Im Apple A19 Pro arbeiten 19 Milliarden Transistoren auf einer Fläche von etwa 100 Quadratmillimetern. Das ist mehr Rechenleistung, als die gesamte Apollo-Mission zur Verfügung hatte, komprimiert auf die Größe eines Daumennagels. Ein modernes Smartphone vereint Dutzende Sensoren, bis zu fünf Kameras, ein Display mit über acht Millionen Pixeln und einen Akku, der Energie für einen ganzen Tag liefert. Diese Komplexität versteckt sich hinter eleganten Gehäusen und intuitiven Oberflächen.
Für eine fundierte Kaufentscheidung ist es hilfreich, die wichtigsten Komponenten zu verstehen. Nicht in allen technischen Details, aber gut genug, um Marketingversprechen einordnen zu können. Dieser Teil erklärt, was Prozessoren wirklich leisten, warum manche Displays besser sind als andere, was eine gute Kamera ausmacht und welche Akku-Technologien den Alltag verändern. Wer die Grundlagen kennt, kann Spezifikationen besser einordnen und trifft informiertere Entscheidungen.
Das Gehirn: Prozessoren und Chips
Der Prozessor, oft als System-on-Chip (SoC) bezeichnet, ist das Herzstück jedes Smartphones. Er vereint CPU (Rechenwerk), GPU (Grafik), NPU (für KI-Berechnungen), Modem und weitere Komponenten auf einem einzigen Chip. Die Wahl des Prozessors bestimmt maßgeblich die Leistung, Effizienz und auch die Funktionen eines Geräts. Ein schneller Chip allein garantiert jedoch keine gute Nutzererfahrung. Die Software-Optimierung spielt eine ebenso wichtige Rolle.
Qualcomm Snapdragon: Der Platzhirsch
Qualcomm dominiert den Android-Markt mit seiner Snapdragon-Serie. Laut Counterpoint Research steckt in über 30 Prozent aller Android-Flaggschiffe ein Snapdragon-Chip. Im Jahr 2025 setzt der Snapdragon 8 Elite (früher als Gen 4 bezeichnet) neue Maßstäbe. Erstmals verbaut Qualcomm CPU-Kerne mit eigener Architektur, die sogenannte Oryon-CPU der zweiten Generation. Diese Kerne stammen ursprünglich aus der Nuvia-Übernahme, einem Startup, das von ehemaligen Apple-Chip-Ingenieuren gegründet wurde.
Die Leistungssteigerung gegenüber dem Vorgänger ist beachtlich: Qualcomm gibt 45 Prozent mehr CPU-Performance und 40 Prozent mehr GPU-Leistung an. In Benchmarks erreicht der Snapdragon 8 Elite bis zu 3.155 Punkte im Geekbench-Single-Core-Test und etwa 2,7 Millionen Punkte im AnTuTu-Gesamtbenchmark. Diese Zahlen sind beeindruckend, aber für die meisten Nutzer wenig relevant. Wichtiger ist die Effizienz: Der neue Chip leistet mehr bei gleichem oder geringerem Stromverbrauch, was sich direkt auf die Akkulaufzeit auswirkt.
Unter dem Flaggschiff-Chip bietet Qualcomm die Snapdragon-7-Serie für die Mittelklasse und die Snapdragon-4-Serie für Einsteiger. Der Snapdragon 7 Gen 3 beispielsweise bietet etwa 40 Prozent der Flaggschiff-Leistung zu einem Bruchteil des Preises. Für die allermeisten Alltagsaufgaben, von Social Media über Streaming bis hin zu Office-Anwendungen, ist dieser Chip mehr als ausreichend. Die Unterschiede zum Flaggschiff werden erst bei anspruchsvollen Spielen oder professioneller Videobearbeitung spürbar.
MediaTek Dimensity: Der unterschätzte Herausforderer
MediaTek hat in den letzten Jahren massiv aufgeholt. Der taiwanische Hersteller lieferte laut DIGITIMES Research 2024 erstmals mehr Smartphone-Chips aus als Qualcomm: 37 Prozent Marktanteil gegenüber 27 Prozent auf Jahresbasis. Der Grund für diesen Erfolg liegt in der Kombination aus starken Mittelklasse-Chips zu günstigen Preisen und zunehmend konkurrenzfähigen Flaggschiff-Prozessoren. Besonders chinesische Hersteller wie Oppo, Vivo und Xiaomi setzen verstärkt auf MediaTek.
