Ein Bekannter kaufte sich 2023 ein günstiges Xiaomi-Smartphone für 250 Euro. Die Kamera war gut, das Display scharf, die Leistung flüssig. Zwei Jahre später ist das Gerät ein Sicherheitsrisiko: Das letzte Android-Update kam vor 18 Monaten, Sicherheitspatches fehlen seit einem halben Jahr. Die Banking-App verweigert den Dienst, weil die Android-Version zu alt ist. Ein Smartphone, das technisch noch einwandfrei funktioniert, wird durch fehlende Software-Pflege zum Elektroschrott.
Dieses Beispiel steht für ein grundlegendes Problem des Smartphone-Marktes. Die Hochglanz-Werbung verschweigt einiges: wie schnell Software veraltet, welche Apps sich nicht deinstallieren lassen, was passiert, wenn das Display bricht, und welche Folgekosten nach dem Kauf entstehen. Dieser Teil behandelt die Schattenseiten des Marktes. Er benennt die häufigsten Fallstricke und erklärt, wie man sie vermeidet oder zumindest erkennt, bevor man kauft.
Update-Politik: Wie lange lebt ein Smartphone?
Ein Smartphone ist nur so gut wie seine Software. Ohne Updates fehlen neue Funktionen, Sicherheitslücken bleiben offen, und irgendwann funktionieren Apps nicht mehr. Die Update-Politik der Hersteller unterscheidet sich dramatisch, und diese Unterschiede werden beim Kauf oft übersehen. Dabei entscheidet die Software-Unterstützung maßgeblich darüber, wie lange ein Gerät sinnvoll nutzbar bleibt.
Die Spitzenreiter: Apple, Google, Samsung
Apple unterstützt iPhones typischerweise fünf bis sieben Jahre mit aktuellen iOS-Versionen. Das iPhone XR von 2018 läuft noch mit aktuellem iOS 18. Selbst das iPhone 6s von 2015 erhielt im März 2025 mit iOS 15.8.4 noch einen Sicherheitsfix, fast zehn Jahre nach dem Launch. Apple kommuniziert keine offiziellen Supportzeiträume, liefert aber verlässlich. Diese Langlebigkeit rechtfertigt für viele Käufer den höheren Anschaffungspreis.
Google garantiert für die Pixel-8-Serie und neuer sieben Jahre Software-Updates. Das ist ein starkes Versprechen, das die eigene frühere Politik weit übertrifft und mit Apple gleichzieht. Ältere Pixel-Modelle wie das Pixel 6 erhielten nur drei Jahre Android-Updates, aber fünf Jahre Sicherheitsupdates. Google demonstriert mit den eigenen Geräten, was bei Android möglich ist, wenn der Hersteller will.
Samsung verspricht für die Galaxy-S24-Serie und neuere Flaggschiffe ebenfalls sieben Jahre Updates. Die Galaxy-A-Serie hat seit November 2024 aufgeholt: Modelle wie das Galaxy A16, A26, A36 und A56 erhalten nun sechs Jahre Software-Unterstützung. Ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren Jahren, als selbst bei Mittelklasse-Geräten zwei bis drei Jahre üblich waren. Samsung liefert Updates für ältere Modelle mittlerweile meist monatlich, während günstigere Konkurrenten oft nur vierteljährlich Sicherheitspatches verteilen.
Die Aufsteiger: Xiaomi, OnePlus und andere
Xiaomi hat seine Update-Politik 2024 grundlegend überarbeitet. Für die Xiaomi-15-Serie und das Xiaomi 15 Ultra garantiert der Hersteller nun vier Android-Versionsupgrades und sechs Jahre Sicherheitsupdates. Das Redmi Pad 2 erhält sogar sieben Jahre Support. Ein dramatischer Wandel gegenüber der früheren Praxis, bei der oft nur zwei Jahre Sicherheitsupdates garantiert wurden. Ältere Modelle wie die Xiaomi-13-Serie erhalten allerdings weiterhin nur drei Android-Upgrades und vier Jahre Sicherheitspatches.
