Depot eröffnen und Sparplan einrichten

Laura sitzt auf der Couch, Smartphone in der Hand. Sie hat sich in den letzten Wochen durch Vergleichsportale gelesen, mit Freunden gesprochen und diverse ETF-Rechner ausprobiert, um ein Gefühl für Beträge und Renditeerwartungen zu bekommen. Jetzt will sie loslegen. Sie öffnet die App von Trade Republic, tippt auf „Depot eröffnen”, hält ihren Personalausweis vor die Kamera. Zwölf Minuten später ist alles erledigt: Video-Ident bestätigt, Referenzkonto verknüpft, Steuer-ID hinterlegt. Schneller als eine Pizzabestellung.

Der schwierigste Schritt auf dem Weg zur Geldanlage ist der erste. Nicht weil er kompliziert wäre, sondern weil er sich so anfühlt. Tatsächlich ist ein Wertpapierkonto heute in wenigen Minuten eröffnet und ein automatischer Kauf in unter einer Minute eingerichtet, sodass die technische Seite kein ernsthaftes Hindernis mehr darstellt. Was bleibt, sind Fragen: Welcher Broker passt zu mir? Was kostet das Ganze? Und was kann ich falsch machen?

Welcher Broker passt zu welchem Anlegertyp?

Drei Kategorien von Anbietern dominieren den deutschen Markt: Neobroker, Direktbanken und Filialbanken, und sie unterscheiden sich vor allem in Kosten, Funktionsumfang und Serviceniveau. Für automatisierte ETF-Käufe ist die Wahl weniger kritisch als viele denken, weil die Gebühren bei fast allen großen Plattformen inzwischen bei null liegen. Wirklich bemerkbar machen sich die Unterschiede erst bei Einzelorders, bei der Verzinsung ungenutzten Guthabens und bei der Frage, ob man alle Bankgeschäfte unter einem Dach haben möchte. Ein genauer Blick auf die drei Kategorien lohnt sich trotzdem.

Was bieten Neobroker für ETF-Anleger?

Trade Republic und Scalable Capital sind die bekanntesten Neobroker in Deutschland, und beide haben die Gebühren für automatisierte Käufe komplett gestrichen. Die Apps sind übersichtlich, die Kontoeröffnung dauert Minuten. Bei ausschließlich automatisierten Monatsinvestitionen fallen bei beiden keinerlei Ordergebühren an, was den Einstieg besonders für Anfänger attraktiv macht.

Trade Republic berechnet für Einzelorders pauschal einen einzigen Betrag, verzinst ungenutztes Guthaben mit 2,0 % und listet rund 2.500 ETFs. Scalable Capital bietet zwei Modelle: Im Basistarif kostet eine Einzelorder 0,99, im Prime-Tarif für monatlich 3,99 sind unbegrenzt viele Orders inklusive, was für aktive Anleger interessant sein kann, die neben dem automatischen Kauf auch gezielt einzelne Positionen aufbauen wollen. Auf dem Tagesgeld gibt es 2,5 % ohne Obergrenze. Beide haben ihre Stärken, und die Wahl zwischen ihnen hängt davon ab, ob man eher Wert auf verzinstes Guthaben oder auf einen günstigen Vieltrader-Tarif legt.

Beide nutzen einen einzigen Handelsplatz: Trade Republic die LS Exchange, Scalable Capital gettex (im Prime-Tarif auch Xetra für 3,99 pro Order). Für automatisierte Käufe spielt das keine Rolle, weil die Ausführung zum Referenzkurs erfolgt.

Lohnt sich eine Direktbank als Depotbank?

Die ING ist die größte Direktbank Deutschlands und bietet neben dem Wertpapierkonto auch Girokonto, Tagesgeld und Kreditkarte aus einer Hand, was sie für Kunden interessant macht, die möglichst wenige Bankverbindungen verwalten wollen. Automatisierte ETF-Käufe sind kostenlos. Einzelorders kosten 4,90 plus 0,25 % des Ordervolumens (maximal 69,90), was deutlich über dem Niveau der Neobroker liegt, für regelmäßige Automatik-Käufer aber irrelevant bleibt.