Der MediaTek Dimensity 9500 erreicht in Benchmarks Werte, die den Snapdragon 8 Elite übertreffen: über 4.000 Punkte im Geekbench-Single-Core. MediaTek setzt dabei auf die neuesten ARM-Kerne der Cortex-X-Serie und fertigt auf TSMCs modernstem 3-Nanometer-Prozess. Der Dimensity 9400, das Vorgängermodell, bietet eine Leistungssteigerung von 35 Prozent gegenüber der vorherigen Generation und nutzt die moderne Armv9.2-CPU-Architektur. Die Effizienz ist dabei vergleichbar mit Qualcomm.
Für preisbewusste Käufer ist MediaTek oft die bessere Wahl. Die Dimensity-7000er-Serie bietet Flaggschiff-nahe Leistung zu Mittelklasse-Preisen. Der Nachteil: MediaTek-Chips unterstützen manchmal bestimmte 5G-Bänder nicht, was in einigen Regionen zu Einschränkungen führen kann. In Europa und Nordamerika ist dies selten ein Problem, aber bei Reisen nach Asien oder in andere Regionen können Netzabdeckungslücken auftreten.
Apple Silicon: Die eigene Liga
Apple entwickelt seine Chips seit 2010 selbst und erzielt damit bemerkenswerte Ergebnisse. Der A19 Pro im iPhone 17 Pro erreicht im Geekbench-Single-Core-Test 3.895 Punkte und bleibt Spitzenreiter in dieser Disziplin. Apple gibt eine Steigerung von 14 Prozent bei der Single-Core- und 20 Prozent bei der Multi-Core-Leistung an. Die Single-Thread-Leistung, relevant für die gefühlte Schnelligkeit im Alltag, ist seit Jahren Apples Paradedisziplin. Kein Android-Chip erreicht hier vergleichbare Werte.
In Multi-Core-Tests und insbesondere im AnTuTu-Benchmark hat Qualcomm mit dem Snapdragon 8 Elite jedoch aufgeholt und Apple teils übertroffen. Apple kontert mit der Neural Engine für KI-Berechnungen, die für Funktionen wie Apple Intelligence optimiert ist. Diese NPU ermöglicht lokale Sprachmodelle, Bildgenerierung und intelligente Textverarbeitung direkt auf dem Gerät. Der direkte Vergleich zwischen Apple und Android-Chips ist schwierig, weil die Software unterschiedlich optimiert ist und iOS generell effizienter mit Ressourcen umgeht.
Samsung Exynos: Das Sorgenkind
Samsung verwendet in vielen Märkten eigene Exynos-Prozessoren, die gegenüber Snapdragon oft schlechter abschneiden. Der Exynos 2500, basierend auf Samsungs eigenem 3-Nanometer-GAA-Prozess (Gate-All-Around), debütierte im Juli 2025 im Galaxy Z Flip7. Samsung verspricht damit verbesserte Effizienz und geringere Wärmeentwicklung. Historisch kämpft Samsung jedoch mit Effizienzproblemen und Überhitzung bei den Exynos-Chips. Viele Käufer bevorzugen deshalb Snapdragon-Varianten der Samsung-Flaggschiffe, die in manchen Regionen wie Nordamerika angeboten werden.
Das Fenster zur Welt: Display-Technologien
Das Display ist die Komponente, mit der Nutzer am meisten interagieren. Technologie, Auflösung, Helligkeit und Bildwiederholrate bestimmen, wie Inhalte aussehen und wie angenehm die Nutzung ist. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Display-Typen sind erheblich und beeinflussen sowohl die Bildqualität als auch die Akkulaufzeit. Ein gutes Display macht den Unterschied zwischen einem angenehmen und einem frustrierenden Nutzungserlebnis.
Was unterscheidet OLED von LCD?
OLED-Displays (auch als AMOLED vermarktet) sind heute Standard in der Mittelklasse und darüber. Im Gegensatz zu LCD-Panels, die eine Hintergrundbeleuchtung benötigen, leuchtet bei OLED jedes Pixel selbst. Das ermöglicht echtes Schwarz (das Pixel ist einfach aus), höhere Kontrastverhältnisse von theoretisch unendlich zu eins und kräftigere Farben. Zudem sind OLED-Panels dünner und ermöglichen flexible Designs für faltbare Smartphones.