OnePlus bietet für die Flaggschiff-Serie OnePlus 13 vier Android-Versionen und sechs Jahre Sicherheitsupdates. Die Nord-Serie erhält drei Android-Updates und vier Jahre Security-Patches, die günstigeren Nord-N-Modelle nur ein bis zwei Updates. Oppo, Vivo und Realme bleiben mit etwa vier Android-Updates hinter der Spitzengruppe zurück. Die Hardware dieser Hersteller ist oft exzellent, die Software-Pflege aber ausbaufähig.
EU-Ökodesign-Verordnung: Die Spielregeln ändern sich
Die am 20. Juni 2025 in Kraft getretene EU-Ökodesign-Verordnung verpflichtet Hersteller zu mindestens fünf Jahren Betriebssystem-Updates ab Verkaufsende des jeweiligen Modells. Zusätzlich müssen kritische Ersatzteile wie Akkus und Displays für sieben Jahre nach Verkaufsende verfügbar sein. Diese Regelung gilt für alle neu auf den Markt kommenden Modelle ab diesem Stichtag. Die Verordnung setzt neue Mindeststandards, die Hersteller wie Xiaomi oder Realme zu einem grundlegenden Umdenken zwingen.
Für Verbraucher bedeutet das: Wer ein Smartphone kauft, das nach Juni 2025 auf den Markt kam, kann sich auf mindestens fünf Jahre Betriebssystem-Updates und sieben Jahre Ersatzteilverfügbarkeit verlassen. Die Update-Politik wird damit zu einem nachprüfbaren Qualitätsmerkmal statt zu einem vagen Versprechen. Verstöße können von nationalen Marktüberwachungsbehörden geahndet werden, Bußgelder drohen. Langfristig dürfte die Verordnung die Nutzungsdauer von Smartphones verlängern und den wachsenden Berg an Elektroschrott reduzieren. Die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Smartphones in Deutschland liegt derzeit bei etwa zwei Jahren, obwohl die Hardware oft länger halten würde.
Beim Kauf unbedingt auf das Veröffentlichungsdatum achten: Ein 2024er-Modell fällt möglicherweise nicht unter die neue EU-Verordnung und erhält weniger lange Updates als ein 2025er-Gerät. Die Unterschiede können mehrere Jahre Nutzungsdauer bedeuten.
Bloatware und vorinstallierte Apps
Kaum ein Smartphone kommt ohne vorinstallierte Apps, die niemand braucht. Diese sogenannte Bloatware verbraucht Speicherplatz, manchmal auch Akku und Datenvolumen im Hintergrund. Bei manchen Herstellern lassen sich diese Apps nicht einmal deinstallieren, sondern nur deaktivieren. Der Speicherplatz bleibt dann dauerhaft belegt. Bei einem Smartphone mit 128 GB Speicher können vorinstallierte Apps schnell 10 bis 15 GB beanspruchen, die für Fotos, Musik und eigene Apps fehlen.
Die Extreme: Samsung und Xiaomi
Samsung-Smartphones kommen mit einer Fülle eigener Apps: Galaxy Store, Samsung Browser, Samsung Health, Samsung Pay, Bixby, Samsung Notes, Samsung Members, Samsung Global Goals, Samsung Free. Einige sind nützlich und gut gemacht, viele duplizieren Google-Funktionen ohne erkennbaren Mehrwert. Die meisten lassen sich zumindest deaktivieren, einige wie Bixby erfordern jedoch mehrere Schritte, um sie vollständig zu bändigen.
Xiaomi geht noch weiter. Je nach Region und Modell finden sich vorinstallierte Spiele, Shopping-Apps wie AliExpress, Werbung in System-Apps und Push-Benachrichtigungen, die wie Spam wirken. MIUI und dessen Nachfolger HyperOS zeigen Werbung selbst in den Einstellungen, im Dateimanager und im App-Installer. Diese Werbung lässt sich abschalten, erfordert aber das Deaktivieren der Option 'Empfehlungen' in den Einstellungen jeder einzelnen System-App.
