaaS)
SaaS ist die höchste Abstraktionsebene. Der Kunde nutzt eine fertige Anwendung über den Browser, ohne sich um irgendetwas Technisches zu kümmern. Microsoft 365, Salesforce, Slack. Kein Code, keine Konfiguration, keine Wartung. Der Anbieter verwaltet alles, der Kunde zahlt typischerweise pro Nutzer und Monat.
Die Grenzen zwischen diesen Kategorien verschwimmen zunehmend. Container-Plattformen wie AWS Fargate oder Azure Container Apps liegen irgendwo zwischen IaaS und PaaS. Serverless-Angebote wie AWS Lambda oder Google Cloud Functions abstrahieren noch weiter: Der Kunde schreibt einzelne Funktionen, die Plattform führt sie aus und skaliert automatisch. Die Abrechnung erfolgt pro Aufruf, nicht pro Zeit.
Die Unterschiede in der Kurzfassung: Bei IaaS verwaltet der Kunde Betriebssystem, Middleware und Anwendungen, bei PaaS nur noch die Anwendungen selbst, bei SaaS nutzt er fertige Software ohne jede Verwaltungsaufgabe. Serverless geht noch weiter: Der Kunde schreibt nur einzelne Funktionen, die Plattform übernimmt Bereitstellung und Skalierung vollautomatisch.
Der europäische Blick: Deutsche Anbieter im Vergleich
Europa und speziell Deutschland haben eine eigene Hosting-Landschaft entwickelt, die sich in wichtigen Punkten von den US-Giganten unterscheidet. Drei Anbieter dominieren den deutschen Markt für klassisches Web Hosting: IONOS, Hetzner und Strato.
IONOS
IONOS (ehemals 1&1) ist der größte deutsche Hosting-Anbieter mit Millionen von Kunden weltweit. Das Unternehmen bietet die volle Bandbreite von Shared Hosting (ab einem Euro im ersten Jahr) über VPS bis zu dedizierten Servern und einer eigenen Cloud-Plattform. Die Stärken liegen im 24/7-Support, der auch telefonisch erreichbar ist, und in umfangreichen Features für Entwickler. IONOS positioniert sich für Kunden, die international wachsen wollen, mehrere Websites betreiben oder von guter Beratung profitieren möchten.
Hetzner
Hetzner aus Gunzenhausen hat sich einen Ruf für exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis erarbeitet. Das Unternehmen betreibt Rechenzentren in Deutschland und Finnland sowie Cloud-Standorte in den USA und Singapur. Das Besondere: Hetzner rechnet konsequent nach Verbrauch ab und ermöglicht feine Kontrolle über Ressourcen. Die Zielgruppe sind erfahrene Nutzer, Entwickler und Unternehmen, die Kubernetes, Container oder komplexe Infrastruktur betreiben. Der Support ist auf Werktage beschränkt, aber technisch versiert.
Strato
Strato, eine Tochter von United Internet (wie IONOS), fokussiert auf den deutschen Markt mit Betonung auf Einfachheit und Managed Services. Besonders stark ist Strato bei Windows-Hosting. Alle Server stehen in deutschen, ISO-27001-zertifizierten Rechenzentren und werden mit grünem Strom betrieben. Die Zielgruppe: Kunden, die Wert auf deutsche Datensouveränität legen und eine unkomplizierte Lösung suchen. Allerdings steigen die Preise nach der Einführungsphase oft deutlich an.
Die drei Anbieter adressieren unterschiedliche Zielgruppen: IONOS als größter deutscher Anbieter mit 24/7-Support und internationaler Ausrichtung, Hetzner mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis für Entwickler und Profis, Strato mit einfacher Verwaltung und Fokus auf deutsche Datensouveränität.
Europäische Alternativen zu US-Clouds
Neben den klassischen Hosting-Anbietern wächst eine Schicht europäischer Cloud-Provider, die sich als Alternative zu AWS, Azure und Google positionieren. OVHcloud aus Frankreich ist der größte europäische Cloud-Anbieter. Scaleway, ebenfalls aus Frankreich, fokussiert auf Entwickler. UpCloud aus Finnland betont seine europäische Eigenständigkeit. STACKIT, die Cloud-Tochter von Schwarz IT (Lidl/Kaufland), zielt auf deutsche Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen.