LCD-Displays finden sich noch in günstigen Einsteiger-Smartphones unter 200 Euro. Sie sind preiswerter in der Herstellung, bieten aber weniger Kontrast und Farbtiefe. Bei direkter Sonneneinstrahlung können gute LCDs manchmal besser lesbar sein, aber moderne OLEDs mit hoher Spitzenhelligkeit haben diesen Nachteil weitgehend ausgeglichen. Der Marktanteil von OLED überstieg laut Omdia 2024 erstmals 51 Prozent aller Smartphone-Displays, Tendenz steigend.
Wie funktioniert LTPO?
LTPO steht für Low-Temperature Polycrystalline Oxide, eine Transistor-Technologie, die dynamische Bildwiederholraten ermöglicht. Ein LTPO-Display kann seine Bildwiederholrate stufenlos von 1 Hz (für statische Inhalte wie eine Uhr im Always-On-Modus) bis 120 Hz oder 144 Hz (für schnelle Animationen und Gaming) anpassen. Das spart erheblich Strom, weil das Display nur so oft aktualisiert wird, wie es der Inhalt erfordert.
Laut Omdia überstiegen im zweiten Halbjahr 2025 die Auslieferungen von LTPO-AMOLED-Displays erstmals die von herkömmlichen LTPS-AMOLEDs. Der Marktanteil von LTPO erreichte im vierten Quartal 2025 etwa 59 Prozent. Für Always-On-Displays, die Uhrzeit und Benachrichtigungen permanent anzeigen, ist LTPO besonders vorteilhaft: Das Display kann bei 1 Hz laufen und verbraucht dabei nur minimal Strom. Apple hat mit der Einführung von LTPO in allen iPhone-17-Modellen maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen.
Bildwiederholrate: 60, 90, 120 Hz und mehr
Die Bildwiederholrate gibt an, wie oft das Display pro Sekunde neu gezeichnet wird. 60 Hz waren lange Standard, heute bieten selbst günstige Geräte oft 90 Hz, Flaggschiffe 120 Hz oder mehr. Der Unterschied ist beim Scrollen deutlich spürbar: Höhere Raten wirken flüssiger und angenehmer für das Auge. Studien zeigen, dass die meisten Menschen den Unterschied zwischen 60 und 120 Hz wahrnehmen können, während der Sprung auf 144 Hz nur noch von einem kleinen Teil der Nutzer bemerkt wird.
120 Hz sind für die meisten Nutzer der Sweet Spot. Höhere Raten wie 144 Hz bieten marginale Verbesserungen, die hauptsächlich für kompetitives Mobile-Gaming relevant sind. Wichtiger als die maximale Rate ist die adaptive Anpassung: Ein Display, das bei statischen Inhalten auf 60 oder sogar 10 Hz herunterschaltet, spart erheblich Akku. Genau hier zeigt sich der Vorteil von LTPO-Technologie gegenüber herkömmlichen Displays.
Helligkeit: Sichtbar bei Sonne
Die Helligkeit wird in Nits gemessen. Für gute Lesbarkeit bei direktem Sonnenlicht sind mindestens 1.000 Nits Spitzenhelligkeit empfehlenswert. Aktuelle Flaggschiffe erreichen 2.000 bis 3.000 Nits, das Huawei Mate 80 Pro Max sogar 8.000 Nits. Diese Extremwerte werden nur kurzzeitig für HDR-Inhalte bei kleinen Bildschirmbereichen erreicht, verbessern aber die Outdoor-Lesbarkeit erheblich. Im Alltag arbeiten die meisten Displays bei 300 bis 500 Nits.
Das Huawei Mate 80 Pro Max nutzt dafür eine innovative Dual-Layer-OLED-Technologie, bei der zwei OLED-Schichten übereinander liegen. Diese Konstruktion ermöglicht nicht nur die extreme Helligkeit, sondern auch bessere Kontraste und eine längere Lebensdauer der organischen Materialien. Ich erwarte, dass andere Hersteller diese Technologie in den kommenden Jahren übernehmen werden.