Die Consorsbank bietet ein ähnliches Modell: kostenlose automatisierte Indexfonds-Käufe, höhere Einzelordergebühren, dafür eine breite Palette an Bankdienstleistungen. Die DKB hat ihr Preismodell 2024 umgestellt und verlangt für Wertpapierkonto und Girokonto eine Kombination, die je nach Nutzung günstiger oder teurer ausfallen kann. Sparer, die alles unter einem Dach bevorzugen und die Bank nicht nur für die Geldanlage nutzen möchten, sind bei einer Direktbank gut aufgehoben.

Warum Filialbanken für ETF-Anleger selten taugen

Sparkassen und Volksbanken verlangen für automatisierte ETF-Käufe in der Filiale typischerweise 2,5 % pro Ausführung (der Online-Ableger S-Broker liegt bei 1,25 %). Bei einer monatlichen Investition von 200 sind das fünf pro Monat und 60 im Jahr, was sich in zehn Jahren auf stolze 600 summiert, die nicht im Markt arbeiten. Die persönliche Beratung in der Filiale klingt beruhigend, doch Bankberater verkaufen bevorzugt hauseigene Produkte mit hohen Verwaltungsgebühren. Für ETF-Anleger lohnt sich das nach meiner Einschätzung nicht.

Welcher Anbietertyp passt zu welchem Bedarf?

Die Tabelle zeigt das Bild klar: Für reine automatisierte Indexfonds-Käufe sind Neobroker und Direktbanken gleichauf bei den Kosten, und die Unterschiede zeigen sich erst im Gesamtpaket drumherum. Für ein reines Wertpapierkonto fährt man mit einem Neobroker am günstigsten. Bei Bedarf an Girokonto, Anlage und Tagesgeld aus einer Hand lohnt sich die Direktbank.

Wie läuft die Kontoeröffnung konkret ab?

Ein Wertpapierkonto zu eröffnen funktioniert bei allen Brokern nach dem gleichen Prinzip, egal ob Neobroker, Direktbank oder Filialbank mit Online-Zugang. Die technischen Details unterscheiden sich, der Ablauf ist identisch: Fünf Schritte, zehn bis zwanzig Minuten, ein Personalausweis. Mit griffbereiten Unterlagen lässt sich der gesamte Vorgang am Smartphone erledigen, ohne jemals einen Briefumschlag anfassen zu müssen. Das war vor zehn Jahren noch anders, als Formulare per Post verschickt und per Hand unterschrieben werden mussten. Heute genügt ein Finger auf dem Bildschirm.

Wie funktioniert die Identitätsprüfung?

Jeder Finanzdienstleister ist gesetzlich verpflichtet, die Identität seiner Kunden zu prüfen, und dafür stehen inzwischen drei Verfahren zur Auswahl. Video-Ident geht am schnellsten: Personalausweis vor die Smartphone-Kamera halten, kurzes Videogespräch mit einem Mitarbeiter oder automatisierte Bilderkennung, fertig in fünf Minuten. PostIdent erfordert einen Gang zur Postfiliale mit Personalausweis und dauert einen bis drei Werktage. Seit 2023 bieten einige Depotbanken auch die eID-Funktion des Personalausweises an (die NFC-Variante), sofern diese aktiviert ist.

Laura hat Video-Ident gewählt. Smartphone-Kamera auf den Ausweis, Gesicht in die Kamera, automatische Erkennung. Kein Mensch am anderen Ende, keine Warteschlange. Die Bestätigung kam nach drei Minuten. Damit war der aufwendigste Teil der Kontoeröffnung bereits erledigt, und der Rest ging noch schneller.

Wozu braucht man ein Verrechnungskonto?