Die sauberen Alternativen
Google Pixel-Phones bieten das sauberste Android-Erlebnis. Nur Google-eigene Apps sind vorinstalliert, keine Drittanbieter-Software, keine Werbung im System. Die Oberfläche entspricht dem Android-Referenzdesign, Updates kommen direkt von Google. Motorola folgt einem ähnlichen Ansatz mit fast unverändertem Android und dezenten Zusatzfunktionen wie Gestensteuerung.
iPhones haben weniger vorinstallierte Apps als die meisten Android-Geräte, aber auch Apple bündelt eigene Dienste. Apple Music, Apple TV+, Apple News, Apple Fitness+ erscheinen prominent, und iOS bewirbt sie gelegentlich mit Benachrichtigungen. Der Unterschied: Diese Apps sind dezent gestaltet, nicht aufdringlich und lassen sich vollständig deinstallieren oder ignorieren, ohne dass versteckte Werbung aufpoppt.
Wie man Bloatware loswird
Die meisten vorinstallierten Apps lassen sich deinstallieren oder zumindest deaktivieren. Bei Android: Einstellungen → Apps → App auswählen → Deinstallieren oder Deaktivieren. Deaktivierte Apps belegen weiterhin Speicher, erscheinen aber nicht in der App-Liste und laufen nicht im Hintergrund. Bei Samsung empfiehlt sich zusätzlich, im Galaxy Store unter 'Updates' zu prüfen, ob deaktivierte Apps automatisch wieder aktualisiert werden.
Für hartnäckige Fälle gibt es die Android Debug Bridge (ADB), ein Kommandozeilen-Tool für Entwickler. Mit dem Befehl 'adb shell pm uninstall -k --user 0 [Paketname]' lassen sich auch System-Apps für den aktuellen Nutzer entfernen. Das erfordert technisches Wissen und birgt Risiken: Manche System-Apps sind für den Betrieb notwendig, und ihre Entfernung kann zu Instabilität führen. Anleitungen für spezifische Geräte finden sich bei XDA Developers.
Reparierbarkeit: Was tun, wenn etwas kaputtgeht?
Smartphones werden immer dünner, dichter verklebt, schwieriger zu reparieren. Ein gesprungenes Display oder ein altersschwacher Akku bedeutete früher oft einen Neukauf oder eine teure Werkstattreparatur. Die EU arbeitet mit neuen Verordnungen dagegen an, und einige Hersteller haben ihr Design grundlegend überdacht. Die Unterschiede zwischen den Herstellern sind erheblich.
Das EU-Reparierbarkeitslabel
Seit Juni 2025 müssen in der EU verkaufte Smartphones ein Reparierbarkeitslabel tragen, das auf einer Skala von A bis E angibt, wie einfach das Gerät zu reparieren ist. Das Label berücksichtigt objektive Faktoren: Zerlegbarkeit ohne Spezialwerkzeug, Verfügbarkeit von Ersatzteilen, kostenlose Reparaturanleitungen, Preis der Ersatzteile im Verhältnis zum Neupreis.
Hersteller müssen kritische Ersatzteile wie Akku, Display und Lade-Port für mindestens sieben Jahre nach Verkaufsende des Modells bereitstellen und innerhalb von fünf bis zehn Werktagen liefern. Reparaturen der wichtigsten Komponenten müssen mit handelsüblichem Werkzeug möglich sein, ohne dass proprietäre Schrauben oder Software-Sperren die Selbstreparatur verhindern. Das Label macht die Reparierbarkeit erstmals objektiv vergleichbar.
Die Musterschüler: Fairphone und die Self-Repair-Programme
Fairphone setzt seit Jahren Maßstäbe für reparierbare Smartphones. Das aktuelle Fairphone 6 erhielt von den Reparatur-Experten bei iFixit die Bestnote 10 von 10 Punkten. Display, Akku, Kameramodule, Lautsprecher und USB-C-Port lassen sich mit einem einzigen Schraubendreher austauschen. Ersatzteile sind einzeln im Fairphone-Shop erhältlich, ein Akku kostet etwa 40 Euro, ein Display etwa 100 Euro. Die Anleitungen sind kostenlos online verfügbar.