Das Auge: Kamera-Systeme
Die Kamera ist für viele Käufer das wichtigste Kriterium. Smartphone-Kameras haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht und ersetzen für die meisten Anwendungen dedizierte Kameras. Laut einer Studie von Counterpoint Research ist die Kameraqualität für 45 Prozent der Käufer der entscheidende Faktor beim Smartphone-Kauf. Die technischen Spezifikationen sind jedoch oft irreführend und werden von Herstellern geschickt für Marketingzwecke eingesetzt.
Wie wichtig sind Megapixel wirklich?
Die Megapixel-Angabe ist das am meisten überbewertete Kamera-Feature. Ein 12-Megapixel-Sensor mit großen Pixeln (wie in älteren Pixel-Phones) kann bessere Bilder produzieren als ein 200-Megapixel-Sensor mit winzigen Pixeln. Was wirklich zählt: die physische Größe des Sensors, die Lichtmenge pro Pixel und die Qualität der Optik und Software. Samsung bewirbt das Galaxy S25 Ultra mit 200 Megapixeln, doch im Alltag werden die Bilder auf 12 Megapixel heruntergerechnet.
Hohe Megapixel-Zahlen haben dennoch Vorteile: Sie ermöglichen verlustfreies Zuschneiden (digitaler Zoom) und können durch Pixel-Binning (Zusammenfassen mehrerer Pixel zu einem größeren) die Lichtausbeute verbessern. Ein 48-MP-Sensor, der 12-MP-Bilder ausgibt, kombiniert die Vorteile beider Welten: mehr Details bei gutem Licht durch volle Auflösung, bessere Low-Light-Performance durch Pixel-Binning. Dieses Verfahren nutzen mittlerweile fast alle Hersteller.
Was zählt mehr: Sensorgröße oder Blende?
Die Sensorgröße wird oft in Bruchteilen eines Zolls angegeben (z.B. 1/1.3 Zoll). Diese Angaben stammen aus der Zeit der Röhrenkameras und sind historisch bedingt. Größere Sensoren fangen mehr Licht ein und liefern bessere Ergebnisse bei schwacher Beleuchtung. Das iPhone 17 Pro Max nutzt einen 1/1.3-Zoll-Sensor, das Huawei Pura 80 Ultra einen vollwertigen 1-Zoll-Sensor, der rund doppelt so viel Fläche bietet.
Die Blende (f/1.8, f/2.0 etc.) gibt an, wie viel Licht das Objektiv einlässt. Kleinere Zahlen bedeuten mehr Licht und geringere Tiefenschärfe. f/1.5 ist lichtstärker als f/2.4 und ermöglicht bessere Nachtaufnahmen. Variable Blenden, wie beim Samsung Galaxy S25 Ultra mit f/1.7 bis f/2.4, können sich der Lichtsituation anpassen, sind aber mechanisch komplex und anfälliger für Defekte. Laut GSMArena nutzen 2025 nur noch fünf Flaggschiff-Modelle variable Blenden, da der Mehrwert den Aufwand oft nicht rechtfertigt. Für die meisten Nutzer ist eine feste, aber lichtstarke Blende von f/1.7 oder f/1.8 die bessere Wahl.
Fallstudie: Das Kamerasystem des Huawei Pura 80 Ultra
Das Huawei Pura 80 Ultra demonstriert, wohin die Entwicklung geht. Der Hauptsensor misst einen vollen Zoll und nutzt einen speziellen RYYB-Sensor (Rot-Gelb-Gelb-Blau statt RGB), der laut Huawei 40 Prozent mehr Licht einfängt. Die Hauptkamera bietet zudem eine variable Blende von f/1.6 bis f/4.0, die sich automatisch an die Lichtverhältnisse anpasst. Besonders bemerkenswert ist das Teleobjektiv-System: Zwei Periskop-Linsen teilen sich einen 1/1.28-Zoll-Sensor und ermöglichen optische Zoomstufen bei 3,7-fach und 10-fach.
Dieses System zeigt, dass reine Megapixel-Zahlen wenig aussagen. Die Kombination aus großem Sensor, innovativer Farbfilteranordnung und fortschrittlicher Optik ergibt bessere Ergebnisse als Konkurrenten mit höherer Auflösung, aber kleineren Sensoren. DxOMark bestätigt dies: Das Pura 80 Ultra gehört zu den Top-3 der Smartphone-Kameras 2025. Die Grenzen zeigen sich allerdings in der Softwareintegration: Ohne Google-Dienste fehlen Cloud-Backup und einige KI-Funktionen, die Konkurrenten bieten.