Das Referenzkonto ist das bestehende Girokonto, von dem aus Geld auf das Wertpapierkonto überwiesen wird, und bei Auszahlungen fließt es dorthin zurück. Fast alle Plattformen akzeptieren jedes deutsche Girokonto als Referenzkonto, und Änderungen sind jederzeit möglich, dauern aber einige Tage wegen der Sicherheitsprüfung.

Das Verrechnungskonto wird automatisch von der Plattform angelegt und dient als Zwischenstation: Geld fließt vom Girokonto auf das Verrechnungskonto und von dort in den Indexfonds-Kauf. Dividenden und Verkaufserlöse landen ebenfalls hier. Bei Trade Republic ist das Verrechnungskonto gleichzeitig das verzinste Tagesgeldkonto, was den Geldfluss zwischen Anlage und Rücklage vereinfacht.

Welche steuerlichen Angaben werden bei der Eröffnung abgefragt?

Im Eröffnungsantrag wird die Steueridentifikationsnummer abgefragt, die jeder in Deutschland gemeldete Mensch besitzt und die auf dem letzten Steuerbescheid steht oder sich über das Bundeszentralamt für Steuern erfragen lässt. Die Plattform meldet Kapitalerträge automatisch ans Finanzamt.

Sofort nach der Kontoeröffnung sollte der Freistellungsauftrag eingerichtet werden. Ohne ihn führt die Depotbank ab dem ersten Gewinn 26,375 % Kapitalertragsteuer ab, zusammengesetzt aus 25 % Abgeltungsteuer und dem Solidaritätszuschlag. Der Pauschbetrag für Sparer liegt 2026 bei 1.000 für Alleinstehende und 2.000 für Paare mit gemeinsamer Veranlagung. Bis zu dieser Grenze bleiben Kapitalerträge steuerfrei. Ohne rechtzeitigen Freistellungsauftrag lässt sich die zu viel gezahlte Steuer über die Steuererklärung zurückholen, aber das dauert Monate.

Für ETFs mit US-Aktien (wie den MSCI World) ist das W-8BEN-Formular relevant, weil es die US-Quellensteuer auf Dividenden von 30 auf 15 % reduziert. Bei den meisten deutschen Brokern wird dieses Formular automatisch ausgefüllt und eingereicht. Kein eigener Aufwand nötig.

Den ersten automatischen Kauf einrichten

Das Konto steht. Jetzt kommt der Moment, auf den alles hinausläuft: den ersten automatischen Kauf anlegen. Bei den meisten Plattformen sind es vier Klicks.

Wie findet man den richtigen ETF in der App?

Im Suchfeld der App die ISIN oder WKN eingeben. Für den Vanguard FTSE All-World (thesaurierend) ist das A2PKXG. Leser, die sich in Teil 2 für einen anderen Indexfonds entschieden haben, nehmen dessen Kennnummer. Die App zeigt den ETF mit Name, aktuellem Kurs und Factsheet an. Ein Tipp auf „Sparplan erstellen” öffnet die Konfiguration.

Wie hoch sollte die monatliche Rate sein?

Die Sparrate ist der Betrag, der monatlich automatisch investiert wird, und die Mindestrate liegt bei den meisten Brokern bei einem einzigen Stück, oft sogar schon ab einem Cent. Praktisch relevant sind Summen ab 25 aufwärts. Entscheidend ist: Die Rate muss sich gut anfühlen. Lieber mit 50 starten und nach drei Monaten auf 100 erhöhen, als mit 300 beginnen und nach dem ersten Kursrückgang panisch stoppen.

Laura entscheidet sich für 150 pro Monat, was knapp einem Zwanzigstel ihres Nettogehalts entspricht. Genug, um einen Unterschied zu machen, wenig genug, um nicht zu fehlen. Dynamische Anpassung ist bei jeder Plattform möglich: Gehaltserhöhung bekommen, Rate um 25 erhöhen. Kein neuer Vertrag, kein Formular, zwei Klicks.

Spielt der Ausführungstag eine Rolle?