Samsung hat mit dem Self-Repair-Programm nachgezogen, einer Partnerschaft mit iFixit. Für viele Galaxy-Modelle der S- und A-Serie sind offizielle Reparaturkits mit Originalteilen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen erhältlich. Apple bietet ein ähnliches Self-Service-Repair-Programm für iPhones an, allerdings zu vergleichsweise hohen Preisen und mit komplexeren Prozeduren. Google verkauft ebenfalls Original-Ersatzteile für Pixel-Phones.
iFixit-Scores als Orientierung
Die Reparatur-Experten von iFixit zerlegen neue Smartphones systematisch und bewerten ihre Reparierbarkeit auf einer Skala von 1 bis 10. Ein hoher Score bedeutet: einfacher Akkutausch, gut zugängliche Komponenten, keine proprietären Schrauben, vorhandene Reparaturanleitungen. Ein niedriger Score warnt vor stark verklebten Teilen, Pentalobe-Schrauben, Software-Sperren, die Ersatzteile nach dem Einbau blockieren, und fehlenden Ersatzteilmärkten.
Aktuelle Scores Ende 2025: Fairphone 6 erreicht 10/10, das Samsung Galaxy S25 Ultra kommt auf 5/10 (der höchste Samsung-Score seit zehn Jahren), das iPhone 16 Pro Max auf 7/10, und das Google Pixel 9 Pro auf 5/10. Die Unterschiede sind im Alltag relevant: Ein Akkutausch beim Fairphone kostet Zeit und etwa 40 Euro fürs Teil. Beim verklebten Flaggschiff werden schnell 100 bis 150 Euro fällig, plus Arbeitszeit einer Fachwerkstatt.
Versteckte Kosten: Was nach dem Kauf kommt
Der Kaufpreis ist nicht alles. Smartphones generieren Folgekosten, die selten in Kaufentscheidungen einfließen, aber über die Nutzungsdauer erheblich ins Gewicht fallen. Eine realistische Kalkulation sollte diese Zusatzkosten berücksichtigen.
Zubehör: Das Ladegerät-Problem
Apple hat 2020 vorgemacht, was heute Industriestandard ist: Flaggschiffe kommen ohne Ladegerät in der Packung. Umweltschutz ist das offizielle Argument, Kosteneinsparung der Nebeneffekt. Wer kein passendes Netzteil besitzt, muss nachkaufen. Apples aktueller 40-Watt-Adapter kostet etwa 55 Euro, Samsungs 45-Watt-Ladegerät etwa 20 bis 25 Euro. Drittanbieter wie Anker oder Ugreen bieten gute Qualität für 15 bis 25 Euro.
Schutzhüllen und Displayschutzfolien summieren sich ebenfalls. Eine ordentliche Hülle mit Kantenschutz kostet 20 bis 40 Euro, ein gehärteter Glasschutz fürs Display 10 bis 30 Euro. Wer sein Smartphone ernsthaft schützen will, sollte weitere 50 bis 80 Euro einplanen. Premium-Hüllen von Herstellern wie Pitaka oder Apple-eigene Leather Cases kosten noch deutlich mehr.
Cloud-Speicher: Das Gratis-Limit
Google bietet 15 GB kostenlosen Speicher für Fotos, Drive und Gmail zusammen. Apple gibt 5 GB iCloud, die sich Fotos, Backups und Dokumente teilen müssen. Diese Limits sind bei normaler Nutzung binnen ein bis zwei Jahren erreicht. Die Erweiterung kostet: Google One mit 100 GB liegt bei etwa 24 Euro pro Jahr (2 Euro monatlich), iCloud+ mit 50 GB bei 12 Euro pro Jahr (99 Cent monatlich), mit 200 GB bei 36 Euro pro Jahr (2,99 Euro monatlich).