Computational Photography: Software macht den Unterschied
Die eigentliche Revolution der Smartphone-Fotografie ist softwarebasiert. KI-gestützte Bildverarbeitung verbessert Farben, Schärfe und Dynamikumfang in Millisekunden. HDR-Algorithmen kombinieren mehrere Belichtungen zu einem Bild mit Details in Lichtern und Schatten. Nachtmodi ermöglichen Aufnahmen, die mit bloßem Auge kaum sichtbar wären, indem sie Dutzende von Bildern intelligent zusammenfügen.
Google Pixel-Phones gelten als Referenz für Computational Photography. Trotz vergleichsweise kleiner Sensoren liefern sie dank überlegener Software oft die besten Ergebnisse, besonders bei Porträts und Nacht-aufnahmen. Googles Magic Eraser entfernt störende Objekte, Best Take kombiniert Gesichtsausdrücke aus mehreren Aufnahmen. Apple setzt auf die Integration von Hardware und Software mit dem Photonic Engine, Samsung auf vielseitige Hardware mit verbesserter Software-Nachbearbeitung.
DxOMark-Rankings: Orientierung mit Einschränkungen
DxOMark testet Smartphone-Kameras systematisch und vergibt Punktzahlen. Stand Ende 2025 führt das Huawei Pura 80 Ultra die Rankings an, gefolgt von Oppo Find X8 Ultra und Vivo X200 Ultra. Das iPhone 17 Pro Max, Samsung Galaxy S25 Ultra und Google Pixel 10 Pro XL folgen dicht dahinter. Seit Juli 2025 nutzt DxOMark die Version 6 der Testmethodik, die stärker auf reale Nutzungsszenarien fokussiert und weniger auf Laborbedingungen.
Diese Rankings sind hilfreich, aber nicht unumstritten. DxO Labs bietet auch Consulting für Kamerahersteller an, was potenzielle Interessenkonflikte aufwirft. Die Testmethodik ist robust, aber die Punktzahlen sollten als Orientierung, nicht als absolute Wahrheit verstanden werden. Subjektive Präferenzen bei Farben und Bildverarbeitung spielen ebenfalls eine Rolle. Manche Nutzer bevorzugen die natürlichen Farben von Pixel, andere die kräftigeren Töne von Samsung.
Die Ausdauer: Akkus und Ladetechnik
Der Akku ist oft der limitierende Faktor. Ein leistungsstarkes Smartphone nützt wenig, wenn es nachmittags leer ist. Die Akku-Technologie hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, sowohl bei Kapazität als auch bei Ladegeschwindigkeit. Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch durch größere Displays, 5G-Modems und KI-Funktionen. Die Hersteller müssen diese Balance ständig neu austarieren.
Warum halten moderne Akkus länger?
Die wichtigste Innovation seit Jahren sind Silizium-Kohlenstoff-Akkus (Si-C). Bei dieser Technologie besteht die Anode aus einer Mischung von Silizium und Kohlenstoff statt aus reinem Graphit. Laut CATL, dem weltweit größten Batteriehersteller, ermöglicht dies eine um 20 bis 40 Prozent höhere Energiedichte bei gleichem Bauraum. Silizium kann deutlich mehr Lithium-Ionen speichern als Graphit, dehnt sich dabei aber stark aus, weshalb die Kohlenstoff-Matrix für Stabilität sorgt.
Konkret bedeutet das: Smartphones mit 6.000 bis 7.000 mAh Kapazität, ohne dicker zu werden. Das OnePlus Ace 3 Pro bietet beispielsweise 6.100 mAh in einem 8,5 mm dünnen Gehäuse. OnePlus entwickelte diesen Akku in Partnerschaft mit CATL und nennt ihn Glacier Battery. Das Xiaomi 15 Ultra bietet 6.000 mAh in China und 5.410 mAh in der globalen Version, wo strengere Transportvorschriften gelten. Bisher waren 5.000 mAh in Flaggschiffen das Maximum.