Die Motivation für europäische Alternativen ist oft nicht technischer, sondern rechtlicher Natur. Der US CLOUD Act ermöglicht amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten amerikanischer Unternehmen, selbst wenn diese in europäischen Rechenzentren liegen. Das kollidiert mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Das Schrems-II-Urteil des Europäischen Gerichtshofs hat 2020 diese Spannung offengelegt, und eine weitere Verschärfung (Schrems III) ist in der Diskussion.
Für Unternehmen in regulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen oder öffentlicher Verwaltung kann die Wahl eines europäischen Anbieters die einfachere Compliance-Strategie sein. Die Frage 'Wo stehen meine Server?' wird zur strategischen Entscheidung.
Was macht die Wahl so schwierig?
Die Hosting-Entscheidung ist komplizierter geworden, weil die Optionen explodiert sind und die Trennlinien unscharf. Mehrere Faktoren tragen zur Verwirrung bei.
Marketing-Sprache vs. Realität
Jeder Anbieter verspricht 99,9 Prozent Verfügbarkeit, unendliche Skalierbarkeit und weltbesten Support. Die Unterschiede liegen im Detail: Was zählt als Ausfall? Wie schnell reagiert der Support wirklich? Was kostet Skalierung über das Inklusivvolumen hinaus? Die Marketing-Materialien sind hier wenig hilfreich.
Preismodelle als Labyrinth
AWS allein hat Hunderte verschiedener Preisoptionen: On-Demand, Reserved Instances, Savings Plans, Spot Instances. Jede Region, jede Instanzgröße, jeder Storage-Typ hat eigene Preise. Die Preisstrukturen ändern sich laufend durch neue Instanztypen, regionale Erweiterungen und Rabattanpassungen. Azure und Google Cloud sind etwas übersichtlicher, aber ebenfalls komplex.
Für Unternehmen ohne dedizierte FinOps-Expertise ist die Kostenkontrolle eine echte Herausforderung. Viele Firmen erleben böse Überraschungen, wenn die erste Cloud-Rechnung eintrifft. Egress-Kosten, NAT-Gateway-Gebühren, API-Aufrufe: Diese Posten stehen nirgends prominent im Angebot, können aber erhebliche Summen erreichen.
Lock-in als versteckte Kosten
Die Nutzung cloud-spezifischer Dienste wie AWS Lambda, Azure Functions oder Google BigQuery kann zu erheblicher Abhängigkeit führen. Migration zu einem anderen Anbieter bedeutet dann nicht nur Umzug, sondern Umschreibung. Der initiale Preisvorteil kann sich über die Zeit als teuer erweisen, wenn der Anbieter die Preise erhöht oder die eigenen Anforderungen sich ändern.
Technische Komplexität
Die Cloud hat Hosting nicht vereinfacht, sondern komplexer gemacht. Wer die Vorteile der Elastizität nutzen will, muss seine Anwendung entsprechend architektonisieren: Microservices, Container, automatisierte Deployment-Pipelines. Diese Investition rechnet sich für große, dynamische Workloads. Für eine WordPress-Site ist sie Overkill.
Typische Fehler bei der Hosting-Wahl
In meiner Beratungspraxis sehe ich immer wieder dieselben Muster. Unternehmen wählen Cloud, weil es modern klingt, obwohl ein einfacher VPS ausgereicht hätte. Oder sie bleiben beim billigsten Shared Hosting, bis der Shop am Black Friday zusammenbricht. Fünf Fehler begegnen mir besonders häufig.
- Overengineering: Eine statische Firmenwebsite auf Kubernetes zu betreiben, weil jemand im Team es lernen wollte. Die Kosten und Komplexität explodieren, der Nutzen ist minimal.
- Underprovisioning: Bei drei Euro Shared Hosting zu bleiben, obwohl der Shop 5.000 Besucher täglich hat. Der Server wird zum Flaschenhals, die Conversion sinkt.
- Blind Cloud: Zu AWS greifen, weil alle es tun, ohne die Kostenstruktur zu verstehen. Nach drei Monaten kommt die Rechnung: dreimal so hoch wie kalkuliert.
- Ignorieren von Compliance: Kundendaten auf US-Servern speichern, ohne die DSGVO-Implikationen zu bedenken. Irgendwann klopft der Datenschutzbeauftragte an.
- Fehlende Exit-Strategie: Alles auf proprietäre Dienste eines Anbieters setzen. Jahre später kostet der Wechsel Monate Entwicklungszeit.