Über drei bis fünf Jahre Nutzungsdauer summiert sich das: 72 bis 120 Euro bei Google One, 36 bis 180 Euro bei Apple je nach gewähltem Plan. Kein dramatischer Betrag, aber ein Faktor, der bei der Plattformwahl berücksichtigt werden sollte. Wer konsequent lokal speichert und auf Cloud-Backup verzichtet, spart dieses Geld, geht aber das Risiko ein, bei Geräteverlust alle Daten zu verlieren.
In-App-Käufe und Abonnements
Viele Apps sind nur oberflächlich kostenlos. Spotify, Netflix, Adobe-Apps erfordern monatliche Abonnements. Spiele locken mit Freemium-Modellen und teuren In-App-Käufen für Spielwährung, Skins oder Fortschrittsbeschleuniger. Diese Kosten sind nicht smartphone-spezifisch, aber das Smartphone ist der Zugangspunkt, der diese Ausgaben ermöglicht und durch bequeme Zahlungsmethoden vereinfacht.
Laut Bitkom geben deutsche Gamer durchschnittlich knapp 30 Euro monatlich für digitale Spiele aus. Hinzu kommen Streaming-Abos, Cloud-Speicher und Produktivitäts-Apps. Die Summe kann schnell auf 40 bis 50 Euro monatlich steigen. Über drei Jahre sind das 1.400 bis 1.800 Euro, deutlich mehr als viele Smartphones kosten. Wer seine Ausgaben kontrollieren will, sollte In-App-Käufe in den Systemeinstellungen einschränken und Abonnements regelmäßig überprüfen.
Sicherheit und Datenschutz
Smartphones wissen alles über uns: wo wir sind, mit wem wir kommunizieren, was wir kaufen, was uns interessiert. GPS-Daten, Kontakte, Fotos, Nachrichten, Zahlungsinformationen, biometrische Daten, die Frage, wie sicher diese Informationen sind und wer darauf Zugriff hat, verdient ernsthafte Aufmerksamkeit bei der Kaufentscheidung. Ein gestohlenes oder gehacktes Smartphone kann zum Einfallstor für Identitätsdiebstahl werden.
Apple vs. Google: Unterschiedliche Geschäftsmodelle
Apple positioniert sich als Datenschutz-Verfechter und untermauert das mit technischen Maßnahmen. Das iPhone sammelt weniger Nutzungsdaten als Android-Geräte, und Apple verdient sein Geld primär mit Hardware-Verkäufen, nicht mit personalisierter Werbung. Die App-Tracking-Transparenz zwingt Apps seit iOS 14.5, explizit um Erlaubnis zu fragen, bevor sie Nutzeraktivitäten über verschiedene Apps hinweg verfolgen. Die meisten Nutzer lehnen ab, was Werbenetzwerke Milliarden gekostet hat.
Google verdient den Großteil seiner Einnahmen mit Werbung, und Android ist entsprechend datenhungriger. Google-Dienste sammeln Standortverläufe, Suchhistorie, YouTube-Verlauf, App-Nutzungsdaten. Die Privatsphäre-Einstellungen sind vorhanden, aber über mehrere Menüebenen verstreut und standardmäßig auf Datensammlung eingestellt. Wer Wert auf Privatsphäre legt, muss aktiv werden und zahlreiche Einstellungen ändern.
Alternativen für Datenschutzbewusste
Für technisch versierte Nutzer existieren datenschutzfreundliche Android-Varianten. GrapheneOS ist ein gehärtetes Android ohne Google-Dienste, das ausschließlich auf Pixel-Phones läuft und von Sicherheitsexperten empfohlen wird. CalyxOS bietet einen Kompromiss mit optionalen Google-Diensten in einer Sandbox, sodass Apps wie Google Maps funktionieren, ohne vollen Systemzugriff zu haben. /e/OS (Murena) liefert fertige Smartphones mit entgoogeltem Android, inklusive eigener Cloud und App-Store. Diese Alternativen erfordern Einarbeitung und Verzicht auf manche Komfortfunktionen wie kontaktloses Bezahlen, bieten aber echte Datensouveränität.