Zusätzlicher Vorteil: längere Lebensdauer. Laut Android Authority behalten Si-C-Akkus 80 Prozent ihrer Kapazität über 1.000 bis 1.600 Ladezyklen, herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus erreichen diesen Punkt schon nach 500 bis 800 Zyklen. Das bedeutet: Bei täglichem Laden hält ein Si-C-Akku drei bis vier Jahre, ein konventioneller nur eineinhalb bis zwei Jahre. Auch die Kälteresistenz ist besser: Bei minus 20 Grad bleiben 85 Prozent der Kapazität erhalten, bei herkömmlichen Akkus oft nur 50 Prozent.
Fallstudie: Die Glacier Battery des OnePlus Ace 3 Pro
Das OnePlus Ace 3 Pro war im Juli 2024 eines der ersten Smartphones mit Silizium-Kohlenstoff-Akku. Die in Partnerschaft mit CATL entwickelte Glacier Battery bietet 6.100 mAh bei nur 8,5 mm Gehäusedicke. Laut OnePlus erreicht der Akku eine Energiedichte von 763 Wh/L, was etwa 23 Prozent über herkömmlichen Lithium-Polymer-Akkus liegt. Die Bezeichnung Glacier verweist auf die verbesserte Wärmeableitung: Der Akku bleibt beim Laden kühler als konventionelle Zellen.
OnePlus kombiniert die große Kapazität mit 100-Watt-Schnellladen. Laut GSMArena erreicht das Ace 3 Pro in 27 Minuten eine volle Ladung. Besonders bemerkenswert ist die Langlebigkeit: OnePlus garantiert 80 Prozent Kapazität nach 1.600 Ladezyklen, was bei täglichem Laden über vier Jahren entspricht. Dieses Beispiel zeigt, dass Silizium-Kohlenstoff-Akkus nicht nur mehr Kapazität bieten, sondern auch die Lebensdauer und Ladegeschwindigkeit verbessern. Ich erwarte, dass diese Technologie 2025 in allen Preisklassen ankommt.
Schnellladen: Von 0 auf 80 in 20 Minuten
Die Ladegeschwindigkeiten sind explodiert. Chinesische Hersteller bieten 100 bis 240 Watt, mit denen ein leerer Akku in unter 20 Minuten voll ist. Das Honor Magic 7 Pro lädt mit 100 Watt kabelgebunden, das OnePlus Ace 3 Pro ebenfalls. Realme und Xiaomi gehen noch weiter und bieten bis zu 240 Watt. Samsung und Apple sind konservativer mit maximal 45 respektive 40 Watt beim iPhone 17. Diese Zurückhaltung hat Gründe: Langlebigkeit des Akkus und Sicherheitsbedenken.
Schnellladen hat Nachteile: höhere Wärmeentwicklung und potenziell schnellere Alterung des Akkus. Die Hersteller begrenzen daher die Schnellladeleistung bei hohem Ladestand und hohen Temperaturen. Von 80 auf 100 Prozent wird deutlich langsamer geladen als von 0 auf 80 Prozent. Experten empfehlen, den Akku zwischen 20 und 80 Prozent zu halten, um die Lebensdauer zu maximieren. Viele Smartphones bieten dafür einen Schutzlademodus, der das Laden bei 80 Prozent pausiert.
Kabelloses Laden
Der Qi-Standard ermöglicht kabelloses Laden mit bis zu 15 Watt bei den meisten Geräten. Der neue Qi2-Standard, den Apple mit dem iPhone 17 unterstützt, erreicht 25 Watt und nutzt Magnete für präzise Ausrichtung. Proprietäre Lösungen sind schneller: Xiaomis HyperCharge erreicht 80 Watt kabellos, was einem leeren Akku in unter 30 Minuten eine volle Ladung beschert. Laut Wireless Power Consortium unterstützen Ende 2025 über 2.500 Geräte den Qi2-Standard, ein Anstieg von 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Praktisch ist kabelloses Laden vor allem für nächtliches Laden oder Zwischenladen am Arbeitsplatz.
Die Effizienz ist geringer als beim Kabelladen, etwa 10 bis 20 Prozent der Energie gehen als Wärme verloren. Das macht kabelloses Laden etwas umweltschädlicher und kann bei hohen Leistungen zur Erwärmung des Smartphones führen. Reverse Wireless Charging, bei dem das Smartphone andere Geräte wie Kopfhörer oder Smartwatches lädt, hat sich als Nischenfunktion etabliert. Die Leistung beträgt meist nur 5 bis 15 Watt.