Die meisten Plattformen bieten den 1. oder 15. des Monats als Ausführungstag an, einige auch weitere Termine. Manche Anleger grübeln tagelang über den optimalen Zeitpunkt. Die ehrliche Antwort: Es ist egal. Über 20 oder 30 Jahre gleichen sich Kursunterschiede zwischen dem 1. und dem 15. vollständig aus, weil die Schwankungen in beide Richtungen gehen und sich gegenseitig aufheben. Sinnvoll ist es, den Ausführungstag auf einen Termin kurz nach dem Gehaltseingang zu legen, damit das Geld auf dem Verrechnungskonto verfügbar ist.

Neben monatlicher Ausführung bieten viele Plattformen auch zweiwöchentliche oder quartalsweise Varianten an. Monatlich ist der Standard und für die meisten Anleger am sinnvollsten. Bei sehr kleinen Beträgen (unter 25 im Monat) kann eine quartalsweise Ausführung sinnvoller sein, um Kleinstbeträge zu vermeiden.

Mehrere automatische Käufe gleichzeitig

Bei Aufteilung auf zwei ETFs (etwa 70 % MSCI World und 30 % Emerging Markets) richtet man einfach zwei separate Automatik-Käufe ein, die jeweils unabhängig voneinander laufen. Pausieren, ändern oder löschen geht einzeln, ohne den anderen zu beeinflussen. Mehr als zwei bis drei Indexfonds im Bestand sind für Einsteiger unnötig, wie in Teil 2 ausführlich beschrieben.

Was kostet Investieren wirklich?

Die offensichtlichen Kosten sind geklärt: Automatische Käufe kostenlos bei Neobrokern und Direktbanken, ein einzelner Betrag bei Trade Republic für manuelle Orders. Doch die wahren Kosten des Investierens stecken woanders, und sie fallen vielen Sparern erst nach Jahren auf.

Wie viel kostet ein ETF laufend?

Die Total Expense Ratio (TER) ist die jährliche Verwaltungsgebühr des ETFs, und sie wird täglich anteilig dem Fondsvermögen entnommen, ohne dass der Anleger aktiv etwas bezahlen muss. Für den Vanguard FTSE All-World beträgt sie 0,19 %, für den iShares Core MSCI World 0,20 % und für den SPDR MSCI ACWI IMI sogar nur 0,17 %. Bei einem Wertpapiervermögen von 10.000 und einer TER von 0,20 % sind das gerade einmal 20 im Jahr. Kaum spürbar. Aber über Jahrzehnte summiert es sich, weshalb die TER bei der ETF-Auswahl trotzdem eine Rolle spielt.

Meiner Meinung nach ist der Kostenunterschied zwischen den Neobrokern so gering, dass die Entscheidung am Ende eine Geschmacksfrage ist. Ob Trade Republic oder Scalable Capital: Beide taugen für langfristigen Vermögensaufbau per automatischem Kauf.

Was macht der Gebührenunterschied langfristig aus?

Ein konkretes Rechenbeispiel verdeutlicht den Unterschied: 200 monatlich über zehn Jahre als automatische Investition. Am Neobroker fallen null Gebühren pro Ausführung an. Bei der Sparkasse dagegen 2,5 %, was bei einer Monatsrate von 200 genau fünf pro Ausführung ergibt. Das sind 60 im Jahr und 600 in einem Jahrzehnt, die nicht im Markt arbeiten. Und es kommt noch schlimmer: Die verlorenen 600 hätten bei sieben Prozent Rendite selbst Erträge erwirtschaftet, sodass der reale Verlust noch höher liegt als die reine Gebührensumme.

Der teuerste Fehler: gar nicht investieren

Der teuerste Fehler ist nicht die falsche Plattform. Es ist das Nichtinvestieren. Ein Vergleich macht das deutlich: 200 monatlich über 20 Jahre auf einem Tagesgeldkonto mit 2 % Zinsen ergibt rund 58.800 an Endvermögen. Die gleiche Summe in einem breit gestreuten Aktien-ETF mit historisch durchschnittlichen 8 % jährlicher Rendite ergibt dagegen rund 118.000, wovon 48.000 eingezahltes Kapital und 70.000 reine Rendite sind.