Biometrie: Fingerabdruck vs. Gesichtserkennung
Biometrische Entsperrung ist bequem, aber nicht alle Implementierungen sind gleich sicher. Apples Face ID nutzt einen 3D-Tiefensensor mit Infrarot-Projektor und ist sehr sicher, die Fehlerrate liegt bei etwa 1:1.000.000. Viele Android-Geräte der Mittelklasse verwenden dagegen einfache 2D-Gesichtserkennung mit der Frontkamera, die unter Umständen mit einem Foto überlistet werden kann.
Fingerabdrucksensoren sind generell sicherer als 2D-Gesichtserkennung. Ultraschall-Sensoren, wie Samsung sie in den Galaxy-S-Flaggschiffen verbaut, erstellen ein dreidimensionales Abbild des Fingerabdrucks und funktionieren auch mit nassen Fingern zuverlässig. Optische In-Display-Sensoren sind etwas weniger sicher und störanfälliger. Im Zweifelsfall bleibt eine starke sechsstellige PIN oder ein alphanumerisches Passwort die sicherste Option, auch wenn sie weniger bequem ist.
Ausblick
Wer die Fallstricke kennt, kann sie vermeiden. Update-Politik prüfen vor dem Kauf, Bloatware-Niveau recherchieren, Reparierbarkeit berücksichtigen, Folgekosten einkalkulieren, Datenschutz abwägen. Diese Faktoren sind weniger glamourös als Kamera-Megapixel oder Benchmark-Scores, aber für die langfristige Zufriedenheit oft wichtiger. Ein Smartphone, das nach zwei Jahren keine Updates mehr bekommt, ist langfristig teurer als ein teureres Modell mit sieben Jahren Support. Wer diese Rechnung vor dem Kauf aufmacht, spart Geld und Ärger.
Ich beobachte den Smartphone-Markt seit über zehn Jahren, und die Entwicklung stimmt mich vorsichtig optimistisch. Die EU-Verordnungen zu Updates und Reparierbarkeit setzen neue Mindeststandards, die selbst widerwillige Hersteller einhalten müssen. Fairphone zeigt, dass modulare, reparierbare Smartphones möglich sind. Samsung und Apple haben Self-Repair-Programme gestartet. Die Branche bewegt sich in die richtige Richtung, auch wenn der Weg noch weit ist.
Für dich als Käufer bedeutet das: Informiere dich vor dem Kauf über die Update-Garantie, wirf einen Blick auf den iFixit-Score, und rechne die Folgekosten mit ein. Der letzte Teil dieser Serie blickt nach vorne: auf faltbare Smartphones, die vom Nischenprodukt zum Mainstream werden, auf KI-Integration, die unsere Nutzung verändert, auf Satelliten-Konnektivität für Notfälle überall, und auf die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit.
Weiter mit Teil 5: Ausblick: Die Zukunft des Smartphones.
Quellenverzeichnis
[1] EU-Kommission (2023/2025): 'Ökodesign-Verordnung für Smartphones und Tablets.' Verordnung (EU) 2023/1670, in Kraft seit 20. Juni 2025.
[2] iFixit (2025): Repairability Scores und Teardown-Reports für aktuelle Smartphones. ifixit.com/repairability
[3] Android Authority (2025): 'Phone update policies from every major Android manufacturer.' Dezember 2025.
[4] Bundesumweltministerium (2025): 'Recht auf Reparatur.' Informationen zur EU-Richtlinie 2024/1799.
[5] Samsung Newsroom (2024): 'Galaxy A-Serie erhält sechs Jahre Software-Updates.' November 2024.
[6] Xiaomi (2025): 'Software Update Policy for Xiaomi, Redmi and POCO devices.' trust.mi.com/misrc/updates
[7] Apple Support (2025): 'iOS 15.8.4 Sicherheitsupdate.' 31. März 2025.
[8] Google One (2025): 'Speicherpläne und Preise.' one.google.com/about/plans
[9] Bitkom (2025): 'Gamer geben monatlich knapp 30 Euro für Spiele aus.' September 2025.
[10] Bitkom Research (2025): 'Erstmals mehr als 40 Mrd. Euro Umsatz rund um Smartphones.' Februar 2025.