Ausblick
Wer die technischen Grundlagen versteht, kann Spezifikationen einordnen und Marketingversprechen hinterfragen. Nicht jede große Zahl bedeutet ein besseres Gerät. Ein Smartphone mit 200 Megapixeln, 16 GB RAM und 8.000-Nits-Display ist nicht automatisch besser als eines mit moderateren Spezifikationen, aber durchdachter Abstimmung. Die wichtigste Erkenntnis: Hardware-Spezifikationen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Ich halte die Entwicklung bei Silizium-Kohlenstoff-Akkus für den bedeutendsten Fortschritt der letzten Jahre. Diese Technologie löst eines der hartnäckigsten Probleme der Smartphone-Nutzung: die begrenzte Akkulaufzeit. Gartner prognostiziert, dass bis 2027 über 80 Prozent aller Flaggschiff-Smartphones Si-C-Akkus nutzen werden. Bei Displays wird LTPO zum Standard, während OLED LCD endgültig verdrängt. Bei Prozessoren erwarte ich eine zunehmende Spezialisierung auf KI-Aufgaben.
Wer heute ein Smartphone kauft, sollte nicht den Spezifikationen mit den höchsten Zahlen nachjagen. Wichtiger ist die Frage: Welche Funktionen nutze ich tatsächlich? Für Gelegenheitsfotografen reicht ein Mittelklasse-Chip, für Vielreisende ist ein großer Akku entscheidend, für Gamer zählt die GPU-Leistung. Der nächste Teil dieser Serie bringt die Theorie in die Praxis. Er zeigt, welches Smartphone für welchen Zweck am besten geeignet ist, gibt konkrete Empfehlungen für verschiedene Nutzerprofile und erklärt, wie man das beste Preis-Leistungs-Verhältnis findet.
Weiter mit Teil 3: Praxis: Das richtige Smartphone finden.
Quellenverzeichnis
[1] Qualcomm (2024/2025): 'Snapdragon 8 Elite Platform.' Technische Spezifikationen und Pressemitteilungen zur Oryon-CPU.
[2] DIGITIMES Research (2025): 'Global Smartphone AP Market Share 2024.' Jahresdaten zum Marktanteil von MediaTek und Qualcomm.
[3] Counterpoint Research (2025): 'Global Smartphone SoC Market Q1 2025.' Quartalsdaten und Analystenkommentare.
[4] DxOMark (2025): 'The best smartphone cameras 2025.' Testberichte, Rankings und Camera v6 Protokoll (Juli 2025).
[5] Omdia / OLED-Info (2025): 'LTPO AMOLED Display Market Share Q3-Q4 2025.' Marktprognosen und Technologieanalyse.
[6] Notebookcheck (2025): 'Qualcomm Snapdragon 8 Elite Processor Benchmarks.' Unabhängige Benchmark-Tests.
[7] GSMArena (2025): Gerätespezifikationen iPhone 17 Pro Max, Xiaomi 15 Ultra, Huawei Pura 80 Ultra, OnePlus Ace 3 Pro.
[8] MediaTek (2025): 'Dimensity 9500 Launch Event.' Technische Spezifikationen und Benchmark-Daten (September 2025).
[9] Apple (2025): 'iPhone 17 Pro Technical Specifications.' A19 Pro Chip-Details und Neural Engine.
[10] Android Authority (2025): 'Silicon-carbon batteries explained.' Technische Hintergründe, Zyklenzahlen und Herstellerangaben.
[11] Gartner (2025): 'Smartphone Technology Forecast 2025-2027.' Prognosen zu Akku- und Display-Technologien.
[12] CATL (2025): 'Silicon-Carbon Anode Technology Whitepaper.' Technische Details zur Silizium-Kohlenstoff-Batterietechnologie.
[13] OnePlus (2024): 'Glacier Battery Technology.' Pressemitteilung und technische Spezifikationen zur Si-C-Akku-Partnerschaft mit CATL.
[14] Wireless Power Consortium (2025): 'Qi2 Certified Products Database.' Statistiken zur Qi2-Adoption und Gerätezertifizierungen.