Die Differenz zwischen Tagesgeld und ETF beträgt rund 59.000. Das ist der Preis des Abwartens. Natürlich schwanken Aktienmärkte, natürlich gibt es keine Garantie auf exakt 8 %. Aber die historischen Daten seit 1970 zeigen: Wer mindestens 15 Jahre in den MSCI World investiert blieb, hat in keinem einzigen Zeitraum Geld verloren. Das halte ich für ein starkes Argument.

Welche Fehler machen Einsteiger am häufigsten?

Die Technik ist einfach, die Psychologie ist es nicht. Die meisten Fehler passieren nicht während der Einrichtung des automatischen Kaufs, sondern in den Wochen und Monaten danach, wenn die Kurse zum ersten Mal fallen und das eigene Konto plötzlich im Minus steht. Einige davon wiederholen sich so zuverlässig, dass sie fast zum Standardprogramm gehören.

Market Timing: Warten auf den perfekten Einstieg

Der häufigste Anfängerfehler. Der Markt steht gerade hoch, also lieber warten, bis er fällt. Dann fällt er, aber vielleicht fällt er noch weiter? Und wenn er wieder steigt, war der Einstieg verpasst. Studien der Universität Michigan zeigen: Investoren, die zwischen 1993 und 2023 die zehn besten Börsentage verpassten, halbierten ihre Rendite nahezu. Die zehn besten Tage in 30 Jahren, und niemand kann im Voraus wissen, wann sie kommen. Ein automatischer Kauf umgeht dieses Problem elegant, weil er Monat für Monat investiert, unabhängig vom Kurs.

Zu viele Indexfonds im Bestand

Drei, vier, fünf verschiedene ETFs, weil jeder Blogbeitrag einen anderen empfiehlt. Das Ergebnis: Überlappungen ohne Ende, die weder die Streuung verbessern noch die Rendite steigern, sondern nur die Übersicht verschlechtern. Mit einem MSCI World und einem S&P 500 im Bestand sind die US-Aktien doppelt gewichtet. Kommt dann noch ein Technologie-ETF dazu, stecken Apple und Microsoft dreifach im Portfolio. Ein einziger breit gestreuter Indexfonds reicht für den Anfang. Komplexität bringt keine Mehrrendite.

Tägliches Kursschauen

Die Wertentwicklung täglich zu prüfen führt zu emotionalen Entscheidungen, und dieses Verhalten zählt zu den häufigsten Gründen, warum Anleger ihre Strategie vorzeitig aufgeben. Ein Minus von drei Prozent fühlt sich dramatisch an, obwohl es im Jahresverlauf völlig normal ist. Verhaltensökonomen sprechen von Verlustaversion: Verluste schmerzen etwa doppelt so stark wie gleich hohe Gewinne erfreuen. Tägliches Studieren der Zahlen im Konto setzt diesem psychologischen Druck unnötig aus. Die pragmatische Lösung: Einmal im Quartal den Stand prüfen, sonst den automatischen Kauf arbeiten lassen.

Automatischen Kauf im Crash stoppen

Im März 2020 verloren die Märkte innerhalb von vier Wochen über 30 %, und viele Anleger stoppten panisch ihre automatischen Käufe oder verkauften sogar ihre gesamten Bestände. Anleger, die genau das Gegenteil taten und durchhielten, kauften im Crash günstig ein und profitierten von der anschließenden Erholung. Im August 2020, fünf Monate später, standen die Kurse wieder auf Vorkrisenniveau. Den automatischen Kauf gerade dann zu stoppen, wenn die Kurse niedrig sind, ist der teuerste Fehler, den man machen kann, weil man ausgerechnet die günstigsten Einstiegskurse verpasst.