Diese Fehler sind vermeidbar. Sie erfordern keine technische Expertise, sondern nüchterne Bedarfsanalyse.
Wer braucht was? Eine erste Orientierung
Eine grobe Faustregel hilft bei der ersten Orientierung. Die Details folgen in Teil 3 dieser Serie.
- Persönlicher Blog, kleine Vereinswebsite: Shared Hosting (Strato, IONOS, Hostinger)
- Wachsender E-Commerce, SaaS mit stabilen Nutzerzahlen: VPS (Hetzner, IONOS Cloud VPS)
- Hohe Compliance-Anforderungen, vorhersagbare Last: Dedicated Server (Hetzner, OVH)
- Variable Last, schnelles Wachstum, internationale Skalierung: Cloud (AWS, Azure, GCP)
- Deutsche Datensouveränität, regulierte Branche: Deutsche/EU-Cloud (IONOS, OVHcloud, STACKIT)
Diese Zuordnung ist eine Vereinfachung. Die richtige Wahl hängt von vielen Faktoren ab: Budget, technische Expertise im Team, Wachstumsprognosen, Compliance-Anforderungen, geographische Verteilung der Nutzer. Teil 3 dieser Serie geht auf konkrete Entscheidungsszenarien ein.
Drei Fragen helfen bei der Orientierung: Erstens, wie variabel ist die Last? Konstante Workloads sprechen für Dedicated Server oder VPS, variable für Cloud. Zweitens, welche Compliance-Anforderungen gelten? DSGVO und Branchenregulierung beeinflussen die Anbieterwahl. Drittens, wie viel technische Expertise hat das Team? Wenig Expertise spricht für Managed Services, viel Expertise ermöglicht Self-Managed-Lösungen.
Ausblick
Soweit die Grundlagen. Die Hosting-Landschaft 2025 ist vielfältiger als je zuvor, und die Grenzen zwischen den Kategorien verschwimmen. Shared Hosting, VPS, Dedicated Server und Cloud sind keine sich gegenseitig ausschließenden Optionen, sondern Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben. Viele Unternehmen kombinieren mehrere Ansätze: den Webserver bei einem deutschen Hoster, die Datenbank auf einem Dedicated Server, die ML-Pipelines in der Cloud.
Der nächste Teil dieser Serie erklärt, was unter der Haube passiert: Wie funktioniert Virtualisierung? Was unterscheidet Container von virtuellen Maschinen? Wie skalieren Cloud-Dienste automatisch? Wer die technischen Grundlagen versteht, kann informiertere Entscheidungen treffen.
Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Frage, welches Hosting für welchen Zweck sinnvoll ist. Die Antwort ist nie eindeutig. Aber sie muss auch nicht so kompliziert sein, wie die Anbieter sie manchmal erscheinen lassen. Das Ziel dieser Serie: klare Orientierung in einem unübersichtlichen Markt.
Ein Rat zum Schluss: Beginnen Sie klein. Shared Hosting oder ein günstiger VPS reichen für den Start fast immer aus. Wachsen Sie mit Ihren Anforderungen. Migration ist einfacher als oft behauptet, solange Sie von Anfang an auf portierbare Technologien setzen: Standard-Datenbanken, Container statt proprietärer Laufzeiten, Infrastructure-as-Code statt manueller Klick-Konfiguration.
Weiter mit Teil 2: Technik: Wie Hosting funktioniert.
Quellenverzeichnis
[1] Synergy Research Group (2025): 'Q2 2025 Cloud Infrastructure Market.' Marktanteilsanalyse AWS, Azure, Google Cloud.
[2] Flexera (2024/2025): 'State of the Cloud Report.' Multi-Cloud-Adoption, Enterprise-Strategien und Cloud-Repatriation-Statistiken.
[3] Gartner (2025): 'Cloud Infrastructure Spending Forecast.' Prognosen für den globalen Cloud-Markt.
[4] CAST AI (2025): 'Kubernetes Cost Benchmark Report.' Analyse der Preisstabilität verschiedener Cloud-Anbieter.
[5] Kyndryl (2025): 'Cloud Readiness Report.' Hybrid-Cloud-Strategien und Enterprise-Adoption.
[6] TechCrunch / Webhosting.de (2025): 'Best Cloud Hosting 2025.' Vergleich deutscher und internationaler Anbieter.
[7] European Court of Justice (2020): 'Schrems II Decision.' Rechtliche Grundlagen für EU-US-Datentransfers.