Freistellungsauftrag vergessen

Ohne Freistellungsauftrag zieht der Broker ab dem ersten Gewinn Steuern ab, egal ob der Betrag groß oder winzig ist. Bei thesaurierenden ETFs betrifft das die Vorabpauschale, die automatisch Anfang Januar berechnet wird, bei ausschüttenden ETFs jede einzelne Dividendenzahlung. Der Freistellungsauftrag lässt sich in zwei Minuten online einrichten. Bei mehreren Konten muss der Freibetrag von 1.000 auf die verschiedenen Plattformen aufgeteilt werden, damit die Summe stimmt.

Geld investieren, das kurzfristig gebraucht wird

Ein automatischer ETF-Kauf ist eine langfristige Anlage, und wer das vergisst, zahlt im schlimmsten Fall mit realen Verlusten dafür. Geld, das in den nächsten drei bis fünf Jahren gebraucht wird (Umzug, Auto, Hochzeit), gehört nicht in Aktien-ETFs, weil kurzfristige Kursverluste von 20 oder 30 % jederzeit möglich sind und der Verkaufszeitpunkt dann ungünstig liegt. Die Notfallrücklage von drei bis sechs Monatsgehältern gehört aufs Tagesgeldkonto, nicht in Aktien.

Fazit

Ein Wertpapierkonto eröffnen dauert Minuten. Einen automatischen Kauf einrichten Sekunden. Die technischen Hürden, die viele Menschen vom Investieren abhalten, existieren schlicht nicht mehr, und wer sich einmal durch die Kontoeröffnung geklickt hat, wird sich fragen, warum er so lange gezögert hat.

Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital haben die Kosten auf null gedrückt, und Direktbanken wie die ING bieten das gleiche für automatisierte Käufe. Selbst Filialbanken haben kostenlose Online-Konten im Angebot, auch wenn ihre Berater ungern darauf hinweisen. Wer 200 im Monat über 20 Jahre in einen breit gestreuten Indexfonds investiert, kann bei historischer Durchschnittsrendite mit rund 120.000 an Endvermögen rechnen. Auf dem Tagesgeldkonto wären es knapp 59.000.

Laura hat ihren automatischen Kauf eingerichtet: 150 im Monat in den Vanguard FTSE All-World. Kein Hexenwerk, keine Gebühren, kein Bankberater nötig. Der erste Kauf wird am 1. Mai ausgeführt, und bis dahin hat sie nichts weiter zu tun. Das ist nach meiner Erfahrung der größte Vorteil eines solchen Automatismus: Er nimmt die Entscheidung aus dem Alltag heraus und verwandelt den Vermögensaufbau in einen Hintergrundprozess, der ohne weiteres Zutun läuft. Im nächsten Teil geht es um ein Thema, das viele Anleger nervös macht: Steuern. Was das Finanzamt von ETF-Erträgen will und warum es weniger kompliziert ist, als die meisten befürchten.

Quellen

  1. Trade Republic: Konditionen und Preisverzeichnis. traderepublic.com (Stand: März 2026)
  2. Scalable Capital: Preisübersicht Broker. scalable.capital (Stand: März 2026)
  3. ING: Direkt-Depot Konditionen. ing.de (Stand: März 2026)
  4. Finanztip: ETF-Sparplan-Vergleich 2026. finanztip.de
  5. Stiftung Warentest: Kosten für Wertpapierkonten im Vergleich. test.de (Finanztest 03/2026)
  6. Finanzfluss: Sparplankosten-Rechner. finanzfluss.de
  7. Bundesverband deutscher Banken: Sparerpauschbetrag 2026. bankenverband.de
  8. MSCI: MSCI World Index Factsheet. msci.com (Stand: März 2026)
  9. J.P. Morgan Asset Management: Guide to the Markets Q1 2026. am.jpmorgan.com
  10. University of Michigan / Dalbar: Quantitative Analysis of Investor Behavior 2024. dalbar.com
  11. Bundeszentralamt für Steuern: Steueridentifikationsnummer. bzst.de